Sonic Frontiers (2022)

Sonic Frontiers (2022)

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PS5-Review: Ein blaues Wunder

Vorsicht Schwindelgefahr!
Vorsicht Schwindelgefahr! © Sega

Zum ersten Mal überhaupt kann sich Sonic, der beliebte blaue Igel auf Speed, in einer fast komplett offenen Welt austoben. So schön das für Zockerinnen und Zocker klingen mag, für den Igel selbst bedeutet dies wieder haufenweise Hochgeschwindigkeits-Arbeit. Aufgrund eines missglückten Versuchs von Dr. Eggman, eine geheimnisvolle Technologie auf den Starfall Islands zu beherrschen, landet Sonic nämlich auf der Insel Kronos, einer der Starfall-Inseln. Sonics Freunde wie auch sein Erzfeind sind im Cyberspace gefangen. Um seine Freunde zu retten, muss der blaue Igel die Chaos Emeralds finden.

Bei der Suche nach den verlorenen Chaos Emeralds trifft Sonic auf seltsame Kreaturen, diverse Geheimnisse und darf in einer offen gestalteten Spielwelt in einem Affenzahn achterbahnähnliche Parcours überstehen - ein regelrechter Highspeed-Spielplatz für den Turboigel. In den zu durchforstenden Zonen muss Sonic die Geheimnisse der Ruinen einer uralten Zivilisation enthüllen, die von robotischen Horden und Titanen heimgesucht werden.

Es ist zum Davonrennen. Sonic Frontiers beschert in den ersten Spielstunden zwar Anzeichen von leichten Adrenalinschüben und Schwindelanfällen und macht so Lust auf mehr. Leider bietet das «Open-Zone-Jump'n'Run» kaum Langzeitmotivation und wiederholt sich bis auf die neuen Umgebungen mit repetitiven Gameplay ständig. Auch mit dem neusten Sonic-Titel erleben Fans des blauen Igels erneut ihr blaues Wunder. Das Spiel geht zwar einen mutigen Weg, weiss aber nur halbwegs zu überzeugen.

Flitzer mit Fell
Flitzer mit Fell © Sega

Sonic Frontiers hatte im Vorfeld seiner Veröffentlichung eine ziemlich rasante Fahrt. Seit der ersten Ankündigung und den anschliessenden Trailer-Enthüllungen schwankte die öffentliche Meinung über den neuesten Ausflug des blauen Aushängeschild Segas zwischen Schweissausbrüchen und gutmütiger Zuversicht. Allgemein hatte es der schnelle Igel trotz erfolgreicher Kinofilme in der Vergangenheit nicht leicht. Nach überzeugenden 2D-Spielen ist Sonic der Ausritt in die 3D-Welt bisher nämlich einfach nicht gelungen.

Nun nimmt Sega einen weiteren Anlauf und versucht sich auf neuen Wegen auf altbewährten Pfaden. Das neue Sonic-Game ist sozusagen ein Open-World-Jump'n'Run, erinnert bei flüchtiger Beurteilung etwas an The Legend of Zelda: Breath of the Wild und scheint das Potenzial zu haben, ein echter Renner zu werden.

Und ja, auf den ersten Blick sind Musik, Handlung und die allgemeinen «First Impressions» so crazy, wie man es von Sega und älteren Sonic-Titeln gewohnt ist. Doch der Schein trügt, denn nach einem kurzen Tutorial verliert das Spiel arg an Tempo und wirkt auf einmal plötzlich verhältnismässig langweilig. Gerade die Storyline ist zu Beginn derart uninspiriert, dass bereits nach den ersten Dialogen der Drang zum Überspringen hochkommt.

