Taxi Driver (1976)

Taxi Driver (1976)

Oder: You talkin' to me? You must be talkin' to me!

"Nein, ich bin nicht Hannibal Lecter"

"Nein, ich bin nicht Hannibal Lecter"

Der Ex-Marine Travis (Robert De Niro) nimmt einen Job als Taxifahrer in New York an, um seinen Schlafstörungen zu entkommen. Während seiner nächtlichen Fahrten entdeckt der introvertierte Einzelgänger die dunkle Seite der Weltstadt. Die Gewalt und Intoleranz der Gesellschaft widern ihn an. Um so überraschender trifft er bei der Wahlpropaganda von Senator Palantine auf Betsy (Cybill Shepherd), die er näher kennenlernen möchte. Diese ist zunächst von seiner naiven und charmanten Art angetan. Als er sie unwissend in einen obszönen Kinofilm einlädt, bricht sie die Verbindung aber abrupt ab.

Nette Frisur

Nette Frisur

Travis, mehr denn je von der Gesellschaft zum Aussenseiter abgestempelt, macht es sich zur Aufgabe, die Stadt "säubern" zu müssen. Die Bekanntschaft mit der minderjährigen Prostituierten Iris (Jodie Foster) lässt ihn erneut zum Helfer mutieren. Travis hat definitiv genug gesehen und will seinen blutigen Plan in die Tat umsetzen...


Blu-ray-Rating

Es gibt einige Filmklassiker, die man als Kritiker mit Seidenhandschuhen anfassen sollte. Entweder sind sie durch all die Jahre unantastbar zum Kult geworden, oder sie beinhalten generationenübergreifende Themen, die auch nach 100 Jahren noch auf unsere Gesellschaft zutreffen. Taxi Driver ist beides und irgendwie doch nichts, was seinen Status um so spezieller macht. Martin Scorseses Werk bleibt heute, rund 35 Jahre nach seinem Release, immer noch ein Augenschmaus.

Natürlich ist das Drama um den einsamen Taxifahrer in erster Linie eine Kritik an unserer Gesellschaft. Und auch wenn Travis' militärischer Hintergrund nur kurz angesprochen wird, hat sich Taxi Driver in gewisser Weise als Anti-Kriegsfilm etabliert und der Vietnam-Diskussion neuen Wind gebracht. Bis heute ist die Frage präsent, wer denn nun solche "Menschen" kreiert. Ist es der Krieg oder die Gesellschaft? Martin Scorsese lässt diese Frage in seinem Beispiel unbeantwortet, stellt Präsidentenkandidaten nicht vor Prostituierte und Weisse nicht vor Schwarze.

Der grösste Konflikt findet auf der emotionalen Ebene statt - und das porträtiert Taxi Driver und allen voran Robert De Niro hervorragend. Zweifellos ist das ganze Ensemble von Scorsese fabelhaft besetzt: Nebst Jodie Foster und Cybill Shepherd dürften dem Filmkenner unter anderem Harvey Keitel und Peter Boyle in jungen Jahren auffallen. Während die erste Hälfte des Filmes eher schleppend vorwärts geht und sich der Spannungsaufbau ziemlich viel Zeit lässt, prasseln die letzten 15 Minuten gnadenlos und faszinierend zugleich auf den Zuschauer nieder. Amok hinterlässt ein Schweigen, das Scorsese mit seiner finalen Kamerafahrt nicht passender hätte zelebrieren können.

Fazit: Taxi Driver ist die Mutter aller Amokfilme und ein Klassiker, der in keiner Filmsammlung fehlen darf. Die Bezeichnung "zeitloses Meisterwerk" würde dem Film vielleicht sogar den Reiz nehmen. Es lohnt sich, den Film schon nur wegen des ausserordentlichen Casts und der für diese Zeit experimentierfreudigen Bilder anzuschauen.

Die Blu-ray kommt wie der Film ziemlich roh und ungeschmückt daher. Das Bild ist in Ordnung, rauscht bei dunklen Szenen ab und zu etwas. Der Ton, obwohl sogar als DTS HD 7.1 angegeben, ist dafür nur ein dümmliches Stereo. Hintergrundinformationen gibt es bei den zahlreichen Audio-Kommentaren, einem interaktiven "Script vs. Film" (man kann das Drehbuch durchscrollen und dabei den Film ansehen) und einem Interview mit Altmeister Martin Scorsese.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

04.03.2011 / woc

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