Perdita Durango (1997)

Perdita Durango (1997)

Oder: Durchgeknallte Sexbombe

Ramba Zamba

Ramba Zamba

Perdita (Rosie Perez) bringt den Männern für ein bisschen Kohle Befriedigung. Ihre Schwester wurde von deren Ehemann erschossen, der richtete sich danach selber und Perdita bringt nun die Urne mit den Überresten auf den Friedhof. Ihr Leben braucht einen neuen Kick und den erhofft sie sich an der mexikanischen Grenze. Dort trifft sie auf Romeo (Javier Bardem), der sein Geld mit Banküberfällen und Priestershows verdient, in denen er auch mal an einer Leiche rumschneidet und Blut trinkt. Koks gehört sowieso dazu und der Kerl ist auch ein bisschen in der Welt herumgekommen. Aber als er Perdita sieht, meldet sich das Tier in ihm.

Die Beiden kommen zusammen, lassen ihren animalischen Trieben freien Lauf, pimpern was das Zeugs hält und planen, gemeinsam einen Menschen zu töten, um die nächste Stufe der Befriedigung zu erreichen. Duane (Harley Cross) und Estelle (Aimee Graham), ein weisses und unschuldiges Teenagerpärchen, werden ihre Gefangenen, die nun für diverse Spielereien herhalten müssen. Geschlechtsverkehr inklusive.

Krieg ich noch Erdnüsse oder was?

Krieg ich noch Erdnüsse oder was?

Ausserdem nehmen Romeo und Perdita einen gefährlichen Auftrag an. Sie sollen eine Ladung gefrorener Embryos über die Grenze schmuggeln, weil ein Mafioso damit Hautcreme fabrizieren will und das Ganze ein recht lukratives Geschäft zu sein scheint. Was unser Pärchen nicht weiss, ist, dass Cop Willy "Woody" Dumas (James Gandolfini) ihnen auf den Fersen ist und sich nicht scheut, ein Blutbad zu veranstalten, um diesen Fall zu lösen. Ausserdem scheint es im Ablauf der Übergabe der Embryos irgendwo eine Ratte zu geben, welche nicht nur den Transport in Gefahr bringt, sondern auch Romeo und Perdita an den Kragen will.


DVD-Rating

In den 90-er Jahren gingen die Filmemacher einen Schritt weiter, wenn sie einen Thriller vors Publikum brachten. Neue, ungewohnte Brutalität wurde gezeigt, Regisseure wie Quentin Tarantino kamen mit ihren Filmen auf und wurden von den Menschen eingesogen. Da durften die vielen, leider mehrheitlich unbekannter gebliebenen Filme nicht fehlen, die zwar ein ähnliches Thema hatten und ebenso mit Blut nicht geizten, aber halt den Sprung an die grosse Öffentlichkeit nicht schafften. Einer davon ist Perdita Durango.

Seit Javier Bardem für seine Rolle in No Country for Old Men mit einem Goldmann ausgezeichnet wurde, machen sich die Neugierigen auch mal auf die Suche nach früheren Filmen des Mannes. Wenn sie nach seiner ausgeflipptesten Rolle suchen, stossen sie früher oder später auf Perdita Durango in dem der Spanier so richtig die Sau rauslässt. Durchgeknallt, wahnsinnig und völlig abgedreht agiert der Schauspieler in seiner Rolle als Romeo, der während des Banküberfalls auch schon mal eine Kassiererin bittet, ihm doch ihre Titten zu zeigen. Sympatischer Kerl, nicht?

Die Haupt- und Titelrolle hat aber Rosie Perez inne. Sie, die in White Men cant Jump oder It could happen to you bereits ansehnliche Erfolge vorzuweisen hatte, zeigt sich hier sexy und knackig wie selten zuvor. Ein bisschen weniger durchgeknallt als ihr männlicher Filmpartner, aber ebenso intensiv und animalisch gibt sie die junge Frau, die auf der Suche nach dem speziellen Abenteuer ist und sich dann dummerweise in einen Mann verliebt, der dieses Gefühl nur teilweise erwidern kann. Wer behauptet, Rosie Perez sei nicht heiss, der sollte sich diesen Film anschauen. Denn auf so "aamächelig" war sie danach leider nie mehr.

In einer kultigen Nebenrolle treffen wir auf Sopranos-Star James Gandolfini, der einen hervorragenden Eindruck als Cop vermittelt, der verbissen und zynisch versucht, das Gangsterpaar zu schnappen.

Die Story von Perdita Durango ist keinesfalls eine Normale geworden. Immer wieder gibt es herrlich abstruse Zwischensequenzen, die, trotz Blut, Schiesserei und Tod, einfach verdammt komisch sind. Mehrfach ist der angesprochene James Gandolfini daran beteiligt, was seiner Rolle noch mehr Sympathie verleiht, auch wenn er eigentlich kein freundlicher Kerl ist. Auch unser Pärchen schafft es zwischendurch locker, dass der Zuschauer sie nicht mehr als Gauner wahrnimmt, sondern eine gewisse Sympathie aufzubauen vermag. Ein geschickter und interessanter Schachzug der Macher, der voll und ganz aufgeht.

Fazit: Perdita Durango wird von einem durchgeknallten Hauptdarstellerpaar getragen, deren Chemie optimal passt und von denen Rosie Perez heisser als heiss rüberkommt. Dieses Animalische trägt sich durch den ganzen Film und überdeckt auch die kleinen Schwächen im Drehbuch. Somit bekommt der Zuschauer schlussendlich einen sehr gelungenen Film geboten, der sich vor den bekannteren Kollegen nicht zu verstecken braucht.

Wer sich Informationen über den Film auf der DVD beschaffen will, muss lesen können. Denn diese werden in diversen Texttafeln vorgestellt und auf bewegte Bilder verzichtet man diesbezüglich. Dazu gibt es einen Gametrailer (wieso auch immer...) und den Trailer im Original und auf Deutsch. Das Bild ist, dem Alter des Films entsprechend, zeitweise ein bisschen verschmiert, stört aber den Gesamteindruck nicht gross. Tontechnisch wurde die deutsche Synchronfassung in besserer Qualität als das Original auf die DVD gepresst. Wer also das "Spanglisch" der Darsteller hören will (und nicht die deutsche Synchro) muss Abstriche in der Qualität machen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

14.03.2008 / muri

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