Jeux d'enfants (2003)

Jeux d'enfants (2003)

Liebe mich, wenn du dich traust
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  3. 93 Minuten

Filmkritik: "Cap ou pas cap?"

Mit 8 Jahren
Mit 8 Jahren © Studio / Produzent

Die beiden 8-Jährigen Julien und Sophie haben es nicht leicht. Sophie wird von den Mitschülern als "Polakin" gehänselt und Julien hat einen prügelnden Papi. Die beiden werden quasi unzertrennlich und machen sich einen Spass daraus, sich gegenseitig zu abstrusen Mutproben herauszufordern. Wetteinsatz: eine Blechbüchse, die ein Karussell darstellt. Cap ou pas Cap? Wenn sie gross sind, möchte er Tyrann werden und sie ein Flan.

Bald sind sie gross, und sie schlafen immer noch im selben Bett. Auch als Studierende werden noch sämtliche Regeln gebrochen. Das kindliche "Cap ou pas Cap?" blieb genauso wie das Karussell als Wetteinsatz. Aber ein Paar sind sie nicht. Sie schaffen es nicht, sich "Ich liebe Dich" zu sagen.

Mit 34 Jahren
Mit 34 Jahren © Studio / Produzent

Das grausame Spiel wird so weit getrieben, dass sie sich gegenseitig verletzen. Die Trennung ist die Folge, für zehn lange Jahre. Sophie heiratet einen Fussballmillionär "inspired by" Eric Cantona. Julien zieht mit Frau und Kind in zweifacher Ausführung in die Vorstadt. Glückseligkeit? Nicht ganz. Sophie und Julien sind bis zum Ende Ihrer Tage für einander bestimmt. Und wenn sie nicht gestorben sind... oder doch bis dass der Tod sie scheidet? Cap ou pas Cap?

Es war nur ein Frage der Zeit bis zum ersten Amélie-Klon. Jetzt ist er da. Yann Samuels Erstling erinnert stilistisch sehr ans fabelhafte Schicksal von Mademoiselle Poulain. Sein filmisches Universum wurde von den Decors bis zum Storyboard vom ehemaligen Illustrator am Schreibtisch entwickelt. Fast ein bisschen überkonstruiert kommt so der Film daher. Am meisten darunter leidet der Subplot mit Juliens unsterblichen Liebe zur krebsranken Mutter, die im zweiten Teil dem visuellen Zirkus weichen muss.

Sonst lebt der Plot aber von der genialen Idee mit den "Cap ou pas cap?" Der Dictionnaire hilft nur bedingt bei der Übersetzung. Der Schreibende hat sich belehren lassen, dass es sich um Kindersprache handelt. Mit acht Jahren ist "Cap(able)" in seiner Vollständigkeit noch ein bisschen schwierig auszusprechen. Nichts gewusst, dafür etwas gelernt. Aber zurück zur Karussell-Büchse, die als "plot device" den Zuschauer bangen lässt, weil er immer alles von der Handlung erwarten darf. Auch wenn die die konventionellsten romantischen Versuchsanordnungen (Stichworte: Mann, Frau, zwei Ringe, edles Restaurant) auf der Leinwand auftauchen, muss mit einer 180 Grad-Drehung gerechnet werden. Sowas ist nur dank dem Karussell plausibel.

Die Frage nach der Plausibilität stellt sich aber auch bei den "Liebenden". Ist es eine platonische Liebe oder ist da mehr? Sind die beiden einfach nur durchgedreht? Bringt sie die Liebe zum durchdrehen oder waren sie schon vorher verrückt? Wenn das ganze Leben ein Spiel ist, müssen sie sich nicht wundern, dass es die Liebe auch wird. Eine 0815-Rom-Com ist Jeux d'Enfants sicher nicht.

Die beiden Stars des Films sind äusserst charmant. Guillaume Canet lümmelte schon mit Leo am Strand und spielt hier erstmals einen romantischen Helden. Der Junge ist so knuffig, dass er im richtigen Leben sogar die "schöne Helena" Diane Kruger in den Hafen der Ehe "entführen" konnte. Marion Cotillard ist sowieso ein Plus für jedes Projekt. Die "Lilly" aus der Taxi-Reihe ist hier tollpatschig, quirlig und lebensfroh. Die Chemie stimmt zwischen den beiden. Oder wie der Franzose sagen würde, "le courant passe."

Für Liebespaare und alle die eins werden wollen, ist Jeux d'Enfants der Film der Saison. Wenns nicht klappt mit dem/der AngebetetEn, kann man immer noch dem legendären Chanson "La vie en Rose" lauschen. Gleich in vier Versionen schallt es aus den Kinolautsprechern. Louis Armstrong, Donna Summer, Trio Esperenza und Zazie haben sich daran versucht.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 6

navi_t

Leider ist alles ein bisschen zu fantastisch. Schade! So wirkt das Ganze wie ein Amélie-Abklatsch, obwohl die beiden Filme vom Plot her ja wirklich nicht viel gemeinsam haben... schade, schade... aber ist natürlich trotzdem sehenswert

hmm... mir hat gerade das Fantastische besonders gut gefallen und wenn das ein wenig an Amélie erinnert ist das nicht weiter schlimm, denn es sind beides wunderschöne, "fantastische" Filme die mit viel Liebe gemacht wurden 😊

dogwild

Anfangs etwas langsam gestartet, hat mir dann aber immer besser gefallen. Der Vergleich mit Amélie ist etwas weit hergeholt. Vom Plot her hat er mich irgendwie eher an "Die Liebenden des Polarkreises" erinnert. Ist übrigens auch ein Tipp an diejenigen, die solche Filme mögen.

kiri

Es könnte ein so fantastischer Film sein...
Leider ist alles ein bisschen zu fantastisch. Schade! So wirkt das Ganze wie ein Amélie-Abklatsch, obwohl die beiden Filme vom Plot her ja wirklich nicht viel gemeinsam haben... schade, schade... aber ist natürlich trotzdem sehenswert 😊

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