Liar Liar (1997)

Liar Liar (1997)

Der Dummschwätzer
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  2. 86 Minuten

Filmkritik: Ehrlich währt am längsten

Mit Papa hat man immer etwas zu lachen?
Mit Papa hat man immer etwas zu lachen? © Universal Pictures

Fletcher Reede (Jim Carrey) ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt. Mit seiner Gabe, Storys so zu wenden, dass sie perfekt auf seine Klientel massgeschneidert sind, gewinnt er Prozess um Prozess. Wie im Job greift Fletcher auch privat immer öfter zu Notlügen, beispielsweise, wenn es darum geht, wieso er seinen fünfjährigen Sohn Max (Justin Cooper) nicht bei seiner Ex-Frau Audrey (Maura Tierney) abholen kann oder dessen Geburtstag verpasst. Ganz zum Leidwesen von Max, welcher sich beim Ausblasen der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen wünscht, dass sein Vater nur einen einzigen Tag nicht lügen könne.

Der Wunsch von Max geht in Erfüllung, Fletcher muss mit der neuen Situation zurechtkommen, da es ihm nicht mehr gelingt, die Unwahrheit über die Zunge zu bringen. Dummerweise steht er in einem wichtigen Scheidungsprozess als Anwalt vor Gericht und müsste den Prozess mit seinen Aussagen etwas optimieren, was ihm aber nicht gelingt. Erst als Audrey androht, mit ihrem neuen Partner Jerry (Cary Elwes) nach Boston zu ziehen und Max mitzunehmen, merkt Fletcher, wie viel ihm an seiner Familie liegt und dass er dringend mit dem Lügen aufhören muss.

Liar Liar bedient die Themen Familie und deren Vereinbarkeit mit dem Beruf. Dabei wird kein Klischee ausgelassen, um schlussendlich etwas gar dick aufzutragen. Eine gute Falle macht aber auf jeden Fall Jim Carrey, welcher eindrücklich beweist, dass seine Gesichtsmuskulatur sicherlich nicht mit Botox stillgelegt wurde.

«Hinter jedem Witz steckt auch ein Fünkchen Wahrheit.» Dieses Zitat trifft auch auf die 1997 entstandene Komödie Liar liar zu, welche unter dem unpassenden deutschen Titel «Der Dummschwätzer» bekannt wurde. Unter der Regie von Tom Shadyac befasst sich die Komödie mit einer nicht ganz rund laufenden Familiengeschichte. Das angesprochene Fünkchen Wahrheit erkennt Fletcher selbst, jedoch erst ganz am Ende der Geschichte: nämlich, worauf es wirklich ankommt im Leben. Lieber zu spät, als gar nicht, ist man gewillt zu sagen. Hinter der erst komischen, bald etwas repetitiven Komödie steckt tatsächlich eine Message.

Leider wird diese Erkenntnis, in stupide Komik verpackt. Ganz im Stile von Dumb and Dumber, einem anderen Film mit Jim Carrey, sind die Eskapaden zwar phasenweise witzig, irgendwann aber einfach nur noch doof und gar sexistisch. 1997 mag dies noch akzeptabel gewesen sein, heute käme dieser Humor (Liftszene!) wohl nicht mehr ganz so gut an.

Liar liar wirkt im Aufbau etwas gar simpel, die Rollen sind stereotyp und klar verteilt. Die Eingangssequenz, als die Lehrerin den kleinen Max hämisch lächelnd darauf hinweist, dass sein Vater nicht «Rechtsverdreher» von Beruf sei, legt den Grundstein dazu: Hier wird in Schubladen gedacht, welche wenig Spielraum für Individualität lassen. Ein kurzes Intermezzo in Form einer energiegeladenen Ansprache Fletechers, adressiert an seine Klientin, lässt etwas Hoffnung schimmern und durchbricht die sexistischen Maximen nur dazu, um sie dann erneut zu rekonstruieren. Aber eben, es war 1997...

Beeindruckend ist einmal mehr die Leistung von Jim Carrey. Kaum einer besitzt eine derartig gummige Visage wie er, es ist eine richtige Gesichts-Kirmes. Allerdings wirkt die Gesichts-Kirmes mit der Zeit etwas ermüdend und wird mit fortlaufender Zeit zu repetitiv. Dabei geht vor allem Maura Tierney als Ex-Frau von Fletcher unter, sie erhält zu wenig Screentime, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Jim Carrey trägt als Alleinunterhalter oder «Allein-Blödler» den Film auf seinen eigenen Schultern. Der Unterhaltungswert stimmt jedoch einigermassen, trotz Einbussen und einem sehr an den Haaren herbeigezogenen Ende, so dass man Liar liar mal schauen kann - mehrmals dann aber doch eher weniger.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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