Tails of Iron (2021)

Tails of Iron (2021)

  1. , ,
  2. , ,

PS5-Review: Wie Mickey Mouse - nur dreckiger!

Sorry, hab grad kein Münz.
Sorry, hab grad kein Münz. © United Label Games

Was als grosse Feier für den Sieg Redgis im königlichen Turnier beginnt, endet in einem Blutbad. Kaum hat er gelernt, wie man mit einer Waffe umgeht, muss Redgi zusehen, wie sein Vater, König Rattus, vom fiesen Frosch-Clan getötet wird. Seine Brüder werden gefangen genommen und das Königreich liegt in Schutt und Asche. Als letztes Mitglied der Königsfamilie macht sich Redgi auf den Weg, seinen Vater zu rächen, seine Brüder zu retten und das Königreich wieder aufzubauen. Auf seiner Reise lernt Redgi neue Freunde kennen und entdeckt Geheimnisse, von denen nicht einmal sein Vater wusste.

Tails of Iron ist erst das zweite Spiel des Entwicklers Odd Bug Studio aus England. Das 2D Action Adventure legt besonderen Wert auf seine Geschichte und fährt dafür grosse Geschütze auf. Mit Doug Cockle, der in The Witcher 3 Geralt von Riva vertont, wurde ein grosser Name an Land gezogen. Ein Sprecher alleine macht allerdings noch keine gute Geschichte. Kriegt das Spiel trotzdem die Kurve?

Das Spiel sitzt irgendwo zwischen Stuhl und Bank. Der starke Fokus auf die Narrative wird durch eine nette, wenn auch vorhersehbare Erzählung ohne erkennbaren Spannungsbogen gerechtfertigt. Etwas besser funktioniert das kampfbasierte, anspruchsvolle Gameplay. Die intensiven Auseinandersetzungen bleiben jederzeit spannend und werden durch schweisstreibende Bosskämpfe gekrönt. Obschon etwas mehr Abwechslung und ein stärkeres Gefühl für Progression wünschenswert wäre, hinterlässt Tails of Iron einen überwiegend positiven Eindruck. Die frenetischen Kämpfe und überschaubare Länge sorgen dafür, dass es nie langweilig wird.

Nimm' das, Fliegenfresser!
Nimm' das, Fliegenfresser! © United Label Games

Redgis Reise beginnt stark. Die Inszenierung brilliert dank dem schönen Comic-Stil und dem tollen Sprecher, der auf eine spannende Geschichte mit fulminantem Start einstimmt. Das anfängliche Interesse sinkt allerdings rapide ab. Sehr schnell merkt man, dass es sich hier um eine klassische Heldenreise nach bekanntem Muster handelt.

Per se ist das nichts Schlechtes, doch fehlt es der Erzählung an Tiefgang. Die Figuren kommunizieren nur über Bildchen und Symbole, wobei der Cockle aus dem Off komplexere Sachverhalte wie die Gefühlslage der Protagonisten beschreibt. Redgi selbst bleibt aufgrund fehlender Kanten ein blasser Protagonist. Während beispielsweise Link in The Legend of Zelda, um eine berühmte, klassische Heldenreise anzuführen, noch auf viele farbenfrohe Nebencharaktere setzen kann, muss Redgi seine Geschichte grösstenteils alleine tragen.

Dieses Muster zieht sich auch durch das Gameplay hindurch. Das Kampfsystem hat einen Hauch von Dark Souls, mit seinen schnellen und harten Schlägen, seinem Ausweichmanöver und seinem Parry. Das weiss zu Beginn auch zu gefallen, fordern doch die Gegner Redgi einiges ab. Leider fehlt es auch hier an Tiefe.

Bow before the all-mighty Thor!
Bow before the all-mighty Thor! © United Label Games

Die Waffen unterteilen sich in Schwerter, Hämmer/Äxte und Lanzen, spielen sich aber wenig anders. Schwerter sind schneller als Hämmer, doch die Unterschiede sind eher klein und sorgen kaum für ein anderes Spielgefühl. Waffen stellen auch die einzige Progressionsmöglichkeit dar. Fertigkeitspunkte gibt es nicht. Stattdessen bekommt man im Spielverlauf immer stärkere Waffen und Rüstung, die eine Weiterentwicklung von Redgi suggerieren.

Aber auch hier: Gegner halten weiterhin sehr viele Schläge aus. Ob es mit einer neuen Waffe nun einen Schlag mehr oder weniger braucht - der Unterschied ist zu gering. Es gibt die Möglichkeit, dass unterschiedliche Gegner anders auf unterschiedliche Waffentypen reagieren. Dies haben wir allerdings nicht getestet. Grund dafür ist auch der Umstand, dass man jeweils nur zwei Waffen gleichzeitig ausrüsten kann und der Loadout nur an bestimmten Kisten umgestellt werden kann. Schnelle Tests mit unterschiedlicher Ausrüstung bieten sich da kaum an.

So plätschert das Spiel vor sich hin, bis nach sechs bis acht Stunden der Abspann läuft. Tails of Iron ist ein sehr kurzweiliges Spiel, dessen fehlende Tiefe durch die Intensität der Kämpfe, insbesondere jener der Endgegner, beinahe vollständig aufgewogen wird. Den interessierten Spielern sei somit nicht vom Titel abgeraten. Eine uneingeschränkte Empfehlung können wir allerdings auch nicht aussprechen.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

  1. Artikel
  2. Profil