Léon: The Professional (1994)

Léon: The Professional (1994)

Léon - Der Profi
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  2. 110 Minuten

DVD-Review: Got milk?

Amidalas Anfänge
Amidalas Anfänge © Studio / Produzent

Mathilda (Natalie Portman in ihrer ersten Kinorolle) wohnt in einem Haus mit ihrer Familie. Der Vater dreht krumme Dinger mit Drogen, die Stiefmutter arbeitet horizontal, die Stiefschwester schlägt schnell zu und nur ihr kleiner Bruder vermittelt so etwas wie Liebe und Geborgenheit. Jeden Tag, wenn Mathilda im Treppenhaus rumlungert, trifft sie einen Mann im langen, schwarzen Mantel, der immer eine Sonnebrille trägt und kaum ein Wort spricht. Es ist Leon (Jean Reno), der sich nur von Milch zu ernähren scheint und den Kontakt zu anderen Menschen scheut.

Als das Mädchen eines Tages für den stillen Mann Milch kaufen geht, bekommt ihre Familie Besuch von Cops. Unter der Führung des psychisch sehr labilen Stansfield (Gary Oldman) wird ein Massaker veranstaltet und die Familie ausgelöscht. Leon, nebenan durch den Türspion guckend, bekommt alles mit, greift aber nicht ein. Das Mädchen kommt zurück, läuft an der eigenen Wohnungstür vorbei und klingelt bei Leon. Wenn er nicht aufmacht, ist sie tot. Der stille Mann zeigt Herz und öffnet die Tür.

silent but violent
silent but violent © Studio / Produzent

Die beiden unterschiedlichen Personen kommen sich näher. Sie, das kleine Mädchen, das ihre Familie verloren hat und nun auf Rache sinnt, lernt den Mann kennen. Er ist ein "Cleaner". Ein Auftragskiller, der Jobs von Tony (Danny Aiello) ausführt, nicht lesen kann, eine Pflanze als besten Freund ansieht und täglich trainiert, um seine eigene Vergangenheit zu vergessen.

Der Killer und das Mädchen finden je länger je mehr zueinander. Sie lehrt ihm das Lesen, er nimmt sie unter die Fittiche und kommt ihrem Wunsch eine Killerin zu werden, so gut es geht nach. Der verschlossene Mann fängt an, sich zu öffnen. Er entwickelt väterliche Gefühle, wagt es seit Jahren das erste Mal wieder in einem Bett zu schlafen, während sie ebenfalls rigoros anfängt zu trainieren und literweise Milch zu trinken. Die beiden werden ein Team, das Leons Aufträge nun gemeinsam durchführt. Immer im Hinterkopf allerdings ist dieses Gefühl von Rache. Mathilda macht sich alleine auf, den Mörder ihrer Familie zu stellen. Denn früher oder später wird sie sich dem Cop stellen. Mit Hilfe von Leon oder ohne. Doch dieser hat längst einen Auftrag erhalten, der ihn ganz nah an Mathildas Ziel bringen wird.

Die Franzosen zeigen den Amis, wie man coole, spannende und extrem gelungene Filme macht. Regisseur Luc Besson legte mit Leon einen wichtigen Grundstein für kommende, kommerzielle Filme in Hollywood. Jean Reno schaffte mit seiner excellenten Darstellung den Durchbruch endgültig und für Natalie Portman wars die allererste Filmrolle überhaupt. Dazu nahm man einen Schauspieler, der mit Vorliebe "böse" und psychopatische Rollen mimt, Gary Oldman und auch Altstar Danny Aiello durfte mitmischen. Das Resultat war ein Film, den man auch über 10 Jahre später noch staunend anschaut und der meines Erachtens von A-Z gelungen ist.

Die Geschichte zweier extrem unterschiedlicher Charaktere und deren Zusammenfindung ist hervorragend erzählt. So vermittelt denn Jean Reno seiner Figur, die immerhin ein bezahlter Killer ist, eine gewisse Hilflosigkeit und weckt das Bedürfnis, diesem Mann irgendwie helfen zu wollen. Bis er dann die Knarre zieht... Das Mädchen ist das pure Gegenteil. Laut, offen, disziplinlos und halt einfach jung. Beide Charaktere lernen voneinander und geben ihre Geheimnisse preis. Während sie tatsächlich pubertäre Gefühle für den stillen Killer entwickelt, ist seine Rolle ganz klar diejenige des väterlichen Freundes, der nicht mehr sein darf und auch nicht will. Dass er aber durchaus auch ausbrechen kann zeigt beispielsweise die Szene, in der er das Mädchen durch eine Schweins-Handpuppe aufzumuntern versucht. Das Zusammenspiel der beiden Figuren, und ich wiederhole mich, ist wirklich beeindruckend.

