Vollmond (1998)

Vollmond (1998)

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  3. 121 Minuten

DVD-Review: Blindekuh im Strassenverkehr

"Warum ist alles so dunkel hier?"
"Warum ist alles so dunkel hier?"

Kinder verschwinden jeden Tag und tauchen meist unversehrt wieder auf - doch hier liegt der Fall anders: 12 zehnjährige Kinder aus der ganzen Schweiz verschwinden spurlos in einer Vollmondnacht. Während für ihre Familien ein Alptraum beginnt, fällt der Polizei recht schnell auf, dass alle zehn Kinder in der gleichen Nacht verschwunden sind. Sie bildet eine Sonderkommission um Kommissar Anatol Wasser(Hanspeter Müller).

Er geht allen Hinweisen nach: Was haben die Eltern gemeinsam? Ist es von Bedeutung, dass alle Elternhäuser in unmittelbarer Nähe zum Wasser stehen? Wie kommt das frische Holz an Stellen, wo es nicht sein sollte?

"Mami, geh mal auf outnow.ch!"
"Mami, geh mal auf outnow.ch!"

Die Familien der Kinder gehen anders an die Sache. Was sieht die kleine Emmi (Mariebelle Kuhn), das die Erwachsenen nicht sehen? Was ist dran an ihrer Behauptung, sie wüsste wo ihr verschwundener Bruder Toni ist und warum hört ihr niemand zu? Warum träumen alle Mütter ähnliche Träume und sehen darin alle verschwundenen Kinder obwohl sie sie nicht gekannt und nie ein Foto von ihnen gesehen haben? Und was hat das rätselhafte Poster, auf dem ein schwarzes Kind in einem Boot steht und sich die Augen zuhält, mit all dem zu tun?

Trotz Nachrichtensperre bekommt auch die Presse Wind von der Sache und beginnt die Familien mit allen Mitteln der Massenmedien zu jagen und belästigen.

Nach Wochenfrist erhalten alle Eltern einen Brief ihrer Kinder mit einem orakelhaften Inhalt. Bis zum nächsten Vollmond müssen sie den Text entschlüsselt und die Forderungen erfüllt haben. Ihnen bleiben 18 Tage ...

Der Vollmond - schon immer ein beliebtes mystisches Ereignis, vor allem in der Filmgeschichte. Da reicht das Repertoire von Werwölfen über x-beliebige Ungeheuer (z.B. nette Klapperskelette in Pirates of the Carribean) bis hin zu Hexen.

Dass ein Vollmond allerdings als ein Fristende herhalten muss, das ist selten. Macht die Sache aber nicht weniger spannend. Mit Vollmond ist Regisseur Fredi M. Murer ein wunderbarer Film gelungen.

Nicht nur, dass praktisch alle Hauptdarsteller ihren Job hier wirklich verstehen (vor allem Mariebelle Kuhn, die die kleine Schwester ihres verschwundenen Bruders humorvoll und lebensecht darstellt) und auch der Plot ist unheimlich spannend. Der Regisseur verwebt geschickt Träume und Realität, Hoffnung und deren Aufgabe, Menschen, die alle unfreiwillig in die gleiche Situation gezwungen werden und alle individuell nach Lösungen ihres Problems suchen müssen.

Immer wieder sind da Einstellungen, bei denen man sich fragt, ob das alles nur ein Traum ist, ob jemand halluziniert oder ob die Wirklichkeit ihre Hände im Spiel hat. Mystisch und geheimnisvoll wird die Geschichte der Kinder erzählt, werden Zusammenhänge aufgedeckt, die vielleicht doch gar keine Rolle spielen. Menschliche Reaktionen verfeinern das Gesamtbild und auch die Medien bekommen ihr Fett weg. Obwohl Fahndung per Fernsehen oft sehr erfolgreich ist, mischt sich vor allem der Fernsehen doch auch genauso oft in Sachen ein, von denen es lieber die Finger lassen sollte, weil es alles noch viel schlimmer macht. Auch die Tatsache, dass viele Familienmitglieder sich eher der Presse anvertrauen, als die Polizei ihre Arbeit ungestört erledigen zu lassen, wird ausgiebig behandelt. Natürlich darf man da auch die Paparazzi nicht aus dem Spiel lassen, denn die richten meist den grössten Schaden an und berichten praktisch ohne jedes Gewissen von jeder Neuigkeit, die Quote bedeuten könnte. So viele Züge von menschlichen Charakteren, von möglichen Entführungsgründen, von menschlichen Schwächen werden hier aufgezeigt, dass man unmöglich auf alles eingehen kann.

Am Ende kommt ein unheimlich spannender Film heraus, der - das darf schon mal verraten sein - bestimmt niemanden kalt lässt. Entweder man springt auf die eine Theorie an oder auf die andere. Egal was man am Ende glaubt, Nachdenken wird man darüber lange müssen.

Inwieweit existiert Mystik noch in einer Welt, die von Telefonen, Massenmedien, Computern praktisch überquillt? In der man jedes Wunder per Wissenschaft lösen kann und in der doch immer wieder unerklärbare Sachen geschehen die die Menschen dann in grösserer Verzweiflung als zuvor ratlos zurück lassen.

Vollmond ist eine Ode an die Fantasie, an Mystik und Legenden, an den Glauben in eine bessere Welt in der Kinder noch Kinder sein dürfen und die Erwachsenen lernen, auf ihre Herzen zu hören. Ein Beweis dafür, dass man für Mystery und Fantasy nicht immer Spezialeffekte braucht und trotzdem alles real und glaubhaft erzählen kann. Ein kleines Juwel und unbedingt sehenswert!

Die DVD bietet neben der massenhaften Auswahl an Sprachen noch einen Kinotrailer und einige Interviews mit dem Regisseur sowie seinen Hauptdarstellern.

/ Mandella