God of War: Ragnarök (2022)

God of War: Ragnarök (2022)

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PS5-Review: Der Weltuntergang war nie schöner!

«Boy!»
«Boy!» © Sony Interactive Entertainment

Willkommen zurück in Midgard! Seit der Offenbarung, dass Kratos' Sohn Atreus ebenfalls ein Gott ist, sind drei Jahre ins Land gezogen. Midgard ist zu einem zugefrorenen Ödland geworden und wenn die Prophezeiungen stimmen, steht der ganzen Welt mit Ragnarök das Ende bevor. Vor dieser Kulisse treffen wir einen zurückgezogenen Kratos, der sich aus dem Weltgeschehen raushält. Kampfmüde ist er geworden, der einstige Gott des Krieges.

Sein Sohn jedoch lässt nicht locker und macht sich auf, das Geheimnis seiner Herkunft zu ergründen. Dadurch gerät er in Kontakt mit Allvater Odin und dessen Sohn Thor - die noch eine Rechnung mit Kratos offen haben.

Mit God of War: Ragnarök ist endlich die lang ersehnte Fortsetzung zu God of War erschienen. Und das Playstation-Flaggschiff führt die 2018 neu eingeschlagene Richtung weg vom Hack & Slay zum überraschend emotionalen Action-Adventure konsequent fort. Fans des Vorgängers werden sich noch während der imposant inszenierten Intro-Sequenz heimisch fühlen. Aber mag das Game auch inhaltlich bis zum Ende überzeugen?

God of War: Ragnarök ist eine konsequente und gelungene Fortsetzung des ohnehin schon brillanten Vorgängers. Neuerungen oder Überraschungen im Gameplay gibt es zwar eher nur im Detail, aber das stört kaum. Die lebendige Welt, die bombastische Inszenierung und die Story reichen aus für ein Spielerlebnis, das nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Schnauze zu, sonst kriegst du eine gepaddelt!
Schnauze zu, sonst kriegst du eine gepaddelt! © Sony Interactive Entertainment

Der neue Blockbuster aus dem Hause Santa Monica Studio setzt genau da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Wie gewohnt steuern wir Kratos in der «Über die Schulter»-Perspektive durch wunderschön gestaltete Landschaften und lassen uns immer tiefer in die Geschichte dieser sterbenden Welt reinziehen. Die grössten Änderungen gab es bei den - deutlich blutigeren - Kämpfen. Zum ersten Mal steuern wir nämlich nicht nur Kratos, sondern wechseln gelegentlich auch zu seinem Sohnemann, der mit seinem Bogen ein anderes Spielgefühl mit sich bringt als sein brachial agierender Vater.

Auch gibt es eine ganze Reihe neuer Attacken und freischaltbarer Skills, die auch mit Elementmagie ausgestattet werden können. Profis können sich so richtig reinfuchsen und gar Kombo-Angriffe aneinanderketten, zwingend nötig ist das aber nicht, das Kampfsystem unterhält dank verschiedener Waffen und Gefährten auch mit einer «oberflächlicheren» Spielweise.

Moment, verschiedene Gefährten? Richtig. Erstmals stehen uns nebst Sohn Atreus auch andere Figuren zur Seite. Sie bringen verschiedene Angriffe und Fähigkeiten mit sich, die sich mit unseren Attacken kombinieren lassen. Diese Fähigkeiten dienen auch dazu, Umgebungsrätsel kreativer anzugehen. So können etwa magisch aufgeladene Pfeile auf dornige Ranken abgefeuert werden, um diese dann mit unseren brennenden Chaos-Klingen aus der Ferne abzufackeln.

Offenes Maul + Axt = misslungene Schönheits-OP.
Offenes Maul + Axt = misslungene Schönheits-OP. © Sony Interactive Entertainment

Die Reise von Kratos und Atreus erstreckt sich wieder über alle neun Welten der nordischen Mythologie. Viele hat man zwar schon im Vorgänger besucht, in Ragnarök bereisen wir allerdings neue Abschnitte. Wer Recycling befürchtet, kann also aufatmen. Schön ist auch, dass wir belebtere Orte besuchen wie etwa eine Zwergensiedlung. Das macht die Welt lebendiger als noch die in God of War, die ohne drohenden Weltuntergang eine verlassene und melancholisch-apokalyptische Stimmung innehatte.

Die einzelnen Welten warten ausserdem mit zahlreichen Sammelaufgaben und Nebenquests auf. Angenehm: Beides ist keineswegs stumpfsinniges Füllmaterial, wie wir uns das mittlerweile aus diversen Open-World-Spielen gewohnt sind. Die Nebenmissionen sind alle mit den Geschichten unserer Wegbegleitern verbunden, die wir auf unserer Reise treffen. Sie spielen in kleineren Gebieten, die man kaum zu sehen bekäme, wenn man bloss stur der Hauptgeschichte folgt. Und selbst die Sammelaufgaben haben nebst den zusätzlichen Erfahrungspunkten ihren Nutzen, bringen sie uns doch zu neuen Ausrüstungsteilen oder dringend benötigten Crafting-Materialien, mit denen wir Waffen und Rüstungen ausbauen können.

Zum Ice-Age-Franchise geht's da lang.
Zum Ice-Age-Franchise geht's da lang. © Sony Interactive Entertainment

Wenig überraschend ist God of War: Ragnarök in technischer Sicht über alle Zweifel erhaben. Die Optik ist bombastisch, Synchronisation, Motion Capturing, Sounddesign und die epische Musik von Bear McCreary sind eine Wucht. Das Spiel läuft butterzart und wirkt dank dem Kniff mit der Plansequenz - das Spiel kaschiert geschickt versteckte Ladezeiten, und die virtuelle Kamera bleibt ohne Schnitt immer an unseren Figuren dran - wie aus einem Guss. Das hat der Vorgänger schon spitze gemacht. God of War: Ragnarök treibt die Technik nun an den Rand der Perfektion. Schön auch, dass es zahlreiche Optionen gibt, das Spielerlebnis anzupassen. Seien es Einstellungen für Farbenblinde oder nur schon den Ablauf von Quick-Time-Events.

Also alles perfekt im Spiele-Olymp? Fast. So formvollendet God of War: Ragnarök ist, so risikofrei ist es auch. Die Entwickler gehen mit allen Aspekten ihrer Fortsetzung auf Nummer sicher - ähnlich wie Guerilla Games bei Horizon: Forbidden West. Gestört hat uns hin und wieder auch, dass die Story zwar toll erzählt ist und die Figuren und Konflikte spannend und glaubwürdig zeichnet, sich streckenweise aber etwas in die Länge zieht und sich in seiner eigenen wunderschönen Welt verliert.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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