Dying Light 2: Stay Human (2022)

Dying Light 2: Stay Human (2022)

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PS5-Review: Release-Verschiebungen sind ein schlechtes Omen

Es ist nicht das, wonach es aussieht!
Es ist nicht das, wonach es aussieht! © Techland

Beim Überraschungshit Dying Light machte uns die Kombination aus Parcour-Gameplay, hohem Brutalitätsgrad und geschmeidigem Kampfsystem viel Spass. Nach mehreren Verschiebungen ist nun endlich der ersehnte Nachfolger da.

Das Harran-Virus hat die Welt auf den Kopf gestellt. Wer nicht zu einem blutrünstigen Zombie mutiert ist, kämpft in halbwegs sicheren Enklaven ums nackte Überleben. So auch der Protagonist Aiden und seine Schwester Mia. Beide wurden als Kinder für Experimente missbraucht und getrennt. Auf seiner Reise durch die zombieverseuchte Apokalypse sucht der mittlerweile erwachsene Aidan nicht nur nach seiner Schwester, sondern auch nach Rache.

Der Nachfolger der beliebten Zombie-Schlachtplatte krankt an allen Ecken und Enden. Technik, Gameplay und Design wirken noch arg unfertig und fehlerhaft. In seinem aktuellen Zustand können wir leider nur von dem Titel abraten - zumindest bis das ganze Debakel bis zur Spielbarkeit gepatched ist. Bis dahin folgen wir dem Untertitel von Dying Light 2: Stay Human, «stay human» und ergänzen: «stay away».

Die Ausgangslage von Dying Light 2: Stay Human erfindet das Rad nicht neu und ist dementsprechend seicht. Auch Protagonist Aiden ist eine farblose Figur, die uns kalt lässt. Da hilft es wenig, dass seine Handlungen und Motivationen durchs Band wenig nachvollziehbar und teils grenzwertig blöd sind.

Erschwerend hinzu kommt, dass die deutsche Synchronisation ein Witz ist. Einige Sprecher klingen sehr abgelesen und andere sind unpassend besetzt. Wenn ein 12-jähriges Mädchen mit der Stimme und dem Vokabular einer erwachsenen Frau spricht, ist die Immersion schnell dahin. Das ist schade, weil es der Gesamtstory nicht hilft, die ja enorm stark an die Charaktere geknüpft ist, die man aber wegen solchen Patzern nicht ernst nehmen kann. Kann Dying Light 2: Stay Human wenigstens mit Design, Mechanik oder Gameplay punkten?

Die Waffen lassen sich wie gewohnt modifizieren.
Die Waffen lassen sich wie gewohnt modifizieren. © Techland

Leider nein. Es scheint fast, als hätte Techland das funktionierende Gameplay aus dem Vorgänger übernommen und sich dazu entschieden, es kaputtzumachen. Während Protagonist Crane aus Dying Light noch richtig agil unterwegs war, müht sich Aiden, der im Tutorial noch für seine sportlichen Fähigkeiten gelobt wird, vergeblich ab. Ein kleines Beispiel gefällig? Distanzen sind schwer einzuschätzen. Bei gewissen Sprüngen wird man wie an einem Gummiband zum anderen Ende gezogen, bei anderen entscheidet sich Aiden aber dazu, sich an den markierten Stellen nicht festhalten zu wollen, wie ein gewisser Richi damals im Traktor. Immerhin gibt es etwa ab der Hälfte der Story einen Enterhaken und einen Gleiter, damit ist man flotter unterwegs.

Während ihr euch so durch die Welt manövriert, hackt ihr Zombies und menschliche Gegner mit euren Nahkampf-Waffen in Stücke, sammelt Kampf- und Parcours-Punkte und verbessert damit Aidens Fähigkeiten. Gefundene Spritzen verbessern zudem die Gesundheit oder Ausdauer. Ein bewährtes System, welches schon im Vorgänger funktioniert hat? Ganz genau. Darum ist es wenig verständlich, warum Entwickler Techland diese durch eine überladene Controller-Steuerung unzugänglicher gemacht hat. Dafür hat man die Abnutzungsmechanik der Waffen übernommen, die im ersten Teil den Spielfluss schon unnötig ausgebremst hat.

Maske vergessen, Kollege!
Maske vergessen, Kollege! © Techland

Während am Anfang Rohrzangen und Co. schon nach wenigen Schlägen futsch sind, ist man im weiteren Spielverlauf mit derart aufgemotzten Waffen unterwegs, dass einem selbst die gröbsten Flegel nichts mehr anhaben können. Nun mögen Puristen sagen: Das war schon im ersten Teil so! Ja, war es. Heisst aber nicht, dass es gut ist. Im besten Falle ist es Geschmacksache.

Kommen wir zur Technik. Hier gibt es mehr Mängel als Zombies im Spiel. Im Bereich Grafik matschen die Texturen, es gibt schwarze Bildaussetzer, der Bildaufbau nervt mit starkem Tearing im Leistungsmodus und der Auflösungs- sowie der Qualitätsmodus sind beide nicht zu gebrauchen, da dort praktisch nie 30 FPS gehalten werden können. Der Leistungsmodus schafft immerhin konstante 60 FPS, dafür sieht das Spiel dann aber wie ein Last-Gen-Titel aus. Die Sprachausgabe ist ebenfalls fehlerhaft, da Sprachsamples teils schlicht nicht abgespielt werden. Ohne Untertitel wirkt es so, als ob sich Aiden in seinem Wahn mit der Luft unterhält.

Apropos Luft. Die scheint im zombiegeplagten Villedor magisch zu sein. Anders können wir es uns nicht erklären, warum sich Gegner einfach so in Luft auflösen können, nur um sich dann hinter uns wieder zu materialisieren. Auch die Missionen sind durchwachsen. Es gibt zwar einige nette Hauptquests, andere Missionen wiederum sind klassischer Open-World Einheitsbrei.

Die deutsche Sprachausgabe ist mässig gelungen - wenn sie denn funktioniert.
Die deutsche Sprachausgabe ist mässig gelungen - wenn sie denn funktioniert. © Techland

Auch gibt es bezüglich der Welt-Architektur einiges auszusetzen. Auf den ersten Blick wirkt Villedor ordentlich, allerdings gibt es besonders in den Innenbereichen viele wiederverwertete Räume. Prinzipiell ist das nicht tragisch, aber wenn in derselben Mission nach wenigen Minuten zweimal der exakt selbe Raum samt Ausstattung verwendet wird, ist das ein bisschen beschämend.

Nun noch zum ultimativen Spielspass-Killer: Nach etwa vier Stunden Spielzeit sind wir über den ersten von insgesamt drei heftigen Queststopper-Bugs gestolpert. Wir mussten die Konsole jedes Mal komplett neu starten, konnten dann aber weiterspielen - bis ein Komplettabsturz unserem Ausflug in Villedor ein jähes Ende bereitet hat. Ein Weiterspielen war unmöglich, da der Crash das Savefile gleich mit in den Tod gerissen hat. Wir haben das Spiel auf der Playstation 5 getestet. Es ist also möglich, dass dieses Problem auf anderen Plattformen nicht auftritt.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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