Ring - Ringu (1998)

Ring - Ringu (1998)

Ring - Das Original
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  2. 96 Minuten

DVD-Review: 4D Fernsehen mit tödlichen Folgen

Du willst also Supermodel werden...
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Unter den Schülern kursiert schon länger die Legende über ein Video, das den Zuschauer nach sieben Tagen umbringt. Dies soll sogar angekündigt werden, denn sobald es fertig ist, läute das Telefon und eine hässliche Stimme sage: "In sieben Tagen bist du tot". Obwohl nur wenige die Geschichte glauben, wurden über die letzen Monate mehrmals Schüler mit schrecklich verzerrtem Gesicht tot aufgefunden. Die Reporterin Reiko (Nanako Matsushima) will der Angelegenheit auf den Grund gehen und beginnt mit ihren Nachforschungen an der Schule, wo die ersten Opfer beklagt wurden. Vorerst hört sie aber kaum mehr als Dorfgequatsche, doch dann stösst sie auf eine brandheisse Spur und folgt ihr bis in einen Ferienressort, wo angeblich die letzten Opfer das Video gesehen haben sollen.

...das kann nämlich tödlich enden.
...das kann nämlich tödlich enden.

Reiko hat Glück und findet dort tatsächlich ein seltsames Video, das sie ohne zu zögern ansieht. Dies stellt sich aber als schwerer Fehler heraus, denn gegen alle Erwartungen ist tatsächlich etwas an der Legende dran, und plötzlich schwebt Reiko in Lebensgefahr. Verzweifelt holt sie sich bei ihrem Ex-Mann Hilfe, um das Rätsel hinter dem mysteriösen Video zu entschlüsseln. So kommt sie schrittweise einer schrecklichen Geschichte von einem Mädchen mit dem Namen Sadako auf die Spur, welches schon viele unschuldige Tote gefordert hat. Wird sie es schaffen, innerhalb von sieben Tagen den Fluch zu brechen, oder reiht sich auch Reiko in die lange Liste der Opfer ein?

Wenn man sich in letzter Zeit mit dem Horror der neusten Generation beschäftigt, ist man unweigerlich gezwungen, sich mit Remakes von Schockern aus dem asiatischen Raum auseinander zu setzen. Sei es The Grudge oder die kommende Pulse-Trilogie, alle haben ihre Wurzeln im Osten. Die Ringu-Saga hat im japanischen Raum gewaltige Wellen geschlagen und wurde seit 1998 in TV-Serien, Remakes und mehreren Kinofilmen weitererzählt. Ursprünglich basiert die Saga auf dem ersten Roman von Kôji Suzuki Ringu Trilogie, welche die tragische Geschichte von Sadako erzählt. Ringu konnte, kaum war er in den Kinos, die Massen begeistern und wurde zum gigantischen Hit. Dies zog natürlich viele Sequels nach sich, welche sich aber auch stark vom ursprünglichen Stoff entfernten.

Als Hideo Nakata mit der Arbeit an Ringu begann, hatte Drehbuchautor Takahashi Hiroshi bereits viele Anpassungen vollzogen und einiges vereinfacht, was in der Romanvorlage noch sehr komplex erklärt und thematisiert worden war. Hauptsächlich betraf das Sadako selber, denn um viele pseudowissenschaftliche Erklärungen zu vermeiden, wurde aus ihr kurzerhand ein Mädchen gemacht, das telekinetische Fähigkeiten hatte und schlichtweg das Böse repräsentierte. So wurde das Video in Natakas Version sozusagen zum Gefäss von Sadakos verbitterten Seele, die nach Rache schrie und sich so ihre Opfer holte. Im Buch hingegen verbreitete Sadako ihre Rache durch eine Art Virus, der die Menschen auf verschiedene Arten infizierte und nach sieben Tagen umbrachte. Während einige Änderungen durchaus Sinn machen, sind die Rollenumstellungen der Hauptcharaktere hingegen wieder fraglich, denn aus dem ursprünglichen Hauptdarsteller wurde eine Frau gemacht und ihr ein Ex-Mann zur Seite gestellt.

So gut das Szenario allerdings ist, aus heutiger Sicht wirkt der Film lange nicht so beeindruckend, wie er sein könnte. Da die Handlung bis auf wenige Momente am helllichten Tag spielt und diese auch sehr gemächlich erzählt wird, kann kaum die düstere Drohung etabliert werden. So gibt es zwar einige Momente, wo man die Intensität spürt, welche der Film in sich hätte, doch meistens bleiben die Schockmomente ungenutzt. Die Schauspieler helfend leider auch nicht viel, denn diese spielen sehr auf Sparflamme, und nur in den extremsten Momenten zeigen sie, was in ihnen steckt. So wird zwar eine sauber erzählte Geschichte und eine spannende Mythologie geboten, die man auch gerne erkundet, doch die grosse Überraschung ist es nicht geworden, und schlaflose Nächte wird er kaum noch bereiten.

Fazit: Ringu gehört sicher zu den Filmen, die im Horrorgenre sehr viel ausgelöst und mit der Ringu Mythologie auch bereichert haben. Ihm haben wir es wohl auch zu verdanken, dass jetzt regelmässig in Horrorfilmen Mädels mit langen, schwarzen Haaren auftauchen, denn Sadako, oder Samara, wie sie in den Remakes genannt wird, ist inzwischen zu einer Horrorikone der neusten Generation geworden, die sich etwa auf die gleiche Stufe wie ein Pinhead oder Jason stellen kann. Der Film selber ist aber leider lange nicht so beeindruckend, wie die eigentliche Saga. Auch wenn der Film qualitativ gut produziert wurde, heute kann er kaum mehr schocken. Wer sich aber etwas für Horrorgeschichte interessiert und sich einmal den Film anschauen will, der alles ausgelöst hat, der ist hier genau richtig. Doch stellt euch lieber auf einen Mysteryfilm ein, als auf einen intensiven Horrorstreifen.

Die DVD bietet in der Ringu-Universum-Box den Film in einer sehr guten Qualität und präsentiert den Film mit sehr scharfem Bild und einem Ton, der sauber und klar klingt. Als Bonusmaterial finden sich nur zwei Interviews und ein paar Trailer. Schade. Wenigstens kann man im beigelegten Booklet viel über die bewegte Hintergrundgeschichte erfahren.

/ db