Die Schweizermacher (1978)

Die Schweizermacher (1978)

  1. 107 Minuten

DVD-Review: Händ sie s'Formular scho uusgfüllt?

Da gabs noch keine Stützliwösch
Da gabs noch keine Stützliwösch © Studio / Produzent

Wer die Schweizer Staatsbürgerschaft will, der muss sich nicht nur in der Geschichte unseres Landes auskennen, sondern vor den Einbürgerungsbeamten einen gute Falle machen. Denn diese Amtstiere sind streng, stur, hartnäckig und schreiben akribisch jede Einzelheit auf, die an den Kandidaten auffällt. Genau so ein Beamter ist Max Bodmer (Walo Lüönd). Er hat seine Augen überall, sein Blöckli stehts zur Hand und übers Ohr hauen kann man ihn sowieso nicht.

Ihm zugeteilt, da noch in der Probezeit, ist Moritz Fischer (Emil Steinberger). Der junge Mann sieht die Ausländer in einer lockeren Art und scheint gegen den Bünzli-Beamten Bodmer auf verlorenem Posten zu sein. Dennoch macht sich das ungleiche Duo auf, drei Kandidaten für eine Eidgenossenschaft zu überprüfen.

Am Bellevue
Am Bellevue © Studio / Produzent

Ein deutsches Ehepaar, das im Sprachlabor bei Ueli Beck brav das "CH" übt ("Die chogä Härdöpfel") scheint sich hervorragend anpassen zu können. Zwar hat die Dame des Hauses Mühe mit dem Käsefondue und auch die 200 Franken in der Jackentasche des Beamten zeugen nicht von Taktgefühl, aber dennoch. Das Paar schlägt sich gut und sie würden tolle Schweizer abgeben.

Spezialagenten im Einsatz
Spezialagenten im Einsatz © Studio / Produzent

Anders siehts bei der italienischen Familie aus, deren Familienoberhaupt zwar schon zwölf Jahre in der Schweiz lebt, aber trotzdem scheinbar Kontakte zu politisch zweifelhaften Organisationen hat. Da nützt auch die hervorragend auswendig gelernte Geschichte des Landes nicht, die Signor Grimolli vorträgt. Und zu guter Letzt wäre da noch die Tänzerin Milena Vakulic (Beatrice Kessler, die viele ausländische Freunde hat, wahrscheinlich Drogen konsumiert und unserem jungen und immer freier denkenden Beamten Moritz Fischer den Kopf verdreht.

Ja, Schweizer werden ist nicht einfach. Denn unsere Beamten sind die härtesten der Welt, wenn es darum geht, unser Land zu beschützen. Und wenn die Nationalflagge nicht jeden Morgen im Wind weht, dann siehts eh düster aus.

Der erfolgreichste Film der Schweiz ist nicht etwa derjenige über die Abenteuer von Lausbuben (Mein Name ist Eugen), den Niedergang der nationalen Fluglinie (Grounding) oder über ältere Damen und deren Reizwäsche (Die Herbstzeitlosen). Auch Militärklamotten (Achtung Fertig Charlie) und Wunderknaben (Vitus) müssen sich den Einbürgerungsbeamten aus Zürich geschlagen geben. Filmemacher Rolf Lyssy schaffte 1978 einen Film, der im Land enorme Bekannt- und Beliebtheit erlangte.

Die Geschichte des bünzligen Beamten Bodmer, der samstags sein Auto wäscht und danach Wienerli und Kartoffelsalat vorgesetzt bekommt, hat heute kein bisschen von seiner Aktualität verloren. Im Sog des Initiativenhaufens der täglich aus der Politik über uns Bürger hereinbricht ist Die Schweizermacher im Moment der optimale Film zum Thema. Auf der einen Seite der angesprochene Vorzeigeschweizer, der seinen Tschopen immer schön am Bügel aufhängt, nie zu spät kommt und auch am Wochenende Überstunden schiebt. Ihm gegenüber der liberale, junge und aufgeschlossene Nachwuchsbeamte, der in den Einbürgerungskandidaten nicht bloss Namen und Gesichter, sondern auch Menschen sieht.

Verkörpert werden die beiden ungleichen Figuren hervorragend von Walo Lüönd und natürlich Emil Steinberger, der auch ein paar Mal seine Kunstfigur "Emil" durchdrücken lässt. Allerdings darf man keinen Klamauk erwarten, sondern eine zeitweise recht böse, zynische und (im speziellen für uns Schweizer) herrlich verborte Geschichte, die mehr als einmal zum lauthals auflachen einlädt. Das Schmunzeln ist sowieso Dauergast auf dem Gesicht, wenn Deutsche das Fondue nicht richtig hinkriegen, Italiener (natürlich) mitten im Spaghettiessen gestört werden oder der Bünzlibeamte irrtümlicherweise für einen Patienten einer Heilanstalt gehalten wird.

Fazit: Die Schweizermacher ist mit Recht ein Film, der in den Archiven des Schweizer Films eine spezielle Bedeutung hat. Denn so sehr man es auch kaum glauben mag, aber seit 1978 hat sich bei uns nicht so viel verändert. Die sturen Böcke mit ihrem Stumpen und dem Schnauz gibts noch heute. Und das nicht zu selten.

Die DVD ist auf beiden Seiten beschrieben. Seite A ist mit der Version in Mundart und Hochdeutsch und Seite B mit Französisch und Italienisch. Dazu gibts ein paar Untertitel und den Trailer von damals. Auf Texttafeln sind die Werdegänge der Hauptdarsteller aufgezeigt. Gehört werden kann der Film leider nur in Mono, zudem zusätzlich noch ein schönes Rauschen kommt, das aber irgendwie zu älteren Filmen gehört. Das Bild ist ebenfalls nicht sehr klar und wirkt teilweise recht verschmiert.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 9

Le-Chiffre

Zitat psg (2007-05-22 11:33:55)

Vor allem dank Emil der bisherige Höhepunkt des Schweizer Films.

Du bringst es auf den Punkt. Zudem typisches Thema zu dieser Zeit.

El Chupanebrey

Ich habe etwas wenig gelacht bei diesem Film, der Humor war auch etwas zu bieder. Höhepunkt von Die Schweizermacher sind sicherlich Emil Steinberger und vor allem Walo Lüönd, die beide in ihren Rollen zu glänzen wissen. Der böse Humor zwischendurch ist zwar nicht zuum Lautlachen, aber dennoch vergnüglich.
3,5

[Editiert von El Chupanebrey am 2008-07-16 08:17:30]

pb

wenn du Emil schreibst ist Emil gemeint, ansonsten legt er eben wert auf Emil Steinberger...

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