Last Days of Lazarus (2022)

Last Days of Lazarus (2022)

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PS5-Review: Flutschige Tentakel im Badezimmer

Knusper, Knusper, Knäuschen…
Knusper, Knusper, Knäuschen… © GrimTalin

Die Story von Last Days of Lazarus beginnt um die Weihnachtszeit im Jahr 1999. Und sie beginnt mit einem Tod. Die Mutter unserer Hauptfigur Lazarus hat sich in ihrer Wohnung in Rumänien erhängt. Unser vielbeschäftigter Protagonist nimmt sich jedoch nicht die Zeit, der Beerdigung beizuwohnen und besucht die mütterliche Wohnung erst Wochen später, um seine Schwester Lyudmila zu besuchen. In der engen und überladenen Wohnung fehlt von Lyudmila aber jede Spur. Zusammen mit der Journalistin Laura macht sich Lazarus auf die Suche nach seiner Schwester - und den Sünden der eigenen Familien-Vergangenheit.

Was als unheimliches Mystery-Adventure startet, artet zunehmend in einen allumfassenden Kampf zwischen Himmel und Hölle aus, bei dem übernatürliche Mächte am Werk zu sein scheinen. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, stehen die Zeichen im verschneiten Rumänien auf Krieg, denn ein grössenwahnsinniger General hat die Macht an sich gerissen.

Last Days of Lazarus hat spannende Ansätze und kann mit einer schönen Optik und dichten Atmosphäre aufwarten. Leider ist die Geschichte thematisch überladen, und die mässige Synchronisation liefert nicht das nötige emotionale Gewicht, um Spielerinnen und Spieler mitzureissen. Was bleibt, ist ein kurzweiliges - und kurzes - Mystery-Spiel, das bei gesenkten Erwartungen durchaus seinen Reiz hat.

Macht euch auf ein besch…eidenes Weihnachtsfest gefasst!
Macht euch auf ein besch…eidenes Weihnachtsfest gefasst! © GrimTalin

Mit seinen knapp fünf Stunden Spielzeit nimmt sich Last Days of Lazarus leider zu wenig Zeit, um all die Themen, mit denen das Spiel seine Geschichte belädt, gänzlich zu erkunden. So verkommt die Story trotz interessanter Ansätze zu einem überladenen und manchmal auch verwirrenden Potpourri über Schuld, Religion, Politik, Krieg und übersinnlichen Elementen.

Gameplaymässig bietet Last Days of Lazarus eher wenig. In der Ego-Perspektive erkunden wir Orte wie die Wohnung unserer Mutter, ein zerfallenes Waisenhaus oder einen Friedhof, sammeln Gegenstände ein, lösen kleinere Rätsel und lesen Briefe. Die Item-Suche kratzt dabei öfters an der Grenze zur Geduldsprobe. Oft sind die Gegenstände kaum zu erkennen und erfordern von der Spielerschaft sehr genaues Hinsehen.

Auch das Rätsel-Design lässt uns manchmal im Regen stehen. An gewissen Stellen müssen wir uns selbst zusammenreimen, was das Spiel nun von uns will - Backtracking inklusive. Glücklicherweise sind die Abschnitte allesamt relativ klein und linear. Alles in allem ist Last Days of Lazarus spielerisch keine besonders grosse Herausforderung - Kämpfe, Gegner oder tödliche Fallen gibt es keine. Stören tut das aber nicht. Der Fokus des Titels liegt eindeutig auf der Atmosphäre und der Story.

Nein, das ist nicht Harry Potters Studienzimmer.
Nein, das ist nicht Harry Potters Studienzimmer. © GrimTalin

Optisch gibt der Indie-Titel ordentlich was her. Die einzelnen Levels sind abwechslungsreich und mit viel Liebe fürs Detail gestaltet. Licht- und Farbeffekte vermitteln eine lebendige Welt. Einzig die Animationen der Charaktere sind etwas gar steif. Dass die Synchronisation - vor allem die der Hauptfigur Lazarus - eher monoton daherkommt, macht die Sache leider nicht besser. So wirkt es, als sei der ganze verrückte Krempel, der um Lazarus und die anderen Figuren herum geschieht, völlig normal. Eine emotionale Bindung zu den Figuren fällt uns dadurch schwer. Schade.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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