Dies wird glücklicherweise gegen Ende des Abenteuers etwas besser, so dass die Geschichte doch noch etwas an Fahrt gewinnt. Auf der Insel Kronos bzw. in der ersten Zone zeigt Sega die Freiheiten, aber auch die Grenzen seines sonderbaren Open-World-Jump'n'Runs auf - denn Sonic hat zwar unglaublich viele Möglichkeiten, sich auf der merkwürdig leeren Insel herumzutoben, kann sich aber dennoch nie wirklich von einer gewissen Linearität losreissen.

Open-World-Freizeitpark
Open-World-Freizeitpark © Sega

So bleiben vor allem die Aufgaben stets dieselben. Auf jeder Insel gibt es zwei Hauptziele: die Chaos Emeralds zu finden und zu beschaffen und Erinnerungsmarken zu sammeln, um Story-Zwischensequenzen mit Sonics Freunden freizuschalten. Im Endeffekt heisst das: Minispiele absolvieren, Abschnitte freischalten, Karte aufdecken, Feinde besiegen und Dinge sammeln - grundsätzlich ist Sonic Frontiers damit nicht viel mehr als ein repetitives Sammelwettrennen im Parcours- und Achterbahnstil.

Abgesehen von diesen zentralen Herausforderungen bietet der neue Sonic-Titel eine Reihe von mehr schlechten als rechten Nebenmissionen und Minispielen, die wiederum ziemlich unmotiviert an Zelda und Co. erinnern. Zum Glück gibt es da noch die sogenannten Cyberspace-Levels, traditionelle, lineare 2D- und 3D-Rennstrecken, die perfekt auf die Geschwindigkeit Sonics ausgelegt sind. Diese werden vor allem bei älteren Semestern für einen Nostalgieflash sorgen. Die Layouts dieser verschiedenen Stages, die man über Portale in den fünf Zonen findet, wurden aus früheren Spielen übernommen. Der Mix aus Old-School-Gameplay und Next-Generation-Technik funktioniert hier mit Abstand am besten.

Adrenalinschub gefällig?
Adrenalinschub gefällig? © Sega

Doch sogar diese an sich gelungenen Back-to-the-Roots-Stages haben ein gewisses Nerv-Potenzial. Dies liegt hauptsächlich an der Steuerung, die in Sonic Frontiers bei gewissen Moves einfach zu ungenau ist. Dazu kommt, dass das Spiel teilweise eine echte Herausforderung ist und die Kamera macht, was sie will.

Rein optisch fühlt sich der Geschwindigkeitsrausch, den man mit dem Turboigel erlebt, unglaublich gut an. Das Spiel lebt von diesem Tempo. Die Spielmechanik, wie auf einer Achterbahn durch Parcours zu düsen, befriedigt ungemein. Und das weiss auch Sega und raubt den Spielerinnen und Spielern immer wieder die Kontrolle und lässt Sonic die Sandbox-Elemente automatisch überstehen. Denn hätten Spielerinnen und Spieler stets die volle Kontrolle, würde durch die schwache Steuerung genau diese Spielmechanik ins Stocken geraten.

Das Kampfsystem, das ziemlich häufig zum Einsatz kommt, ist sehr simpel und schnell erlernt. Ein Vorteil, denn auch wenn es die Bosskämpfe durchaus in sich haben, ist es vor allem die Kamera, die immer wieder zum Endgegner wird. So ist wenigstens die Steuerung einfach zu bedienen und sorgt dafür, dass durch einfaches Akkord-Drücken dem einen oder anderen Boss der Garaus gemacht werden kann, ohne dass man ihn wirklich sehen muss.

Grafisch ist Sonic Frontiers ebenfalls keine Wucht. Schon beim Betreten der ersten Insel fällt auf, dass die Elemente des Spiels ständig auftauchen und wieder verschwinden. Dabei handelt es sich nicht nur um kleine Teile, sondern um ganze Plattformen oder riesige Felswände. Sonic Frontiers hinterlässt zwar auf den ersten Blick einen vielversprechenden Eindruck - auf Next-Gen-Niveau ist aber schlussendlich gar nichts.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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