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Blue Velvet (1986)

Blue Velvet - Verbotene Blicke

Blue Velvet (1986) Blue Velvet - Verbotene Blicke

Oder: Kleinstädtlicher Horro(h)r

Jeffrey (Kyle MacLachlan) kehrt nach jahrelanger Abwehsenheit in das Städtchen zurück, wo er damals aufgewachsen ist. Sein Vater ist im Krankenhaus und nach einem Besuch bei ihm, macht Jeffrey auf einer Wiese eine erschreckende Entdeckung. Vor ihm liegt ein menschliches Ohr im Gras.....

Mustenistafa Hoppa

Mustenistafa Hoppa

Natürlich ist unser Freund pflichtbewusst und bringt das Ohr auf die lokale Polizeistation, wo es untersucht werden kann. Leider wird ihm danach jegliche Information verweigert, so dass er sich auf die Informationen der Tochter des Polizeichefs, Sandy (Laura Dern), verlassen muss. Sie berichtet, dass dieser Fall mit einer Nachtklubsängerin zuammenhängen könnte, die in einem nachbarlichen Haus wohnt.

Angestachelt von detektivischer Lust machen sich die zwei auf, dieses Rätsel zu lösen. Jeffrey schleust sich in die Wohnung von Dorothy Vallens (Isabella Rosselini), wo er auch prompt Zeuge wird, wie diese von brutalen und sadistischen Gangster Frank Booth (Dennis Hopper) erpresst und missbraucht wird. Natürlich wird unser Mann im Schrank entdeckt und er beginnt ein lustvolles, mysteriöses und undurchschaubares Verhältnis mit der Sängerin. Er will ihr zwar helfen, ihren Sohn und Mann wieder zu bekommen (Frank entführte beide), sie scheint sich dessen aber nicht so richtig bewusst zu sein und tauscht die Rolle, die sie bei Frank hat. Auf einmal hat sie die Gewalt über einen Menschen. Einerseits anregend, andererseits beängstigend.

"Come to mama"

"Come to mama"

Das Detektivspiel geht weiter. Jeffrey wird immer mehr in den Sog der Gewalt, Täuschung und Leidenschaft gezogen, aus dem es immer schwieriger wird, in die "reale" Welt zurückzukehren. Zumal es ihm Sandy angetan hat und sie seine Liebe zu erwidern scheint. Aber solange der brutale Frank nicht ausgeschaltet ist, wird sich Jeffrey's Leben nicht mehr normalisieren und seine Liebe zu Sandy wird von diesen Vorfällen überschattet.

Wie kann sich Jeffrey aus diesem Sumpf lösen? Was hat es mit dem Ohr auf sich? Wo ist die Grenze von menschlicher Demütigung erreicht?


DVD-Rating

Nach Dune ist Blue Velvet eine weitere Zusammenarbeit zwischen Regisseur David Lynch und Hauptdarsteller Kyle MacLachlan. Und wie es bei Filmen von Lynch so der Brauch ist, wird der Zuschauer auch hier erst mal mächtig verwirrt und überfordert. Ich auf jedenfall....

Nach anfänglichen Blick in eine niedliche und (an der Oberfläche) harmlose Kleinstadt wird der Film lanciert, als die Hauptfigur ein abgeschnittenes Ohr findet. Dieser Fund wird natürlich durch Grossaufnahmen und gruseliger Musik zelebriert. Man will ja den Zuschauer schocken.... Die danach folgende Geschichte war zur Zeit der Filmveröffentlichung (1986) so brutal und schockierend, dass kein Filmverleih sich diesem Werk annehmen wollte und der Produzent eigens für diesen Film einen Verleih gründen musste, damit der Film wenigstens in die Kinos kam. Zwar sieht man viele komische Szenen und die Schauspieler agieren auch gewohnt solide und überzeugend, aber so richtig geschockt hat mich eigentlich nichts mehr. Weder die Frau, die als Gegenstand einfach benutzt wird, noch die brutale Gewalt des von Dennis Hopper überzeugend dargestellten Gangsters Frank. Eine Szene gegen Ende in der Wohnung der Sängerin, als dort eine Leiche "steht" und eine "sitzt" verursachte ein Kribbeln, aber letztendlich erwartete ich da wohl etwas, was dann doch nicht eintraf.

Kyle MacLachlan machte zu dieser Zeit noch richtig gute Filme. Sei es Dune oder ein paar Jahre später Twin Peaks. Zwar kommt er hier auch nicht ohne Sex-Szene aus, aber das wird wohl seine einzige Möglichkeit sein, um.... Naja, das gehört nicht hier hin... Auf alle Fälle ist er diesem Schema in seiner Karriere immer wieder treu geblieben. Man denke nur an den Total-Flop Showgirls oder seine Auftritte in Sex and the City. Ihm zur Seite stehen bekannte Gesichter, die damals noch nicht viel gerissen hatten. Ausser Dennis Hopper, den man natürlich aus Easy Rider kennt.

Fazit: Der Film ist wirr, komisch und vereinzelten Szenen mag ich den Sinn und Zweck ein bisschen absprechen. Aber wenn man das Werk als Ganzes anschaut, kommt eine durchaus ansprechende Detektivgeschichte heraus, die den Zuschauer in die Tiefen der Gewalt, der Lust und der Brutalität eintauchen lässt. Auch wenn man, typisch David Lynch, nicht alle Szenen eindeutig verstehen kann und schlussendlich eher verwirrt, denn befriedigt ist, schaffte es der Film mich während zwei Stunden mehr oder weniger zu interessieren und lässt mir wiedermal viele Möglichkeiten offen, diese Geschichte mit Kollegen zu diskutieren. Vorausgesetzt, ich bin nicht der einzige, dem einiges zu wirr war.......

Wer Erklärungen zum Film braucht, wer wissen will, wer was wann warum und wieso, dem sei ein Blick in die Dokumentation "Mysteries of Love" empfohlen. Da wird über den Hergang des Filmes, die Schauspieler, die Macken des Regisseurs und die Geschichte referiert und so einige Fragen könnten hier durchaus beantwortet werden. Zusätzlich gibt es Montagen einiger nicht verwendeter Szenen. Die originalen Fassungen seien verschollen und nicht mehr auffindbar. Drum hat man das ganze per Montage nachgestellt. Interessant, aber mit der Zeit ermüdend... Was die Kinowelt von Blue Velvet hielt, wird einem mit einem Blick auf die berühmten Kritiker Siskel und Ebert vorgesetzt, die hier kurz über den Film diskutieren. Dazu gibt es Kinotrailers und Fernsehspots, sowie eine Fotogalerie. Alles in allem also eine ansprechende Ausstattung, wobei vor allem die Dokumentation recht interessant ist.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

13.08.2004 / muri

Community:

Bewertung: 4.9 (48 Bewertungen)

 

 

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