Dirty Pretty Things (2002)

Dirty Pretty Things (2002)

Kleine schmutzige Tricks
  1. , ,
  2. 97 Minuten

Filmkritik: I schänke dir mis Härz

Okwe aus Nigeria
Okwe aus Nigeria © Studio / Produzent

Er arbeitet während des Tages als Taxifahrer, nachtsüber an der Reception eines Hotels. Wenn er einmal zu ein paar Stunden Schlaf kommt, so verbringt er diesen auf der Couch in der kleinen Wohnung, die er mit der Türkin Senay (Audrey Tautou) teilt. Fragt man ihn, woher er käme, antwortet er mit Nigeria.
Sein früherer Beruf: Arzt.
Sein heutiger Status: Illegaler Immigrant in London, England.
Sein Name: Okwe (Chiwetel Ejiofor).

Senay aus der Türkei
Senay aus der Türkei © Studio / Produzent

Eines Nachts entdeckt Okwe eine verstopfte Toilette in Hotelzimmer 510. Okwe will sich das genauer ansehen und macht einen grausigen Fund: Ein menschliches Herz wollte man hier runterspülen. Hotelbesitzer "Sneaky" (Sergi Lopez) bittet Okwe, die Sache zu vergessen, doch Okwe kanns nicht lassen. Würde er sich jedoch bei der Polizei melden, würde er deportiert werden. So muss er mit Hilfe seiner Freunde Senya und Gup Yi (Benedict Wong), beides ebenfalls illegale Immigranten, den Fall selbstständig lösen. Dabei kommen sie auf die Spur von - das darf ich ohne schlechtes Gewissen preisgeben - skrupellosen Organhändlern...

Nach High Fidelity arbeitet Regietalent Stephen Frears wieder in seiner Heimat Grossbritannien. Dirty Pretty Things spielt in einem London, wie man es noch nie gesehen hatte: es ist die Welt der illegalen Einwanderer. Dementsprechend gibt es, bis auf die Fremdenpolizei, keine Engländer zu sehen. Dies verleiht dem Film ein ganz besonderes Feeling. Überhaupt handelt es sich bei diesem Werk um etwas Einzigartiges.

Werden viele Genres kombiniert, so kommt meist etwas Halbgares heraus, doch nicht in diesem Fall. Dirty Pretty Things ist Drama, Thriller, Romanze, Schwarze Komödie, Sozialkritik und Moralgeschichte in einem und funktioniert ausnahmslos auf jeder dieser Ebenen. Der Film ist nicht leicht zu verdauen. Er führt uns das nicht gerade lebenswerte Leben der Immigraten knallhart vor Augen. Und doch gibt es immer wieder Momente der Hoffnung und ein Lachen macht den Tränen Platz.

Chiwetel Ejiofor (Amistad) hypnotisiert mit der Ruhe und Intelligenz, die er als Okwe ausstrahlt. Und auch wenn Audrey Tautou es mit dem türkischen Akzent nicht wirklich hingekriegt hat, so verleiht sie Senya Stärke und Verletzlichkeit zugleich. Es war sicher eine mutige Entscheidung, diesen Part anzunehmen und ein neuer Schritt, um vom Amelie-Image wegzukommen.

Das Faszinierende an Frears' Film, sind die Gegensätze. So wird zum Beispiel mit sehr warmen Farben gearbeitet, während die Geschehnisse eher eine kältere, schmutzigere Atmosphäre verlangt hätten. Da werden realitätsnahe Charaktere mit Klischees vermischt, Spannung durch Schwarzen Humor zum Halt gebracht und Weinen durch Lachen abgelöst. In anderen Filmen hätte mich dies gestört und verwirrt. Doch hier gelingt der Balanceakt und es bleibt ein in jeder Hinsicht bewegendes Filmjuwel.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 4

lafrecciablu

Stephen Frears hat schon ein paar wirklich gute Filme präsentiert. Man erinnere sich an "Mein wunderbarer Waschsalon" oder "Dangerous Liaisons". Dirty Pretty Things hat 'was von seinen früheren Werken. Underdogs, die in der Gesellschaft irgendwie zu überleben haben, sind die Protagonisten dieser Geschichte. Illegale Einwanderer, die miese Jobs machen und sich dauernd auf die Kappe scheissen lassen, denn wer aufmotzt hat mehr als nur seine Arbeit zu verlieren. In dieser Ambience versteht es Frears, einen wilden Genre-Mix zusammenzubasteln, der berührt, hinterfragt und auch spannend ist und trotzdem nicht als Flick-werk erscheint. Zwei Daumen hoch für dieses kleine Filmjuwel aus Englands Unterschicht.

rm

DVD-Review: Da werrden Immigranten zu Bekannten

rm

Yes, ma. Your are freaking right! Kanns nicht erwarten den Audiokommentar auf der DVD zu hören.

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