Red Dawn (1984)

Die Rote Flut

Red Dawn (1984) Die Rote Flut

Oder: Hass hält warm

Charlie, jung und unschuldig?

Charlie, jung und unschuldig?

An einem ganz normalen Septembermorgen in der Kleinstadt Calumet, Colorado, unterbricht der Geschichtslehrer der örtlichen High School plötzlich seinen Unterricht, als unzählige Fallschirme am Himmel auftauchen. Schwer bewaffnete Soldaten landen auf dem Footballfeld und eröffnen augenblicklich das Feuer. Zu den wenigen, die das Gemetzel überleben, gehören Jed Eckert (Patrick Swayze), sein kleiner Bruder Matty (Charlie Sheen) sowie dessen Schulkameraden Robert (C. Thomas Howell), Danny, Daryl und Arturo, genannt Aardvark. Die Jungs schnappen sich Waffen, Proviant und ein Auto und verschanzen sich in den nahe gelegenen Bergen.

WOLVERIIIIIINES!!!!

WOLVERIIIIIINES!!!!

Als sie sich nach einigen Wochen aus ihrem Versteck trauen, beherrschen die Angreifer das ganze Gebiet. Die Bevölkerung wird brutal unterdrückt, "gefährliche Subjekte" werden interniert und ermordet. Wie die Jungs erfahren, haben Soldaten aus Russland, Kuba und Nicaragua die USA grossflächig angegriffen - der Dritte Weltkrieg hat begonnen. Die kleine Truppe zieht sich wieder in die Berge zurück und beschliesst, zurückzuschlagen. Zusammen mit den Mädchen Toni (Jennifer Grey) und Erica (Lea Thompson) beginnen sie als "Wolverines" einen verbissenen Guerilla-Krieg gegen die Invasoren.


DVD-Rating

Zwei Jahre, nachdem Regisseur John Milius Conan the Barbarian auf die Leinwand brachte, setzte er mit Red Dawn einen Film um, der genau den Nerv der damaligen Zeit traf. Dafür versammelte er eine ganze Reihe junger Darsteller, welche die Filmlandschaft der Achtzigerjahre (und zum Teil darüber hinaus) stark prägten: Patrick Swayze und Jennifer Grey (Dirty Dancing), C. Thomas Howell (The Outsiders), Lea Thompson (Back to the Future) sowie der momentan noch bekannteste: Charlie Sheen. In der düsteren Was-wäre-wenn-Vision eines Dritten Weltkrieges greifen einfache Kids zu den Gewehren und kämpfen tapfer gegen kommunistische Invasoren aus Russland und Zentralamerika. Unterstützt wird die Jungschauspielertruppe durch erfahrene Darstellergrössen wie Harry Dean Stanton (Alien) und Powers Boothe (Deadwood).

Auch in der politisch hochaufgeladenen Zeit der Reagan-Ära dürften die Filmereignisse nicht ganz realistisch gewesen sein. Die globale Entwicklung des Krieges wird beispielsweise bloss nebenbei erwähnt, und erstaunlicherweise können die Kids hervorragend mit schwerstem Geschütz umgehen. Trotzdem hat das Action-Drama gerade bei jungen Leuten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Neben dem 2009 abgedrehten, aber erst 2012 veröffentlichten Remake bezeugen das auch zahlreiche Anspielungen in der Populärkultur (u. a. bei South Park, The Family Guy oder Scrubs).

Nicht nur die Spezialeffekte oder Charlie Sheens noch unverbrauchtes Teenie-Gesicht weisen eindeutig auf die Entstehungszeit hin: Das Gut-Böse-Schema der damaligen Zeit und die Angst vor der Eskalierung des Kalten Krieges scheinen wie Blaupausen durch die brutalen Ereignisse hindurch. Trotzdem wäre es zu einfach, den Film als Propagandafilm für Amerika bzw. die NRA abzutun. Der amerikanische Stolz und Glaube an die eigene Widerstandsfähigkeit im Falle einer allfälligen Invasion wird zwar heftig gestreichelt, doch auch die Kehrseite wird nicht unterschlagen. Im Verlauf der Filmhandlung wird so immer klarer, was Krieg anrichtet und wie einst gutmütige Menschen beim Kampf abstumpfen und zu furchtbaren Taten fähig sind.

Red Dawn ist ein Film-Kind der Achtzigerjahre und aus der heutigen Zeit betrachtet schwer einzuschätzen. Die emotionale Härte des Filmes kann überzeugen, andere Aspekte hinterlassen einen schalen Beigeschmack. Bei der Darstellung der Bösewichte wird etwa impliziert, dass Kubaner ehrenhafter sind als die "ganz bösen" Russen. Auch die filmische Umsetzung schwächelt hin und wieder, etwa durch Charaktere, die kaum ausgearbeitet sind und teils schwache schauspielerische Leistungen. Als filmische Zeitreise in die Gedankenwelt des Kalten Krieges berührt der Film aber sehr wohl und regt zum Nachdenken an.

Ausser einem Trailer für den Film enthält die DVD kein Bonusmaterial; dafür müsste man auf die Special-Edition zugreifen, die jedoch nur als Import erhältlich ist. Bild- und Tonqualität sind okay.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

20.08.2012 / pps

Community:

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