Crying Freeman (1995)

Crying Freeman (1995)

Crying Freeman - Der Sohn des Drachen
  1. , ,
  2. , ,
  3. 102 Minuten

Filmkritik: The Young Man with the Dragon Tattoo

Ein tolles Profil-Bild
Ein tolles Profil-Bild © Studio / Produzent

Der Freeman (Mark Dacascos) gehört zu dem geheimnisumwobenen Killer-Orden der «Söhne des Drachen» und beseitigt in ihrem Auftrag immer wieder hohe Ziele aus Mafia- und Yakuzafamilien. Bei seinem letzten Auftrag beobachtete eine ungewollte Zeugin die Bluttat. Die Malerin Emu (Julie Condra) ist schockiert und fasziniert zugleich vom Auftreten des leisen Killers, der nach dem Mord eine Träne vergiesst - und so rasch verschwindet, wie er aufgetaucht ist.

«I love Lamp.»
«I love Lamp.» © Studio / Produzent

Der Kodex seines Clans würde Freeman dazu zwingen, die Zeugin ebenfalls umzubringen. Als sich die Augen der beiden jedoch trafen, war es Liebe auf den ersten Blick und anstatt Emu das Leben zu nehmen, tut er alles um sie zu beschützen. Dies gefällt wiederum den Söhnen des Drachen ganz und gar nicht. Darüberhinaus sind ihm auch noch die Polizei, angeführt von Inspektor Netah (Tchéky Karyo), und die Rache schwörende Yakuza-Familie auf den Fersen.

Das Debüt des französischen Regisseurs Christophe Gans versteckt seine Einflüsse nicht und das ist gut so. Die John-Woo-Ästhetik passt wunderbar zur tragischen Gangsterballade, die ebenso pathetisch wie brutal daherkommt. Der säuselnde Score ist das Tüpfelchen auf dem i eines komplett durchgestylten Actiondramas, welches durchaus auch die Wachowskis beeinflusst haben dürfte. Mit etwas besser gezeichneten Figuren und einer Prise mehr Erotik und Chemie zwischen den Liebenden hätte Crying Freeman ein Actionmeisterwerk werden können. Daran schrammt der Film zwar vorbei, wenn auch nur sehr knapp.

24 Jahre bevor er den Bösewicht im dritten Teil der John-Wick-Reihe mimte, trat Kung-Fu- und Karatespezialist Mark Dacascos als wortkarger Auftragskiller in diesem Actionfilm auf. Mit seinem durchtrainierten Körper und seinem traurigen Blick passt er optisch wunderbar in die Rolle des Freeman. Ähnlich wie Gosling in Drive bleibt seine Persönlichkeit hinter der kalten Fassade jedoch verborgen und auch in den Liebesszenen mit Julie Condra will er nicht so richtig auftauen. Dies macht den Helden zwar faszinierend und mysteriös, aber auch sehr unnahbar und die Liebesgeschichte zu distanziert. Bei der Romanze hätte Christophe Gans ruhig noch einen draufsetzen können, ist sie doch ein wichtiger Aggregator des Plots.

Was bei den Emotionen zwischen den Figuren nicht funktioniert, wird mit den Actionsszenen wieder glattgebügelt. Das Kugel- und Schwertballett ist an das moderne Hong-Kong-Kino der Zeit angelehnt und bietet toll choreographierte Gefechte, die von passenden Synth-Sounds untermalt sind. Es ist erstaunlich, dass dieser stylische, zum grössten Teil kanadisch produzierte Film in den USA erst 2018 veröffentlicht wurde, während er in unseren Breitengraden in jede anständige VHS-Sammlung gehörte. Wahrscheinlich war Crying Freeman seiner Zeit etwas voraus, denn wenige Jahre später stürmte John Woo selbst die amerikanischen Leinwände mit Face/Off, bevor die Wachowskis Zeitlupen und schwarze Anzüge endgültig salon- beziehungsweise kinofähig machten.

Der einfache Plot verwirrt sich ab und an in einem «Wer gehört zu welcher Bande»-Wirrwarr, findet aber rasch wieder zu seiner Geradlinigkeit. Im Finale nervt eine Nebenstory um Cop Netah (Tchéky Karyo) und seine Yakuza-Verbindungen ziemlich. Überhaupt dient die Figur des Polizisten der Dynamik der Geschichte nicht besonders, ist aber wahrscheinlich Teil der Mangavorlage.

Die Stimme des türkischstämmigen Karyo (Bad Boys) wurde in einer ganz sonderbaren Entscheidung durch diejenige von Hellboy Ron Perlman ersetzt. Kennt man die beiden Stimmen, irritiert die Figur umso mehr. Diese kleinen Stolpersteine auf dem Weg zu einem tollen Endkampf sind glücklicherweise überschaubar und bremsen den Genuss dieses durch und durch coolen Filmes wenig. Crying Freeman gehört nach wie vor in jede Filmsammlung. Eine 4K-Disc, die den Film nun in wunderbarer Optik präsentiert, tut es heute anstatt der VHS-Kassette aber auch.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd