Twelve Monkeys (1995)

Twelve Monkeys (1995)

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  2. 129 Minuten

DVD-Review: Wer ist hier nun der Spinner?!

Miss Science 1995
Miss Science 1995 © Studio / Produzent

Finstere Zukunft: Ein Virus hat den Grossteil der Menschheit dahingerafft. Die wenigen Überlebenden fristen ein tristes Dasein fern des Tageslichts im Untergrund; nur dort sind sie vor dem tödlichen Erreger sicher. Derweil - von der Krankheit unbehelligt - vermehren sich auf der Erdoberfäche die Tiere und erorbern ihre Lebensräume zurück.

Um dem Virus auf die Spur zu kommen, schickt ein Wissenschaftsgremium den Sträfling James Cole (Bruce Willis) in der Zeit zurück: Er soll den Ursprung der Katastrophe und ihre Akteure ermitteln. Hauptverdächtige - und damit zentral im Visier von Cole - ist die geheimnisvolle Aktivisten-Gruppe "Twelve Monkeys".

Did they really?
Did they really? © Studio / Produzent

Die ohnehin schon heikle Mission wird nicht nur dadurch gefährdet, dass man Cole in der Vergangenheit kein Wort glaubt und ihn für geisteskrank erklärt, sondern auch durch die zunehmenden Zweifel Coles an seinem eigenen Verstand. Die Unsicherheit, ob er einer realen Bedrohung oder einem Hirngespinst hinterherjagt, erschwert dem Zeitreisenden wider Willen die Lösung seiner Aufgabe immer mehr...

Twelve Monkeys ist cool! Und zwar aus verschiedenen Gründen:

Die Geschichte ist so spannend wie verwirrend. Sie lässt Raum für eigene Interpretationen und Überlegungen, gibt dem Publikum die Gelegenheit, mitzudenken. Wie dem Making-Of des Films zu entnehmen ist, war das Thema der erzählerischen Klarheit - oder eben Unklarheit - im gesamten Produktionsprozess ein viel diskutierter Punkt. Auch wenn es dabei scheinbar oft mehr dem Zufall als einer bewussten Steuerung zu verdanken ist: Dass die Twelve Monkeys-Story den Zuschauenden nicht alles restlos vorgekaut und vorverdaut serviert, verleiht dem Film sein spezielles Flair und seinen Charme.

Obwohl im Vorspann darauf hingewiesen wird, dass der Film von Chris Markers Kurzfilm La Jetée inspiriert wurde, hat Regisseur Terry Gilliam (Time Bandits, The Brothers Grimm) diese Vorlage tatsächlich gar nie gesehen. Vielmehr scheint Gilliam vorrangig seinen eigenen Gedankenwelten gefolgt zu sein - eine mitunter recht bizarre Angelegenheit. Als Beispiel genannt sei die absurd anmutende Gruppe der Wissenschaftler, die mehr den Eindruck eines undurchschaubaren, kaltherzigen Richter- denn eines Forschergremiums erweckt; oder auch die merkwürdigen, zischenden und schnaufenden Maschinen in den unterirdischen Gängen, über deren Zweck und Nutzen man endlos spekulieren könnte. Gerade in den Szenen zu Beginn des Films finden sich einige solch schräger Details, die man mitunter erst auf den zweiten Blick richtig wahrnimmt.

Spass macht zudem die Besetzung, allen voran Brad Pitt als schielender Schwurbel Jeffrey Goines. Den Kopf voll wilder Theorien, wechselt er blitzschnell von wütend zu versöhnlich und zurück, bringt alle in Aufruhr und sorgt innert Kürze für Chaos und Durcheinander. Das Darstellen skurriler und ungewöhnlicher Typen scheint Pitt zu liegen: Nie überzeugt der Hollywood-Beau mehr als in unkonventionellen Rollen - so beispielsweise auch in Fight Club und Snatch. An den Leistungen der anderen Darsteller gibt es ebenso wenig auszusetzen. Einzig die Beziehung von Bruce Willis/James Cole und Madeleine Stowe/Kathryn Railly wirkt etwas künstlich und emotionslos - da hat man schon knisterernde Leinwandpaare gesehen.

Emotional und ausgzeichent zur Stimmung des Films passend, ist dafür das wiederkehrende "Twelve Monkeys Theme", ein Auszug aus der "Suite Punta del Este" des Argentiniers Astor Piazzolla. Die eingängigen, irgendwie "zackigen" Klänge des Bandoneons passen gut zur verfahrenen Situation des Films und bleiben - zusammen mit dem Bild der sich endlos im Kreis drehenden Affen - auch nach Filmende im Ohr.

Twelve Monkeys sei somit allen wärmstens empfohlen, die gerne über eine (ungewöhnliche) Geschichte nachdenken, sie hinterfragen und den Faden weiterspinnen. Dabei gibt es durchaus auch Details und Aspekte, die offen und ungeklärt bleiben oder zumindest nicht über jeden Zweifel erhaben sind; ob abschichtlich, durch Zufall oder aufgrund von Nachlässigkeit entstanden, bleibe dahingestellt. So oder so: Toller Film des einstigen Monty Python-er Terry Gilliam, der die Produktionskrämpfe und -sorgen der Filmemacher aus Sicht des Zuschauers allemal wert war.

Zur DVD: Kernstück des Bonusmaterials ist die 90-minütige Dokumentation Der Hamsterfaktor und andere 12 Monkeys Geschichten. Die von Keith Fulton und Louis Pepe (Brothers of the Head, Lost in La Mancha) gefilmte Dok wird HIER separat besprochen. Weiter werden Filmographien der Darsteller Bruce Willis, Madeleine Stowe und Brad Pitt sowie des Regisseurs Terry Gilliam präsentiert und die Trailer von The Jackal, Fargo und The Relic angeboten. Schwerwiegender Negativaspekt der DVD ist das Fehlen des Originaltons: Film und Bonusmaterialien können lediglich in der deutschen Synchronfassung angeschaut werden - inakzeptabel!

/ rs

Kommentare Total: 4

psg

12 Monkeys hat irgendwann einen grauenhaften Hänger. Leider. Denn ansonsten ist die Idee und der Cast (Brad Pitt!) wirklich sehr gut. Alles andere als ein Gut-Laune-Film, aber doch noch empfehlenswert. Vielleicht habe ich auch zu viel erwartet, aber mehr als 4 Sterne gibt's nicht.

Zombiepolizist

12 Monkeys - Der beste Film aller Zeiten!

Ejup Bayrami

Es gibt noch eine remasterte DVD-Variante mit deutschem Dolby-Digital 5.1 und DTS Ton. Ausserdem ist diese Version auch mit dem englischen O-Ton in 5.1 Qualität ausgestattet.
Nach Möglichkeit ist die remasterte Version, aufgrund der genannten Vorzüge, der hier vorgestellten Version vorzuziehen.


[Editiert von Ejup Bayrami am 2006-05-14 15:54:12]

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