Pokémon Legends: Arceus (2022)

Pokémon Legends: Arceus (2022)

Pokémon-Legenden: Arceus
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Switch-Review: Als Pokébälle noch aus Holz waren

Hast du mein Smartphone gesehen?
Hast du mein Smartphone gesehen? © Nintendo

Pokémon, die mit komfortablem Abstand die erfolgreichste Media-Franchise der Welt, hatte es nie nötig, sich selbst komplett neu zu erfinden. Doch mit Pokémon Legends: Arceus hat GameFreak zum ersten Mal das komplette System überarbeitet. Die Aufgabe ist nun nicht mehr primär, alle Orden zu ergattern und der Champ der Pokémon-Liga zu werden, sondern den Pokédex zu vervollständigen - wodurch Pokémon zum ersten Mal seinem Slogan gerecht wird: «Schnapp' sie dir alle!».

In der Hisui-Region - später Sinnoh, den Schauplätzen von Diamant und Perl - weiss man noch wenig über Pokémon. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Jubeldorf sind verunsichert und haben Angst vor den Tierchen. Da wir uns als hervorragende Pokémon-Fänger bewiesen, rekrutiert uns die Galaktik-Expedition in ihren Suchtrupp. So ist es unsere Aufgabe, in die weite Welt hinaus zu reisen und die tierischen Bewohner der Insel zu beobachten, zu fangen und zu dokumentieren.

Pokémon Legends: Arceus ist die Neuerfindung der Marke grundsätzlich gelungen. Zwar überzeugt es technisch nicht, die Nebenmissionen sind hauptsächlich bedeutungslose Fetch-Quests, diverse strukturelle Punkte wie die Weide oder die Item-Tasche sind schlecht gelöst und die Bosskämpfe sind langweilig. Und trotzdem: Das Entdecken und Fangen neuer Pokémon ist immer wieder aufs Neue aufregend. Wenn zukünftige Games der Reihe die genannten Punkte verbessern, hat sich Pokémon tatsächlich erfolgreich neu erfunden. Und Pokémon Legends: Arceus ist der erste grosse Schritt in die richtige Richtung.

Ein Pinguin am Strand?
Ein Pinguin am Strand? © Nintendo

Zwar hat sich die Pokémon-Reihe seit der Lancierung vor fast 30 Jahren stetig schrittchenweise weiterentwickelt - Wortspiel unbeabsichtigt -, doch sie blieb dem Kernkonzept und der Struktur jeweils treu. Und dann kam Pokémon Legends: Arceus. Nicht nur ist es das erste Spiel der Hauptreihe, das nicht in zwei Editionen erscheint, sondern es präsentiert sich in neuem Gewand mit komplett überarbeiteten Mechaniken. Nicht alles gelingt gleich gut, doch Arceus ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Wir spielten als Junge, deshalb verwenden wir in der Review die männliche Form der Spielfigur.

GameFreak dürfte gelegentlich zu Capcom geschielt haben, denn Arceus erinnert in diversen Aspekten an Monster Hunter. Anstatt von Stadt zu Stadt zu düsen und Rivalen und Arenaleiterinnen zu besiegen, reisen wir hier in verschiedene Biome, mit dem Ziel, alle Pokémon zu finden und zu zähmen. Zwar ist das Spiel zu Beginn in typischer JRPG-Manier vollgestopft mit belanglosem Gelaber, die Tutorialphase fühlt sich ewig an. Doch wenn Pokémon Legends: Arceus unsere Hand loslässt und das Erkunden beginnt, zeigt sich die Stärke dieses Spiels.

Det äne am Bergli, det staht es Pokémon.
Det äne am Bergli, det staht es Pokémon. © Nintendo

Denn die zentrale Idee, die fünf Teilregionen zu erkunden, neue Pokémon zu finden und diese zu fangen, funktioniert hervorragend. Jedes Mal, wenn man ein neues Pokémon entdeckt, ist es aufs Neue aufregend. Denn es folgt gleich die Frage: Schleichen wir uns an, werfen ihm eine Beere hin und fangen es im Frieden? Oder wird es vielleicht wütend und greift direkt an? Um den Pokédex-Eintrag zu vervollständigen, müssen kleine Herausforderungen erledigt werden, die sich von Pokémon zu Pokémon unterscheiden und so auch die verschiedenen Methoden, sich zu nähern, mehr forciert.

Das alles mag richtig toll klingen, doch rundherum verbaut sich Arceus oft den Weg zu einem Ausnahmespiel. Technisch ist es nämlich richtig schwach. Die Sichtweite ist eine Katastrophe, das Game leidet unter starken Pop-Ins und die Framerate ist vor allem im gedockten Modus alles andere als stabil. Dazu kommen diverse andere Frustrationen: Die Weide - da, wo die gefangenen Pokémon gelagert werden - zu verwalten ist furchtbar, die Item-Tasche erweitern ist mühsam und der reinste Wucher, praktische alle Nebenmissionen sind Fetch-Quests mit bedeutungslosen Belohnungen, das Reisen von Region zu Region ist nicht möglich, man muss immer über das Jubeldorf-Hub kehren und die Bosskämpfe sind langweilig.

Alles leer? Alle Pokémon schon gefangen!
Alles leer? Alle Pokémon schon gefangen! © Nintendo

Und trotzdem: Die zentrale Mechanik packt genug, um richtig lang Spass mit Pokémon Legends: Arceus zu haben. Pokémon wirken zum ersten Mal richtig gfürchig, wenn man einer Elite-Version - riesige Versionen mit rot glühenden Augen und massiv höherem Level - begegnet. Das Fangen neuer Pokémon ist total aufregend und das Erkunden der Welt unterhält. So ist man gut 30 Stunden beschäftigt und wer Grinden mag, kann sich locker nochmal so lange beschäftigen. Wenn zukünftige Games der Legends-Reihe die oben genannten Punkte verbessern, hat sich Pokémon tatsächlich erfolgreich neu erfunden.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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