Der dritte im Bunde, nämlich der Psycho-Cop Gary Oldman steht ein bisschen im Hintergrund, begründet durch seine eher wenigen Leinwandauftritte. Wenn er dann aber kommt, sich die Pille einschiebt und mit seinem wirren Blick in die Kamera guckt, dann fragt man sich halt schon, wie so einer da drüben Cop werden konnte und wer nun als nächstes dran glauben muss. Ein tickende Zeitbombe, dieser Charakter, aber ebenfalls hervorragend dargestellt vom Schauspieler, der noch heute in schöner Regelmässigkeit ein Zittern auf die Leinwand zaubert.

Fazit: Zu Leon gibt es nicht viel zu sagen. Die Geschichte mag sehr unwahrscheinlich sein, wird aber mit einer Intensität und sehr viel Herz vorgetragen, dass man praktisch den ganzen Film am Bildschirm klebt und die schlussendliche Lösung einem so richtig durch Mark und Bein fährt. Minimalistisch und darum geradezu perfekt, wird der titelgebende Charakter verkörpert, der ganz langsam aus seiner Verschlossenheit auftaucht und die unsichtbaren Mauern immer fester einzureissen beginnt. Ein Klassiker, den jeder mindestens einmal geschaut haben sollte und der auch heute noch, nichts von seiner Intensivität und vielleicht auch Naivität verloren hat.

10 Jahre nach Veröffentlichung des Filmes haben diverse Mitwirkende des Filmes (Schauspieler, Produzenten, etc) etwas zum Jubiläum zu sagen. Wie wars damals? Was ist inzwischen passiert? Dauert ca. 30 Minuten. Dann kommt Jean Reno an die Reihe. Der Weg hin zu Leon wird genauestens erklärt. Mit vielen Bildern, Kommentaren und interessanten Details über die Filme und natürlich den Regisseur. Das gleiche sieht man mit Natalie Portman. Eigentlich sollte sie ja gar nicht gecastet werden, konnte dann aber beim Vorsprechen überzeugen. Und genau das sieht man hier auch. Auch lustig: Ihre reale Angst vor Gary Oldman. Beide Dokumentationen sind (leider nur) knapp 13 Minuten lang. Zusätzlich zu diesen interessanten Features gibt es eine Internationale Werbekampagne anzuschauen, die Filmographien der Stars auf Texttafeln, eine gelungene Fotogalerie und Trailern zu diversen neuen Filmen.

Auf der ersten, eigentlichen FilmDVD, hat man übrigens die Möglichkeit, den "Fact Track" anzuwählen, der während des Filmes interessante Details zu den gerade laufenden Szenen liefert. Auch auf dieser Disc finden sich auch der Trailer zum Film.

/ muri

Kommentare Total: 10

El Chupanebrey

Zitat henker

Zu Natalie Portman:
Unglaublich, dass eine Elfjährige schon so toll spielen kann.
Natalie war schon dort so gut, wie sie heute ist.
Ihre Imitationen von Charlie Chaplin, Madonna e.t.c sind auch sehr gelungen.Man muss sich wirklich immer klar machen, dass das ein elfjähriges Mädchen ist, die hier ihren ersten Film machte.

Zu Jean Reno:
brillant besetzt als Killer, der mit Mathilda, das Leben kennen lernt.
Leon war mir im Film total shympatisch, obwohl er eigentlich ein kaltblütiger Killer ist.

Zu Oldman:
Einfach grandios und perfekt. Widerliche Figur.

Das brauch ich ja nicht zu wiederholen. Aber es stimmt alles, ein toller Film mit überragenden Schauspielern.
Doch nicht nur die Hauptdarsteller sind super, auch z.B. Danny Aïello macht seine Sache sehr gut. Und Jean Reno in seiner wohl besten Rolle.

Léon ist ein verdammt guter Film, den man sich unbedingt ansehen sollte (Es sei denn, man kann kein Blut sehen...😄).

Lieblingsfilm #17

[Editiert von El Chupanebrey am 2008-11-16 12:08:00]

dreammaster

da gibts nicht viel hinzu-zufügen, für mich auch einer der besten filme die ich je gesehen habe!

joaoli

Auch mir hat dieser Film grosse Freude bereitet, genauso wie die Aufmachung der Tin. Da hat sich Kinowelt mal richtig Mühe gegeben, genauso wie bei der Collector's von "Saw". Meiner Ansicht nach darf Kinowelt ruhig so weitermachen!

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