Anatomie 2 (2003)

Anatomie 2 (2003)

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  2. 101 Minuten

DVD-Review: Finger weg von Drogen!

Hei ho, hei ho...
Hei ho, hei ho... © Studio / Produzent

Jo Hauser (Barnaby Metschurat) ist überzeugter Mediziner. Seine Motivation ist es, den Menschen zu helfen und sie zu heilen. Allen voran natürlich seinen jüngeren Bruder Will, der an Muskelschwund leidet und an den Rollstuhl gefesselt ist. Als AIPler (Arzt im Praktikum) versucht er sich nun in einer renommierten Berliner Uni-Klinik. Hilfsbereit untersucht er dort ein kleines Mädchen, was zu einer nicht gemeldeten Not-Operation mitten in der Nacht führt. Doch diese Aktion bleibt nicht unbemerkt.

Steril war gestern.
Steril war gestern. © Studio / Produzent

Der angesehene Professor Müller-LaRousse (Herbert Knaup) hat alles beobachtet. Doch statt den engagierten Praktikanten zu entlassen, lädt er ihn zu einer speziellen Forschungsgruppe ein. Denn der Professor und seine Vorzeigestudenten (u. a. Heike Makatsch, Wotan Wilke Möhring, Frank Giering) gehören dem Bund der Anti-Hippokraten an. Um ihre Forschungen bei der Implementierung von synthetischen Muskelsträngen voran zu treiben, führen die Jungärzte gefährliche Selbstversuche durch...

Anatomie 2 beschreitet andere Wege als sein Vorgänger. Ging es an der Heidelberger Universität damals noch beschaulich zu und her, verlagert sich der Tatort nun in eine lebendige Berliner Klinik. Doch nicht nur die Location hat einen Sprung gemacht. Ganz dem amerikanischen Modell für Horror-Thriller-Sequels folgend, ist nun alles grösser, schneller und ausgefallener.

Der Film startet spannend und atmosphärisch mit einem angeschlagenen Mann, der an einer Gala vor versammeltem Publikum wirres Zeug vor sich hin stottert und sich später noch selbst mit einem Skalpell verletzt. Diese Szene wirft viele Fragen auf und macht Lust auf mehr. Leider kann Anatomie 2 dieses Level nicht lange halten. Nach dem tollen Start gibt es nur noch wenige stimmige Momente, und man wird das Gefühl nicht los, dass die Macher in punkto Story einfach einen drauf setzen wollten. Was ebenfalls negativ auffällt, sind diverse Lücken in der Geschichte (einige Handlungsstränge werden angefangen aber nicht weitergeführt oder gar abgeschlossen) oder Ereignisse, die zu schnell voranschreiten (Jos Aufnahme in die Loge).

Stefan Ruzowitzky wollte zuerst nicht an einer Fortsetzung mitwirken, liess sich dann aber doch von den Produzenten dazu ermuntern und übernahm neben dem Regiestuhl wiederum den Part des Drehbuchautors. Er inszeniert Anatomie 2 bewusst schneller und actionorientierter als den ersten Teil, was auch gut zum neuen Szenario passt. Rasantere Schnitte und Verfolgungsjagden unterstreichen diesen Charakter ebenso, wie die zum Teil grellen Farben in den OP-Sälen. Das darf man sicher positiv werten, denn die Macher wollten hier keine 0815-Fortsetzung schaffen. Ein weiteres Plus sind die Splattereffekte. Diese sind jedoch nicht allzu heftig und fügen sich gut in den Film ein.

Die Charaktere wirken bewusst kühl und arrogant. Heike Makatsch ist dafür das Paradebeispiel und macht ihre Sache dementsprechend gut. Neben ihr können auch Herbert Knaup als erfolgsbesessener Professor und Barnaby Metschurat als emotionaler Jungarzt überzeugen. Letzterer wurde für seine Darbietung sogar mit dem Bayrischen Filmpreis 2003 als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet.

Fazit: Anatomie 2 setzt sich etwas vom Horrorgenre ab und präsentiert sich als Medizin-Thriller. Dass man hier nicht einfach eine "klassische" Fortsetzung gedreht hat, muss man dem Produktionsteam zugute halten. Die Inszenierung unterstützt diesen Genrewechsel zusätzlich. Allerdings wird die Story, je länger der Film dauert, immer unglaubwürdiger und es schleichen sich Fehler ein. So bleibt ein spannungsarmer und wenig atmosphärischer Schocker übrig, von dem wenig hängen bleibt.

Das Bild der DVD weist ein gelegentliches Rauschen auf, ist sonst aber ok. Dafür ist der Ton gut abgemischt und überzeugt vor allem, wenn es laut wird. Das interessanteste Extra ist der Vergleich zwischen drei Probeaufnahmen und den Originalszenen, die später im Film vorkommen. Mehr davon wäre nicht verkehrt gewesen. Das knapp 17-minütige Making-Of liefert ein paar nette Hintergrundinfos und Ansichten vom Filmteam. Abgerundet wird das Ganze durch Standardmaterial wie zum Beispiel entfallenen Szenen, Trailer oder den Regiekommentar. Ausserdem hat es noch eine Bildershow vom eintägigen Dreh für das DVD-Menü.

/ rhe