Sifu (2022)

Sifu (2022)

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PS5-Review: Hit me. If you can.

© Sloclap

Es macht einen schon traurig. Welche bemerkenswerte Kung-Fu-Filme sind in den letzten Jahren erschienen? Das goldene Zeitalter der Martial Arts auf der grossen Leinwand scheint vorbei. Klar, viele Filme waren meist gefährlich nah am Trash. Doch genau das machte ihren Charme aus. Doch wie vieles, was uns 80er-Generation begeisterte, sind Jackie Chan & Co. mittlerweile aus der Mode geraten.

In diese Kerbe schlägt Sifu, das neueste Prügelspiel für PS5 und PC. Entwickelt wurde es vom französischen Entwickler Soclap, der bereits 2017 mit Absolver für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Während das Kampfsystem damals gelobt wurde, kämpfte Soclap selbst mit technischen Problem. Sifu ist nun ihr zweiter Versuch, die Martial Arts auf dem Gamepad wiederzubeleben.

Erinnert ihr euch noch an die Kampagne zu Arkham City? «Be the Batman»? Sifu erschafft genau dieses Gefühl. «Be Bruce Lee»! Bis es dazu kommt, muss erst Blut und Wasser geschwitzt werden. Sifu ist hart, und um im Spiel weiterzukommen, wollen Kombos und Ausweichmanöver erlernt werden. Kommt man aber erst einmal in den Flow, dann fällt es einem wie Schuppen vor den Augen. Wie Neo in Matrix kommt urplötzlich die Realisation: «Ich kann Kung Fu!»

Wer erinnert sich noch?
Wer erinnert sich noch? © Sloclap

Sifu hat drei bemerkenswerte Eigenschaften, die es als Prügelspiel von anderen Vertretern des Genres abheben: Der Fokus aufs Ausweichen, die Kampfhaltung und die Mechanik des Älterwerdens.

Zielloses Knöpfedrücken führt bei Sifu nicht weit. Wenn man keine Variation ins Spiel bringt, werden die meisten Schläge vom Gegner einfach geblockt. Um Treffer landen zu können, müsst ihr mindestens ein paar Kombos auswendig lernen und die Ausweichmechanik beherrschen. Erst dann eröffnet sich einem die Möglichkeit, die Kampfhaltung des Gegners zu brechen.

Diese funktioniert ähnlich wie in Sekiro. Treffer, aber auch geblockte Schläge, füllen langsam die Haltungsleiste des Gegners. Ist diese voll, wird die Haltung gebrochen und man kann einen verheerenden «Finisher» ausführen. Bei schwächeren Gegnern führt das direkt zum K.O. Bei stärkeren Widersachern oder bei Bossen gibt es eine Extra-Runde.

Nutz die Umgebung: alles wird zur Waffe!
Nutz die Umgebung: alles wird zur Waffe! © Sloclap

Auch die eigene Haltung kann gebrochen werden, und wenn man nicht aufpasst, sinkt die Lebensenergie in Sekundenschnelle. Nach dem Ableben könnt ihr an Ort und Stelle weitermachen, allerdings altert der Protagonist je nach Todes-Counter um ein paar Jahre. Und diese Mechanik hat es in sich!

Mit jedem Tod werden eure Schläge stärker, aber die Lebensleiste verringert sicht. Bei über 70 winkt dann der Game-Over-Screen und ihr dürft von Neuem beginnen. Allerdings nicht ganz. Erfolgreich abgeschlossene Level werden gespeichert, wobei das Alter, mit dem der Boss besiegt wurde, festgehalten wird. Das Ziel ist somit, die Level möglichst ohne Tode und damit möglichst jung abzuschliessen. Nur so erhöht ihr eure Chancen, im nächsten Gebiet weiterzukommen. Insofern lohnt es sich, Level immer wieder zu spielen und zu perfektionieren. Das ist nicht nur clever, sondern auch ein willkommener Bruch mit den üblichen Spielstrukturen.

Wenn der Style-Slider auf Max gestellt wird
Wenn der Style-Slider auf Max gestellt wird © Sloclap

Dies kann aber auch Grund für Frustration sein. Oft kratzt das Spiel an den Grenzen der Fairness. Wenn sieben Gegner um euch herum stehen und drei gleichzeitig angreifen, wird es knifflig. Doch auch für solche Situationen gibt euch Sifu Werkzeuge an die Hand. Ein Baseball-Schläger ist immer hilfreich, Flaschen eignen sich super, um an Köpfe geschmissen zu werden, oder ihr schaltet im Menü eine Fähigkeit frei, die euch neue Möglichkeiten eröffnet.

Es sind diese Ideen, diese Spielbarkeit und die Tiefe der Mechaniken, die Sifu zu einem überaus bemerkenswerten Spiel machen. Dazu wurden die Bewegungen derart toll animiert, dass die Kämpfe jederzeit stylisch und cool aussehen. Schade, nimmt sich die Story zu ernst. Dieser würde eine Prise Humor wie in den klassischen Hongkong-Filmen, die es referenziert, gut zu Gesicht stehen.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Trailer: Release Englisch, 01:17