Shadow Warrior 3 (2022)

Shadow Warrior 3 (2022)

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PS5-Review: Doom auf LSD

Haben die Haare schön: Lo Wang und sein einstiger Erzfeind Zilla.
Haben die Haare schön: Lo Wang und sein einstiger Erzfeind Zilla. © Devolver Digital

Die Welt ist im Arsch. Am Ende von Shadow Warrior 2 hat Lo Wang aus eigener Idiotie einen weltenfressenden Riesendrachen befreit. Und der hat seinem Namen auch gleich alle Ehre gemacht. Nach einer kurzen Selbstmitleids-Phase rafft sich der dauerlabernde Ex-Assassin mit dem Humorverständnis eines Primarschülers auf, um mit seinem Geisterfreund Hoji und dem einstigen Erzfeind Zilla den Monsterdrachen zu erledigen und die Welt zu retten - zumindest, was noch davon übrig ist.

In den folgenden rund sieben Stunden ballern, springen und schnetzeln wir uns durch Horden von Yokais - asiatisch anmutenden Dämonen - und suchen nach einem Weg, Lo Wangs Fehler auszubügeln. Ob dies gelingt?

Shadow Warrior 3 ist ein kurzweiliger und kurzer Shooter, der ausser actiongeladenen Arena-Kämpfen nur wenig bietet. Wer ein ähnlich umfangreiches Erlebnis wie beim Vorgänger sucht, wird enttäuscht. Wem ein blutiger Baller-Snack für zwischendurch reicht, ist hingegen gut bedient.

Ihr seht es: Storytechnisch gibt der Titel nicht viel her - das stört aber nur bedingt. Keiner der beiden Vorgänger war dafür bekannt, eine ausgeklügelte Geschichte zu erzählen. Im Vordergrund stehen hier doofe Oneliner, Pimmelwitze und Meta-Humor. Spannende Nebencharaktere und Story-Twists sind hier ebenso abwesend wie intellektueller Anspruch.

Doof kann aber Spass machen - das beweist beispielsweise die «Fast and Furious»-Filmreihe. Und Spass macht Shadow Warrior 3 durchaus. Die Steuerung ist griffig, die Optik grösstenteils nett - wenn auch einige Assets arg veraltet daherkommen - und das Sound Design wuchtig.

Sieht nett aus und wäre sicher spannend zu erkunden. Geht aber nicht.
Sieht nett aus und wäre sicher spannend zu erkunden. Geht aber nicht. © Devolver Digital

Während sich Teil 2 an verschiedenen offenen Levels, einem frei begehbaren Hub, Rollenspielelementen und Koop-Modus versucht und damit ein umfangreiches Erlebnis bietet, legt Teil 3 einen regelrechten Marschhalt ein. Shadow Warrior 3 kehrt wieder zu seinen Wurzeln zurück. Heisst: Strikt lineare Levels, rudimentäres Upgrade-System, Fokus auf schnelle und kompromisslose Action. Das dürfte Puristen freuen, wirkt aber aufgrund der eher kurzen Spielzeit, dem kaum vorhandenem Wiederspielwert und der hauchdünnen Präsentation schon arg abgespeckt.

Dabei spielt sich Shadow Warrior 3 wie ein knallbunter Doom-Klon, bei dessen Entwicklung die ein oder andere bewusstseinserweiternde Substanz im Spiel war. Das zeigt sich beispielsweise beim Gegner-Design. Handorgel-Teufel, Dämonen mit Schraubbohrer als Kopf? Auf sowas muss man erstmal kommen.

Nun gibt es ja die Devise, lieber gut geklaut als schlecht erfunden. Und Shadow Warrior 3 klaut ordentlich beim aktuellsten Doom-Ableger. Sprungpassagen mit einem Greifhaken, Wallruns und Gore-Finisher, die für temporäre Boni sorgen - kennen wir alles schon. Aber auch vom Spielablauf her, haben sich die Mädels und Jungs von Flying Wild Hog bei Genre-Kollegen wie Doom Eternal und Serious Sam 4 bedient. Lo Wangs Weg führt von Arena zu Arena, wo es Wellen von Gegnern niederzumähen gilt. Sei es mit dem Katana, einer von sechs Schusswaffen oder Umgebungsfallen. Das ist äusserst temporeich, anständig inszeniert und gnadenlos blutig - aber auf Dauer halt auch sehr repetitiv.

Live. Die. Repeat - so lautet die Devise.
Live. Die. Repeat - so lautet die Devise. © Devolver Digital

Obwohl man sich von den zuvor eingeführten RPG-Elementen verabschiedet hat, gibt es auch bei Shadow Warrior 3 Möglichkeiten, Lo Wangs Fähigkeiten und Arsenal aufzuwerten. Mit Orbs, die man in der Spielwelt findet - oder mittels Herausforderungen à la «töte 50 Feinde mit der Schrotflinte» ergattert - können Skills und Ausrüstung in drei Stufen aufgewertet werden. Das gibt Bonis wie mehr Munition, Elementarangriffe und eine stärkere Chi-Druckwelle, mit der sich Gegner wegschubsen lassen.

Noch ein kleines Wörtchen zur Synchronisation. Der Unmut der Fans war gross, als bekannt wurde, dass Teil 3 mit grösstenteils neuen Synchronsprechern aufwarten wird. Die englischen Sprecher machen ihre Sache im Rahmen der dümmlichen Dialoge aber ganz gut. Vor allem Mike Moh (Bruce Lee in Tarantinos «Once Upon a Time… in Hollywood») ist ein würdiger Ersatz für Jason Liebrecht und bringt einen ähnlichen Vibe in die Figur.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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