Yuoni (2021)

Yuoni (2021)

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PS4-Review: Lauft um euer Leben, bevor euch die Langeweile umbringt!

Ob Mathe oder Geister: Die Schule ist ein Albtraum.
Ob Mathe oder Geister: Die Schule ist ein Albtraum. © Chorus Worldwide Games

Schulkinder können grausam sein. Das spürt auch die zehnjährige Ai. Eine Gruppe Mitschüler überredet das scheue Mädchen dazu, in einem heruntergekommenen Krankenhaus eine örtliche Spukgeschichte auf Herz und Nieren zu prüfen. Dafür muss sie nur den Geisterjungen Tsun zu einem Versteckspiel auffordern. Weil der Abspann aber nicht schon nach sieben Minuten über den Bildschirm flackern kann, kommt es, wie es kommen muss, und die angebliche Legende wird plötzlich sehr real.

Ai findet sich nun in einem tödlichen Spiel in einer unheimlichen Alternativwelt wieder, die von rachsüchtigen Geistern bevölkert ist. Um aus diesem Albtraum ausbrechen zu können, muss sie sich an den Geistern vorbeischleichen und eine dämonische Puppe suchen, die es zu zerstören gilt. Erst dann will Tsun sie aus seinen klammen, toten Fingerchen ziehen lassen.

Japan kann Horror. Das wissen wir spätestens seit Silent Hill, The Ring und der merkwürdigen Ecke des Internets, wo sich schleimige Tentakel und Schulmädchen... lassen wir das. Auch Indiegames und Horror sind eine super Kombination, wenn man sich die begrenzten Ressourcen zunutze macht. Wenn. Leider haben die Entwickler von Yuoni diese Lektion wohl verpasst. Denn was hier präsentiert wird, zeigt sich lustloser als ein hingeklatschter Burger in einem Fast-Food-Schuppen und ist in letzter Konsequenz so gruselig wie ein Regenschirm mit Katzenöhrchen.

Gefallen euch solche Sonnenuntergänge? Gut! Sie machen das halbe Spiel aus.
Gefallen euch solche Sonnenuntergänge? Gut! Sie machen das halbe Spiel aus. © Chorus Worldwide Games

Was genau gilt es in Yuoni zu tun? Als Ai schleichen wir in der Ego-Perspektive durch eine Reihe von Gängen und Räumen an verschiedenen Geistern vorbei und suchen nach der verhexten Puppe. Hat man die gefunden, tritt eine dämonische Kraft auf den Plan und hetzt uns hinterher, während wir zurück zum Startpunkt irren um besagte Puppe zu verbrennen. Das wiederholt man in fünf verschiedenen Levels, welche wegen Asset-Recycling alle sehr ähnlich daherkommen, und dann hat man das Spiel auch schon geschafft - vorausgesetzt, die wenig spannenden Fluchtszenen und die willkürliche Geister-KI gibt einem nicht schon vorher den Rest.

Auf der Suche nach der Puppe gilt es nicht nur hin und wieder einen Schlüssel zu finden, um weiterzukommen, sondern auch den verschiedenen Geistern aus dem Weg zu gehen. Manche von ihnen reagieren auf Sicht, andere auf Geräusche. Darum kann Ai auf Knopfdruck auch die Luft anhalten, um noch leiser zu sein. Unauffällig sein lautet also das Kredo. Warum unsere liebe Ai dann aber mit gefühlten Bleischuhen umherrennt, die lauter sind als ein anrückendes Panzerbatallion, weiss wohl niemand. Wie in Outlast können wir uns in Schränken oder unter Betten verstecken, sollte uns doch einmal ein Geist gesehen oder gehört haben. Segnet Ai trotzdem mal das Zeitliche - und das ist gut möglich, denn die Steuerung ist zickig und genaues Manövrieren oft eine Geduldsprobe - wird man an einen der relativ zahlreichen Checkpoints zurückgesetzt.

Und wir dachten immer, Annabelle sei hässlich.
Und wir dachten immer, Annabelle sei hässlich. © Chorus Worldwide Games

Während des ganzen Spielverlaufs orgelt Yuoni die ganze Palette von Horror-Klischees durch. Seien es kichernde Kinder, Jumpscares, zufliegende Türen, Jumpscares, herumzuckende Schemen, Jumpscares und dämonische Puppen. Und Jumpscares. Alles schon tausendmal gesehen und so innovativ wie ein Teller Blattsalat. Ohne Dressing.

Unheimlich ist lediglich das grauenhaft monotone Sounddesign. Gefühlt die Hälfte der knapp vierstündigen Spieldauer hört man dasselbe Zikadengeräusch durch die Fenster dringen. Falls es das Ziel war, die Spieler damit in den Wahnsinn zu treiben: Gratulation. Gewonnen. Mit Auszeichnung.

Glubschi McBlubber rückt uns unerbittlich auf die Pelle.
Glubschi McBlubber rückt uns unerbittlich auf die Pelle. © Chorus Worldwide Games

Optisch sind die Entwickler offenbar sehr stolz auf ihre Abendrot-Stimmung. So stolz sogar, dass es abgesehen von diesen hübschen Lichteffekten auch kaum was anderes zu sehen gibt. Die Texturen sind monoton, grafisch zeigt der Titel kaum Finesse. Fehlende Abwechslung zeigt sich in allen Aspekten des Spiels: Grafik, Ton, Gameplay.

Mag wenigstens die Story was reissen? Theoretisch schon. Die Geschichte um den Geisterknaben und die Hintergründe des Fluchs sind an sich nett und wären auch spannend - hätte man sich die Mühe gemacht, sie einigermassen interessant zu präsentieren. Stattdessen gibt es statische und sehr spärliche Zeichnungen und Text. Das erzeugt weder Spannung, noch ist es clever gelöst. Es passt aber ins lieblose Gesamtkonzept des Titels.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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