Django (1966)

Django (1966)

Oder: Das einzige was zählt, ist zu sterben

Wasch mich. Bitte!

Wasch mich. Bitte!

Ein Mann zieht alleine durch die dreckige und verschlampte Gegend. Im Schlepptau hat er einen Sarg. Worte spricht der Fremde nicht viele, aber mit dem Revolver ist er schneller als man es sich vorstellen kann. Sein Name ist Django (Franco Nero) und er hat einen guten Grund, hier zu sein.

Als er eine Frau, Maria (Loredana Nusciak), in Not entdeckt, stellt er sich auf ihre Seite und nietet die Männer um, die der Dame an den Kragen wollen. Zusammen machen sie sich auf den Weg in ein kleines Städtchen, dass ausser dem Saloon/Puff von Nataniele (Angel Alvarez) ausgestorben ist. Dort wird zum ersten Mal die Konfronation zwischen den Mexikanern, angeführt von General Hugo (Jose Bodalo) und Major Jackson (Eduardo Fajardo) zum Thema.

Mut antrinken?

Mut antrinken?

Diese Auseinandersetzung, in der Jacksons Leute mit Freude Wettschiessen auf Mexikaner machen und Hugo seinen Feinden auch mal ein Ohr abschneidet, bestimmt das Leben in diesem dreckigen und verlassenen Dorf. Einzig der Saloon vermag, den Frauen sei Dank, ein paar wenige Geschäfte zu machen.

Fiesta Mexiana?

Fiesta Mexiana?

Django hat eine Rechnung mit dem Major zu begleichen und als dessen Männer den Saloon angreifen wollen, öffnet er den Sarg und holt sein Spielzeug raus. Ein Maschinengewehr, dessen Feuerkraft jeder Armee zum Sieg in einer Schlacht verhelfen würde. Und dieses Zauberding wollen nun die Mexikaner. Da sie diese Waffen nicht bezahlen können, schliesst sich Django ihnen an und der Plan, das Gold von Major Jackson zu klauen, wird in die Tat umgesetzt.

Aber Django wäre nicht der einsame Wolf, wenn er nicht ganz eigene Pläne mit dem neu erworbenen Reichtum hätte und jemanden für den Verlust seiner Lebenslust, die auf dem Friedhof in Tombstone liegt, bezahlen lassen wird.


DVD-Rating

Per un Pugno di Dollari war 1965 ein Riesenhit und machte den "Spaghetti-Western" erst recht weltweit bekannt. Ausserdem verkörperte Clint Eastwood den wortkargen Helden mit Hut so cool, dass unbedingt auf dieser Welle geritten werden wollte. Regisseur Sergio Corbucci war von dieser Westernsache so begeistert, dass er auch schon mal vier Filme im gleichen Jahr veröffentlichte. Auf der Suche nach einem neuen Heldentypen, stiess er auf Django und somit auf Franco Nero, der damals beim Original 24 Jahre alt war und dem man künstliche Fältchen anheften musste, damit er älter aussieht. Der Film wurde ein Klassiker und vor allem in Deutschland musste Franco Nero damit leben, dass in den folgenden Jahren jeder seiner Filme einen Django im Filmtitel hatte. Auch wenn die Geschichte ganz was anderes beinhaltete....

Der Charakter des einsamen Mannes, der wortkarg durch den Westen zieht, ist natürlich keinesfalls neu. Was allerdings neugierig macht, ist das Teil, das er hinter sich her zieht. Ein Sarg. Warum? Ist da einer drin? Warum schleppt man so ein schweres Teil kilometerweise hinter sich her? Was ist die Geschichte hinter der Fassade des Mannes, der Lucky Lukes Reaktionszeit wie Slow Motion aussehen liess? Solche Fragen stellen sich bereits nach ein paar Minuten Film. Und eins nach dem andern wird aufgelöst. Immer wieder unterbrochen mit erstaunlich vielen Schiessereien und brutaler Action. Das dürfte auch die Verbannung des Filmes in England bis 1993 erklären.

Die Geschichte wird ausgekostet. Kaum denkt man, dass Django sich für eine Seite entschieden hat, holt dieser zum nächsten Schlag aus und lässt den Zuschauer wiederum an der Ehrlichkeit der Hauptfigur zweifeln. Wo steht der Mann mit Schlapphut und den stahlblauen Augen? Warum hilft er erst den einen, nur um diese dann im Stich zu lassen? Die Auflösung ist interessant und lässt den Charakter in einem zwielichtigen Licht dastehen, das für eine spannende Story optimal ist.

Franco Nero hat die "Rolle seines Lebens" schon relativ früh gefunden. Der Mann, der über 160 Filme gedreht hat, wurde in seinen nachfolgenden Auftritten immer mit dem Revolverhelden verglichen und hat ausserhalb Italiens, mit Ausnahme seines Auftrittes in Die Hard 2 keine grossen und bekannten Filme drehen können. 1987 kam Django 2: Il grande Ritorno und er nahm nochmals seine Lieblingsrolle auf. Zwischendurch finden sich in seinem Lebenslauf auch Titel wie Cipolla Colt....

Neben dem ultracoolen Franco Nero haben die anderen Darsteller nicht viel zu lachen. Witzig ist die sehr klischeehafte Darstellung der Mexikaner, die allesamt mit buschigem Schnauz und überkreuzten Patronengürteln über die Brust daherkommen. Ausserdem verstand man es damals einfach, den Figuren coole Auftritte und (vor allem) Abgänge zu verleihen. Die dazu passende Musik bleibt im Ohr hängen, auch wenn sie zeitweise etwas gar psychodelisch daherkommt und mehr an "Gechrose" erinnert.

Fazit: Django ist ein Klassiker des Genres, der vor allem durch seinen optimal besetzten Hauptdarsteller überzeugt. Dazu gibts knallharte Schiessereien, die Ohr-Abschneid-Szene und stimmungsvoll deprimierende Gegenden. Das Finale kann sich ebenfalls mehr als nur sehen lassen und hinterlässt, nachdem der "Django-Song" nochmals gespielt wird, einen Zuschauer, der irgendwie grad nochmals einen Film mit dieser Figur gucken möchte.

Dass der Film seine Jahre auf dem Buckel hat, lässt sich vor allem in der Bildqualität nicht verbergen. Da merkt man ihm die Jahre definitiv an. Tonmässig ist man sich heutzutage besseres gewohnt, aber damit leben kann man allemal. Als Extras auf der Disc ist die Dokumentation über die Geschichte von Django, dessen Entstehung und Fortsetzung zu empfehlen, in der diverse Akteure und Mitarbeiter des Films zu Wort kommen und interessantes aus vergangenen Tagen erzählen. Dazu gibt es Texttafeln zu den wichtigsten Figuren und ein paar Trailers, die Filme aus diesen Tagen einem Publikum präsentieren, welches die wohl nur aus Reviews (wie diesem) kennt.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

11.08.2006 / muri

Community:

Bewertung: 4.8 (29 Bewertungen)

 

 

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