Klute (1971)

Klute (1971)

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  2. 114 Minuten

DVD-Review: Bree, wie der Film eigentlich heissen sollte

Keine Angst, ich nehm die Pille.
Keine Angst, ich nehm die Pille. © Studio / Produzent

Privatdetektiv John Klute (Donald Sutherland) gerät aus einem kleinen Ort in das grosse New York, als er seinen verschwundenen Freund Tom Grinemann sucht. Die Polizei hat die Suche im wesentlichen ergebnislos abgeschlossen. Einzige Spur ist das Callgirl Bree Daniel(s) (Jane Fonda), die Grinemann als Letzte gesehen hat. Sie versucht sich als Schauspielerin und wird von einem Unbekannten per Telefon belästigt. Eine Liebesgeschichte bahnt sich an, doch während Klute seinen Freund sucht, ist ein Mörder hinter Bree her...

Für Klute bekam Jane Fonda ihren ersten Oscar. Völlig zurecht. Klute ist ganz klar ihr Film. So sehr, dass er eigentlich Bree heissen sollte. Denn Donald Sutherlands Figur Klute ist nur ein Beobachter von Bree, der sie zu verstehen versucht.

Fondas Bree ist ein sehr komplexer Charakter. Eine zynischer Prostituierte weit entfernt von den Freudenmädchen mit dem Herz aus Gold in anderen Filmen. Aber trotzdem eine normale junge Frau, allein in ihrer Wohnung, wo sie kifft und beim abendlichen Lesen durch obszöne Anrufe gestört wird. In Sessionen bei der Psychoanalytikerin gibt sie ihr innerstes Preis. Sie möchte alleine sein, ohne Gesicht und ohne Körper. Sie macht Ihren Job ohne grosse Freude, aber sie hat die komplette Kontrolle über sich und ihre Freier bei der Arbeit. Es ist alles nur ein Spiel und eigentlich möchte sie auch Schauspielerin sein. Das schnelle Geld gibt's aber eher bei einer Schnellen Nummer. So muss sie sich halt ihr Talent, das durchaus vorhanden ist, bei speziellen Kunden, die sie nicht berühren wollen, zu Nutzen machen. Die Nähe der Schauspielerei zum Sex-Business ist auch bei einem Casting spürbar, wo sich Bree neben anderen Models für Kosmetikwerbeaufnahmen bewirbt. Wie Vieh werden die Frauen begutachtet und zu Objekten degradiert.

Klute, das Landei aus Pennylvania, schaute Brees treiben emotionslos aber trotzdem fasziniert zu. Er kann ihren Fängen schliesslich nicht widerstehen. Herrlich, wie die beiden miteinander kokettieren und sie ihn dann trotz allem rumkriegt. Nur um ihm sogleich wieder zu zeigen, wer die Hosen anhat.

Klute hört die Telefongespräche Brees ab und nimmt sie auf Tonband auf. Diese Tonbänder tauchen immer wieder auf im Film. Aus heutiger Sicht scheint dies das normalste der Welt zu sein. Alle zwielichtigen Gestalten benutzen diese Art von Abhörmethode. Man bedenke, 1971 war noch vor dem Watergate-Skandal. Der Regisseur Alan J. Pakula, der später den Skandal mit All the President's Men filmisch aufarbeitete, war seiner Zeit voraus. Schlussendlich geht es aber weniger um den Thrill, dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Der Film lässt schon ziemlich bald keine Zweifel mehr offen. Vielmehr geht es um Bree und deren Beziehung zu Klute. Dieser Kern der Geschichte wird von Kameramann auf interessanteste Weise aufgenommen. Gordon Willis machte nur zwei Jahre später bei den Dreharbeiten zu Der PateFurore. Seine sehr dunklen Bildern widerspiegeln die Abgründe der Charaktere in einem heruntergekommenen New York.

Die DVD ist als Code 1 erhältlich.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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