The Wire - Season 1 (2002)

The Wire - Season 1 (2002 / Serie)

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  2. 60 Minuten

DVD-Review: Luege, Lose, Verhafte.

"Wotsch Problem?"
"Wotsch Problem?" © Warner Bros.

Jimmy McNulty (Dominic West) ist zwar ein guter Ermittler des Morddezernates, aber er ist auch dafür bekannt, dass er bei jedem aneckt und sich des Öfteren Ärger mit seinem Boss (John Doman) einhandelt. Doch seine Leistungsbereitschaft macht ihn unverzichtbar für die Einheit. Jetzt hat sich Jimmy in einen Fall verbissen, den eigentlich niemand haben will. Mit einer wild zusammengesetzten Truppe unter der Leitung von Lt. Cedric Daniels (Lance Reddick) soll er gegen den Drogenring von Avon Barkesdale vorgehen. Auf dessen Konto gehen auch einige Morde, die nie aufgeklärt wurden, da schlichtweg die Beweise fehlten. Erschwerend kommt noch hinzu, dass niemand weiss, wie Barkesdale aussieht.

"Wa wotsch?"
"Wa wotsch?" © Warner Bros.

Ganz andere Sorgen hat Barkesdales Neffe D'Angelo (Larry Gilliard Jr.). Als er bei einem Mordprozess freigesprochen wird, muss er als Strafe für seine Verhaftung in den Projects arbeiten gehen und dort den Drogenfluss überwachen. Dabei kommt er unweigerlich mit der Polizei in Kontakt, die anhand von Abhöraktionen versucht, an den grossen Barkesdale heranzukommen. Der Polizei zur Hilfe steht dabei auch der obdachlose Junkie Bubbles (Andre Royo), der eigentlich nur helfen will, aber selbst dringend Hilfe braucht.

Die Arbeit von Gesetzeshütern wird in Hollywood gerne mit aufregenden Verfolgungsjagden und massig Schiessereien inszeniert. Dass dies nicht wirklich der Wahrheit entspricht, ist klar. Mit The Wire, einer Serie, die von 2002 bis 2008 auf dem Pay-TV-Sender HBO lief, zeigte man dem Zuschauer, dass es vielmals die Bürokratie und das Gärtchendenken sind, welche die Polizeiarbeit erschweren. Die Serie wurde ein Hit, und sogar Barack Obama zählt sie zu seinen Lieblingsserien. Die erste Staffel ist nun auf DVD erschienen.

Bei The Wire ist volle Aufmerksamkeit gefordert - einfach so nebenbei gucken geht nicht. Zu viele Figuren, zu viele Handlungsstränge erschweren zwar den Zugang für Gelegenheitsgucker, belohnen aber den Krimifan mit noch selten gesehener Komplexität. Was man der Serie gross anrechnen muss, ist der Umgang mit ihren Figuren. Es sind Menschen und keine Klischees. Die Macher nehmen sich Zeit für die Probleme und die Sorgen jeder Figur. Dabei spielt es keine Rolle, auf welcher Seite des Gesetzes sie agiert. Der Zuschauer sieht beide Seiten, und daneben erweitern die Geschichten von Drogensüchtigen das Gesamtbild dieser unschönen Drogenwelt.

Mit Dominic West (dem Bösewicht aus Punisher: War Zone) als McNulty hat man zudem den idealen Schauspieler für die Hauptrolle gefunden. Die Sturheit und die Zielstrebigkeit dieser Figur bringt West sehr gut rüber und hat auch die meisten Sympathien beim Zuschauer. Ihm zur Seite stehen weitere überzeugende Darsteller, bei denen es unfair wäre, einen hervorzuheben. Toll sind sie alle.

Fazit: The Wire wird von einigen Kritikern als die beste TV-Serie aller Zeiten bezeichnet. Ob dies der Wahrheit entspricht, muss jeder für sich selbst herausfinden. Klar ist, dass die erste Staffel packende Unterhaltung bietet mit interessanten Einblicken in die wirkliche Polizeiarbeit und die Gefühlswelt von mehreren Personen. Wer Action sucht, ist falsch. Wer Realitätsnähe sucht, genau richtig.

Die Serie wurde noch in 4:3 gedreht, was bedeutet, dass bei einem 16:9-Bildschirm links und rechts schwarz dominiert. Was die Qualität angeht, ist das Bild jedoch enttäuschend. Selbst bei kleinsten Kamerabewegungen sind Schwächen erkennbar. Der Ton reisst niemanden vom Hocker, jedoch sind die Dialoge jederzeit verständlich. Bonusmaterial gibt es nur in Form von drei Audiokommentaren, was bei 13 Folgen doch etwas schwach ist. Die Serie holt man definitiv nicht wegen der Technik und der Extras...

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 7

Suancabu

Meine Bewertung bezieht sich auf alle Staffeln 1 bis 5.

yan

Unglaublich vielschichtige Serie, die anfangs zwar seine Zeit braucht, aber dann richtig einfährt. Ob Gut oder Böse, ob Dealer oder Bulle, hier gibt es überall Sympathisanten und Mistkerle. The Wire zeigt wie eine Krimiserie aussehen muss. Hart, real und durchgehend fesselnd. Polizeiarbeit ist kein Zuckerschlecken, nie wurde das drastischer dargestellt. Grosse Klasse!

Chemic

Zitat Markus (2011-01-17 16:18:09)

Aber spätestens nach der "Fuck"-Mordabklärung von Bunk und McNulty war die Sache gegessen.

😄 fuck....hmmm fuckfuck......moooootherfucker....!

Die beste Szene der ganzen ersten Staffel.

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