Cool Runnings (1993)

Cool Runnings (1993)

Cool Runnings - Dabei sein ist alles
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  2. 98 Minuten

Filmkritik: You better believe - Jamaica has a bobsled team!

Trockentraining
Trockentraining © Disney | Disney+

Derice Bannock (Leon) will an die Olympischen Sommerspiele und hat in der Qualifikation dazu reale Chancen, seine Heimat Jamaika dort zu vertreten. Beim entscheienden Lauf aber stolpert Konkurrent Junior (Rawle D. Lewis) so unglücklich, dass nicht nur Derice hinfällt, sondern auch Yul Brenner (Malik Yoba), der sich ebenfalls Chancen auf eine Qualifikation ausgerechnet hatte. Der geplatzte Traum von Olympia sitzt deshalb tief und per Zufall wird Derice auf einen Mann aufmerksam, der in den Bars rumlungert, aber eine Geschichte als erfolgreicher Olympionike hat: Irv Blitzer (John Candy), der sich vor langer Zeit allerdings nicht in Sommerdisziplinen auszeichnet, sondern als Bobfahrer. Und genau da soll er nun Derice helfen, der mit dem ersten jamaikanischen Bobteam an die Winterolympiade in Kanada gehen will.

Kalt, gäll?
Kalt, gäll? © Disney | Disney+

Mit seinen zwei gestolperten Konkurrenten und Jamaikas «schnellsten Seifenkistenfahrer» Sanka (Doug E. Doug) macht sich Derice nun auf, unter der Führung von Blitzer das Bobfahren zu erlernen. Zwar ohne Schnee, dafür mit mächtig viel Trubel untereinander, müssen sie sich gegen allerlei Gegenwehr durchsetzen, Sponsorengelder organisieren, ihre Eltern täuschen und Techniken perfektionieren. Bis es die kurrlige Truppe tatsächlich schafft, sich für die Probeläufe in Kanada zu qualifizieren. Doch dort ist es nicht nur viel zu kalt für unsere Helden, sondern das Team hat weder Bobschlitten noch Erfahrung. Und die gestandenen Teams fangen schon bald an, die Exoten zu belächeln. Wenn sie da mal nicht noch eine Überraschung erwartet!

Cool Runnings war damals im Kino ein Hit und gefällt auch heute noch. Zwar hat nicht nur die Geschichte etwas Staub angesetzt, sondern auch die Auslegung der Figuren und der Spässe, aber gute Laune wird trotzdem geboten. Und wer das Teil damals schon gemocht hat, dürfte heuer mit einem schönen Schuss Nostalgie gerne immer wieder reinschauen, wenn die Rastamänner im Eiskanal auf die Jagd nach Respekt und Anerkennung gehen.

1993 lancierte das Haus Disney einen Film, der sehr lose auf wahren Begebenheiten basiert und den Kampf des exotischen Bobteams aus Jamaika thematisierte. Unter dem Titel Cool Runnings entwickelte sich die Komödie zum grossen Hit (über 150 Millionen Dollar Einspiel weltweit) und bescherte Komiker John Candy seinen letzten grossen Erfolg an den Kinokassen, bevor er dann kurze Zeit später leider verstarb.

Die Charakterisierung der Figuren ist klischiert und schubladisiert. So tanzen die Jamaikaner fast immer, tragen bunte Klamotten und haben immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Im Gegensatz dazu sind Bobteams aus Ostdeutschland fies, Schweizer sehr ernst und fokussiert, und die Russen verstehen eh nix. Über diese Eigenschaften muss man hinwegschauen und die Augen gerne mal zudrücken, um die Stärke von Cool Runnings zu sehen. Denn obwohl es in der Geschichte um Freundschaft und Willensstärke geht, ist der Film harmlos, witzig und setzt auf sein lustiges Bobteam, das mit der kanadischen Kälte seine Mühe hat, die Sätze mit «Ja, Mann» beendet oder aus dem Nichts die Herzen der Welt erobert. Frei nach dem Olympischen Gedanken «Dabei sein ist alles».

Der Unterhaltungsfaktor von Cool Runnings ist aber absolut vorhanden. Der Film bietet flotte Rhythmen, viel Slapstick, diverse Erwähnungen, die für uns Schweizer lustig sind («What's Schweiz?»). Und zuletzt schliesslich auch die schöne Story eines Teams, das nichts zu verlieren hat, sich gegen jegliche Widerstände zur Wehr setzt und mit Stolz seine Farben in die Welt hinaus tragen kann. Das passt auch, weil vor allem die Darsteller grundsympathisch sind und die Truppe (wie in einer Boygroup der Neunziger) unterschiedliche Charaktere beinhaltet: ein Sportler, ein mürrischer Kraftprotz, ein verwöhnter Junge und der kurrlige Clown, der stets sein mitgebrachtes Ei küsst. Klischiert ja, aber eben auch recht lustig.

John Candy hingegen fungiert als Mentor und hat nur selten witzige Momente zu bieten. Seine Rolle wird ein bisschen gar ernst angelegt, aber schliesslich hat sein Charakter ja in der Vergangenheit einen Fehler gemacht, unter dem er jetzt noch zu leiden hat. Das gehört wohl auch zu solchen Sportfilmen...

/ muri