Tiny Tina's Wonderlands (2022)

Tiny Tina's Wonderlands (2022)

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PS5-Review: Der Wahnsinn hat Methode

Nein, eure Medikation ist richtig eingestellt. Das ist ein Screenshot aus dem Spiel.
Nein, eure Medikation ist richtig eingestellt. Das ist ein Screenshot aus dem Spiel. © Entwickler / Publisher

Tiny Tina lädt unseren namenlosen Helden zu einem Tabelop-Spiel ein. Zusammen mit dem eitlen, aber nicht ganz so hellen Captain Valentine und dem Cyborg Frette treten wir nun quasi in einem Spiel im Spiel gegen den schurkischen Drachenlord an, der es tatsächlich gewagt hat, Königin Arschgaul ihren Thron streitig zu machen. An die Waffen und ab in die Schlacht!

Was passiert, wenn man einen Loot-Shooter wie Borderlands mit einem Mittelalter-Fantasy-Setting vermengt? Zwei Möglichkeiten: Entweder man kreiert ein Monster, das darum bettelt, von seinem Leiden erlöst zu werden, oder das Gepansche entpuppt sich als kleiner Geniestreich. Auf welche Seite kippt Tiny Tina's Wonderlands?

Wer mit Borderlands oder grind-lastigen Loot-Shootern ganz grundsätzlich nichts anfangen kann, wird wohl auch hier nicht glücklich. Alle anderen erwartet ein kurzweiliger Ballerspass mit derb-doofem Humor und netter Comic-Grafik. Zahlreiche Levels, Waffen und freischaltbare Skills sorgen für die nötige Abwechslung.

Aufgedreht wie Kermit auf Ecstasy: Tiny Tina
Aufgedreht wie Kermit auf Ecstasy: Tiny Tina © Entwickler / Publisher

Bleiben wir realistisch: ein Geniestreich ist Tiny Tina's Wonderlands nicht. Muss es auch nicht. Will es auch nicht sein. Stattdessen ist es ein klassisches Borderlands in einem erfrischend neuen Setting. Im Gameplay-Kern ist es aber kaum eine Weiterentwicklung der Vorgänger. Chaotische Ego-Shooter-Action, nervige Claptraps, zwölf Quadrillizonen Waffen, Skillpunkte, Charakterklassen und literweise pubertärer Humor - an der Borderlands-Formel hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert. Online-Multiplayer ist ebenso dabei wie ein lokaler Splitscreen-Modus (Halleluja, dass wir das noch erleben dürfen!).

Eine witzige Neuerung gibt es trotzdem. Ganz wie in alten JRPGs sind die einzelnen Levelabschnitte über eine Oberwelt verbunden, auf der wir frei umherwandern können. Zumindest so frei, bis uns beispielsweise ein Erdnussflip den Weg versperrt, der auf das Spielbrett gefallen ist. Über diese Oberwelt finden wir auch Zufallskämpfe, verstecke Dungeons und nehmen Nebenmissionen an. Die laufen meist nach bekannten Mustern ab, sind durch den eigenwilligen Humor immerhin besser gewürzt und dadurch unterhaltsamer als andere Titel.

Der Schurke Drachenlord wird im Original vom Hollywood-Schauspieler Will Arnett gesprochen.
Der Schurke Drachenlord wird im Original vom Hollywood-Schauspieler Will Arnett gesprochen. © Entwickler / Publisher

Zeit, einen Blick auf die Technik zu werfen. Eine Grafikgranate ist Tiny Tina's Wonderlands zwar nicht, bietet aber nett gestaltete und abwechslungsreiche Gebiete im Comic-Look. Vorbei die Zeiten, in denen man auf Pandora von Wüste zu Wüste geschlurft ist. Hier erwarten einen Höhlen, Schneeberge, Städte und Fischerdörfer. Leider läuft der Spass trotz teils matschigen Texturen nicht flüssig. Das liegt auch an den Online-Settings. Wer aktiviert hat, dass Fremde in das aktuelle Spiel einsteigen können, muss mit regelmässigen Unterbrüchen - und daraus resultierenden Rucklern - rechnen. Fast so nervig wie ein Claptrap.

Dafür gefällt die Synchronisation. Vor allem die englische Vertonung hat mit Will Arnett (Bojack Horseman), Andy Samberg (Brooklyn Nine-Nine), Wanda Sykes (Ice Age) und natürlich Ashley Birch als komplett aufgedrehte Tiny Tina Volltreffer gelandet.

Auch das Gunplay überzeugt. Und ja, wir reden hier von Schusswaffen. Maschinengewehre sind dabei ebenso von der Partie wie Raketenwerfer und Schrotflinten. In Tiny Tinas Welt ist eben alles möglich! Die Steuerung geht ziemlich gut von der Hand. So griffig wie ein Doom fühlt sich das Geballer jedoch nicht an.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Trailer: Story Englisch, 02:31