Fight Club (1999)

Fight Club (1999)

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  2. 139 Minuten

Blu-ray-Review: Ein Tumor namens Marla

Blendets?
Blendets?

Jeder von uns kennt das Gefühl. Man arbeitet, ohne es wirklich cool zu finden. Man lebt sein Leben einfach so vor sich hin und wenn man nicht schnellstens aus diesem Alltagstrott und dieser Frustration rauskommt, dann besteht die Gefahr, dass etwas passieren kann, das eigentlich gar nie beabsichtigt war. Jack (Edward Norton) hat genau diese Probleme. Sein Job suckt, versucht durch schwedische Möbelstücke *hust*IKEA*hust* ein bisschen "normales" in sein Leben zu bringen. Ausserdem leidet er an Insomnia, kann also nicht schlafen. Drum verbringt er die Nächte in diversen Selbsthilfegruppen. Seien es Hodenkrebsprobleme oder sonstige Gebrechen. Jack ist immer da, weint sich aus und findet so eine Beschäftigung. Aber er hat eine Nachahmerin gefunden. Marla (Helen Bonham Carter), welche genau das gleiche macht und sich nun mit Jack abspricht, damit nicht beide Simulanten den gleichen Kurs besuchen.

Eines Tages trifft er in einem Flug einen interessanten Typen namens Tyler Durden (Brad Pitt), der sein Geld mit Seife macht und auch sonst das Leben halt lebt wies kommt und sich kaum an Regeln hält. Als Jack mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sein Apartment explodiert ist und er kein Zuhause mehr hat, kontaktiert er seinen neuen Freund und zieht bei ihm ein. Vorher gibts aber noch eine kleine Aufgabe. "Hit me, as hard as you can", sagt Tyler und Jack schlägt ihm aufs Ohr. Daraus entsteht ein Kampf, der für beide befreiend wirkt und sogar ein paar Zuschauer anlockt.

Prügelknabe?
Prügelknabe?

Was als kleine Prügelei im Hinterhof einer Bar anfängt, nimmt Formen an. Es entsteht der Fight Club. Wildfremde Menschen prügeln sich organisiert durch den Untergrund. Kein Abend ohne Regeln. Die da wären: 1. Du sollst nicht über Fight Club reden. 2. Du sollst NICHT über Fight Club reden. 3. Wenn jemand aufgibt oder "Stop" ruft, ist der Kampf aus. 4. Es kämpfen nur immer zwei Männer. 5. Immer nur ein Kampf wird auf einmal stattfinden. 6. Hemd und Schuhe werden ausgezogen. 7. Die Kämpfe stoppen dann, wenn sie stoppen müssen. 8. Wenn heute deine erste Nacht im Fight Club ist, musst du kämpfen.

Nicht nur der Fight Club wird immer grösser, sondern auch die Probleme zwischen Tyler und Jack. Vor allem, da Marla immer wieder dazwischenfunkt und das ganze anheizt. Als Jack dann schliesslich herausfindet, dass unter dem Deckmantel des Prügelvereins inzwischen eine kleine Armee gebildet wurde, die grosse Dinge gegen die Gesellschaft plant, stellt er Tyler zur Rede. Aber dieser ist abgehauen und Jack muss nun versuchen, die geplanten Aktionen zu verhindern. Dass Tyler natürlich vor dem Finale noch eine tragende Rolle spielt und Jack erst dann klar erkennt, um was es eigentlich geht und wer Tyler Durden wirklich ist, scheint es zu spät.

Es gibt zahlreiche Bücher, die in Kritikerkreisen gerne mit "Unverfilmbar!" etikettiert werden. Fight Club von Kultautor Chuck Palahniuk gehört definitiv in diese Sparte. Aber Gott sei Dank hat dies David Fincher (The Girl With The Dragon Tattoo) nicht sonderlich gekümmert. Er schnappte sich Edward Norton, Brad Pitt und Helena Bonham Carter und fabrizierte ein seltenes Stück Film, bei dem man sich als Kinogänger nicht nur die Finger, sondern auch noch gerade die Zehen lecken sollte.

Fight Club ist seit seinem Release im Jahr 1999 in aller Munde. Jeder kennt den Film. Jeder hat ihn gesehen. Jeder findet ihn geil. Solche Exempel - so scheint es - gibt's in einem Jahrhundert nur einmal. Nun, Tarantinos Pulp Fiction mag vielleicht die Filmwelt bezüglich poppiger Gewaltverherrlichung umgekrempelt haben, aber Finchers Fight Club setzt punkto Stil, abgefahrener Story und vor allem cineastischer Perfektion noch einen drauf. Hier wird nicht kopiert, hier wird kreiert. Die Marke Fincher verleiht dem Kultfilm die Krone: Die atypische Erzählweise, der bunte Stil-Mix und computergesteuerte Kamerafahrten machen Fight Club bis heute unerreicht.

Doch das 136-minütige Monstrum wäre nicht perfekt ohne die teuflisch gute Besetzung: Norton, Pitt und Carter machen Figuren wie Tyler Durden oder Marla Singer zu Ikonen. Ikonen, an deren Lippen wir als Zuschauer hängen bleiben und in einen Rausch voller Gewalt, Sex, Drogen und gesellschaftlicher Entfremdung gezogen werden. So wirr die Welt von Fight Club auch sein mag - wir wollen ein Teil davon sein und unseren Spass haben und zu den Klängen der Dust Brothers oder der Pixies mit ihr untergehen. Weitere Worte würden den Zauber nur zerstören, denn schliesslich lautet die erste Regel von Fight Club: You do not talk about Fight Club.

Fazit: Fight Club ist ein zeitloses Meisterwerk, eine filmische Achterbahnfahrt, ein Trip ohne Drogen, ein Exempel gesellschaftlicher Entfremdung und einfach nur Wow! Selten hat ein Film in allen Belangen dermassen Stil vorweisen können. Der Kultknüller gehört - als Blu-ray jetzt erst recht! - in jede Filmsammlung.

Fight Club auf Blu-ray ist ein echter Augenschmaus: Gestochen scharfes Bild, klare Farben und ein atemberaubender Sound machen das Heimkinoerlebnis perfekt. Das Making-of ist unterteilt in Kapitel (Intro, Produktion, Notizen) und gibt einen Einblick in Finchers Vision. Dazu gibt es noch Trailer und einen Ausschnitt einer Award-Show, bei der Fight Club zehn Jahre nach dem Release für Aufsehen sorgt.

/ woc

Kommentare Total: 27

woc

Filmkritik: Ein Tumor namens Marla

mr.wolf

ich libe filme wie fight club. So düster und Gesellschaftskritisch.
Ich finde in mitten von all den animationsfilmen und scary movie nachamern sind filme wie fight club die rettung. Ich war von der ersten sekunde an gefesselt und das hat mich lange nicht losgelassen. Ist besonders empfelenswert für Leute die von diesen 08/15 Filmen gelangweilt sind. denn auf einen Film wie Fight club kommen etwa zehn filme wie "ey mann wo ist mein auto?".

psg

Zitat Dirty Harry (2008-05-17 21:54:48)
Zitat ()=() (2008-05-17 20:14:39)

Und welche ist die Beste.


Für einen Westernfan wie mich natürlich Jesse James. 😊

Doch die ist nicht halb so kultig wie die Rolle des Tyler Durdan. 😉

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Trailer Englisch, 02:26