Saturnalia (2022)

Saturnalia (2022)

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PS5-Review: Survival Horror mit einem Schuss Italianità

«Wo ist hier die nächste Pizzeria?»
«Wo ist hier die nächste Pizzeria?» © Santa Ragione

Wir schreiben das Jahr 1989: Anita reist in das Städtchen Gravoi auf Sardinien, um ihren Verlobten Damiano zu treffen. Bereits bei ihrer Ankunft fällt ihr auf, dass das Städtchen total ausgestorben ist. Die Bewohnerinnen und Bewohner scheinen einer bestimmten Messe in der Kirche beizuwohnen - aber auch von Damiano fehlt zunächst jede Spur. Als die Nacht hereinbricht, machen sich Anita sowie drei Bewohner los, das Geheimnis von Gravoi zu lüften. Es scheint jedoch einen ganz bestimmten Grund zu geben, warum sich alle hinter ihren Türen verschanzen. Was war das für ein monströses Geräusch, das aus den menschenleeren Gassen ertönt?

Saturnalia ist eine kleine feine Indie-Perle mit einzigartigem Grafikstil und einer immersiven Spielwelt. Das Roguelite aus italienischem Hause muss sich vor den grossen Genre-Titeln nicht verstecken. Wer nach Gravoi reist und in die Haut der vier Charaktere schlüpft, erlebt einen herrlich «schönen» Albtraum, braucht aber auch etwas Mut und Durchhaltewille.

Silent Hill? Fast.
Silent Hill? Fast. © Santa Ragione

Kaum ein Game-Genre hat in den letzten Jahren einen dermassen erfreulichen Boost durch die Kreativität von Indie-Produktionen erhalten wie Survival Horror. Während AAA-Titel mehrheitlich dem Remake-Wahn verfallen sind, tauchen von kleinen Studios immer wieder Perlen auf, die man leicht überschauen könnte. Saturnalia vom mailändischen Game-Publisher Santa Ragione ist genau so ein Beispiel.

Dabei hat das Roguelite-Horror-Abenteuer sogar das Potenzial, die Zukunft des Genres mitzugestalten: eine spannende Story, vier spielbare Charaktere, eine Kreatur, deren AI sich nicht vor Alien Isolation verstecken muss, und eine sich dynamisch verändernde Spielwelt, sobald alle Charaktere sterben. Benvenuti im fiktiven Gravio auf Sardinien - hier werden eure Ferien garantiert zum Albtraum.

Jetzt bloss nicht runterschauen.
Jetzt bloss nicht runterschauen. © Santa Ragione

Bei Saturnalia wird sofort klar, dass dieses Game anders ist. Designt ist es in einem Stil, der an das Musikvideo «Take on me» von a-ha erinnert. So taucht man auf eine ganz andere Weise in die Story ein. Im Intro bei Tageslicht wirkt dies alles noch unspektakulär, aber nachts wird Gravoi zum albtraumhaften, klaustrophobischen Labyrinth. Wir können gehen und rennen, uns verstecken und bestimmte Gegenstände benutzen. Unsere Waffe: lediglich Streichhölzer. Das Ziel ist es, die Storys der vier Charaktere zu durchleben, Rätsel zu lösen und am Schluss gemeinsam der Kreatur zu entkommen.

Wäre Saturnalia ein Multiplayer-Game, würde sich dies fast so wie bei Dead by Daylight anhören. Wird man hier in Gravoi von der Kreatur geschnappt, ist es möglich, diesen Charakter mit einem der verbleibenden drei zu retten. Während des Spielverlaufs wird dies zweifellos ein paarmal vorkommen, denn dieses Game ist nicht nur sehr stimmig und immersiv inszeniert, sondern teilweise auch gnadenlos. Ab zu wird man ab diesem Roguelite eine grosse Portion Frust herunterschlucken müssen.

«Allora, siete spaventati come me?»
«Allora, siete spaventati come me?» © Santa Ragione

Aber das Durchbeissen und mehrmalige Replay lohnt sich: Saturnalia kann schliesslich in etwa sechs Spielstunden bezwungen werden. Was zurückbleibt, ist eine absolut stimmige Erfahrung; ein Albtraum, aus dem man eigentlich gar nicht aufwachen möchte. Auch wenn wir froh sind, Gravoi mit (hoffentlich) allen Charakteren verlassen zu können, bleibt eine Portion Wehmut zurück. Genau dieses Gefühl macht Survival Horror eben aus.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Trailer: Launch Englisch, 01:14