Full Metal Jacket (1987)

Full Metal Jacket (1987)

Oder: Atäääääntschen!

In your Face, Private!

In your Face, Private!

1967 werden junge Menschen eingezogen, um dem Heimatland im Vietnamkrieg gegen den bösen Feind zu helfen. Aus diesen Normalos soll unter der Fuchtel des brutalen und rücksichtslosen Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) eiskalte Killermaschinen, sogenannte "Marines" werden. Die Truppe soll sich nach dem knallharten Bootcamp in die Kriegswirren begeben und genau das tun, für was sie ausgebildet wurden. Nämlich sterben.

Bauch einziehen, Hopp!

Bauch einziehen, Hopp!

Private Joker (Matthew Modine) ist einer dieser jungen Männer, die sich durch das unbarmherzige Training quälen müssen. Latrinen putzen, vollkommene Untergebenheit, Gehorsam und Disziplin bringen den Mann ans Ende seiner Kräfte. Ausserdem ist in seiner Kompanie der rundliche Private "Pyle" (Vincent D'Onofrio), der nur langsam lernt, wie man sich in der Akademie zu verhalten hat und der seine Unfähigkeit immer wieder vom Drill Instructor vorgeführt bekommt. Es kommt sogar soweit, dass die ganze Kompanie für die Fehler des Dickerchens büssen muss. Und damit verspielt Private Pyle jegliche Art von Akzeptanz.

Nach Abschluss des Trainings werden Private Joker und seine Kumpanen nach Vietnam entsandt. Während er als Berichterstatter anfänglich das Grauen des Krieges nur beobachten muss, werden seine ehemaligen Kameraden direkt in die Hölle des Krieges geworfen. Und auch Private Joker muss zum Gewehr greifen, um diesem Wahnsinn Paroli zu bieten.


DVD-Rating

Stanley Kubrick war natürlich ein ganz Grosser der Gilde von Regisseuren. Auch wenn seine Filme stehts mit einem vom Massenpublikum nicht ganz verstandenen Hintergrund gefilmt wurden, so konnte er doch Klassiker wie The Shining, Clockwork Orange oder natürlich 2001: A Space Odyssey realisieren, die ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern des Films garantierten. Der Mann, der gerne auch als "Genie" betitelt wurde, starb 1999 in England und sein letzter Film war der viel diskutierte Eyes Wide Shut.

Full Metal Jacket war sein Beitrag an die Antikriegsfilme der 80-er Jahre und der Film hat einiges zu bieten. Erstmal wäre da die Anfangssequenz, in der alle jungen Soldaten erstmal einen schönen Bürstenschnitt bekommen. Dann folgen Begegnungen mit dem unerbittlichen, laut schreienden und demütigenden Drill Instructor, der von R. Lee Emrey (Texas Chainsaw Massacre: The Beginning) hervorragend gespielt wird. Er schafft es, seine Figur schon nach wenigen Minuten zum absoluten Hassobjekt zu degradieren. Diese Ausbildung geht an die Knochen. Sogar dem Zuschauer wird bewusst, dass solche Demütigungen ("You are all Maggots!") unter Umständen problematisch werden können.

Hauptdarsteller dieses Films ist aber Matthew Modine (der in letzter Zeit aber hauptsächlich Gurken wie Funky Monkey gedreht hat) und der Bursche machte eine richtig gute Figur. Seine Rolle als Private "Joker" spricht auch Off-Screen zum Publikum und bringt seine Gedanken zum Krieg, der Armee und dem Leben allgemein an den Mann. An seiner Seite brach Vincent D'Onorfio einen Rekord. Er frass sich nämlich über 30 Kilogramm für seine Rolle als Private "Pyle" an. Und das ist sogar mehr als sich Robert De Niro für Raging Bull auf die Rippen haute. Seine gespielte Unschuld, der etwas depperte Blick in die Kamera und die eigentlich logischen Konsequenzen seiner Figur, trieben den Darsteller, der schon in Men in Black oder The Cell agierte, zu einer Höchstleistung, die er später kaum mehr erreichen sollte.

Full Metal Jacket hat ganz klar seine Stärken in der ersten Hälfte, wenn die Charaktere ein bisschen vertieft werden können und die knallharte Ausbildung zur Tötungsmaschine ihren Lauf nimmt. Nachdem die verschiedenen Soldaten im Krieg platziert werden, bekommt der Zuschauer den Eindruck, dass er solche Szenen und den Wahnsinn des Krieges doch auch von anderen Filmen kennt. Vielleicht nicht so dramatisch oder teilweise zynisch, aber so richtig von den Sitzen reissen mag der Film in der zweiten Hälfte nicht mehr.

Fazit: Full Metal Jacket lebt von einer starken ersten Hälfte, in welcher dem Zuschauer gnadenloser Gehorsam demonstriert wird und die jungen Menschen ihren eigenen Willen zu verlieren scheinen. Dazu kommen starke Darsteller und immer wieder die musikalische Untermahlung, die erst auf den zweiten Blick zu passen scheint. Trotz allen nicht so tollen Punkten in Hälfte Zwei des Films, vermag er über die ganze Spieldauer von knapp zwei Stunden zu überzeugen und gehört klar zu den Produktionen, die für den Regisseur typisch sind.

In der neu aufgelegten DVD-Edition kriegen wir auf der ersten Disc den Film und einen Trailer dazu geboten. Auf Disc Zwei werden alle Fans von Stanley Kubrick verwöhnt. Die empfehlenswerte Biographie Stanley Kubrick: A Life in Pictures lässt nicht nur Tom Cruise als Erzähler walten, sondern bringt Meilensteine der Karriere des Regisseurs an die Oberfläche. Bekannte Freunde (Jack Nicholson, Martin Scorsese) kommen ebenso zu Wort, wie Familienmitglieder und Arbeitskollegen. Wer also den Mann mit der wirren Frisur nur von Fotos oder alten Videokassetten kennt, der sollte hier einen Blick in diese Reportage werfen. Es lohnt sich allemal.

Full Metal Jacket kann man sich in drei verschiedenen Sprachfassungen anschauen und auch in Sachen Untertitel sind einige Optionen geboten. Technisch macht die DVD einen sehr gelungenen Eindruck. Der Ton ist klar und die Wirren des Krieges dröhnen unbarmherzig durch die Boxen. Das Bild wurde überarbeitet und lässt eigentlich keine Wünsche offen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

07.12.2007 / muri

Community:

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