Ratchet & Clank: Rift Apart (2021)

Ratchet & Clank: Rift Apart (2021)

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PS5-Review: Per Anhalter durch die Dimension

Hello buddy, nice to see you again!
Hello buddy, nice to see you again! © PlayStation Studios

Es ist ein Tag zum Feiern. Nachdem das dynamische Duo Ratchet & Clank das Universum schon zig Male gerettet hat, war es an der Zeit, die beiden mit einer grossen Parade zu würdigen. Für Ratchet ist der Anlass jedoch bittersüss. Er geniesst die Anerkennung und die Zeit mit seinen Freunden. Doch er kann sich nicht davor verschliessen, dass er weiterhin der letzte Lombax im Universum ist und für immer alleine sein wird. Ratchets bester Freund, Clank, ist sich diesem Umstand sehr wohl bewusst. Eigens hierfür hat er den Dimensionator erfunden. Damit kann Ratchet Dimensionen durchqueren, um Hinweise auf andere Lombaxe zu finden.

Blöd nur, taucht gerade in diesem Moment Dr. Nefarious auf. Während der Auseinandersetzung werden alle drei in eine Dimension gezogen, wo der böse Doktor alleiniger Herrscher ist. Als der Dimensionator explodiert, werden die Reisegefährten getrennt, und Clank stellt mit Verwunderung fest, dass zumindest ein Teil seines Plans erfolgreich war: Er hat in Rivet einen weiteren Lombax gefunden! Ratchet macht sich derweil auf die Suche nach seinem Freund.

Rift Apart vereint die besten Qualitäten der gesamten Serie, wo explosive Kämpfe mit aberwitzigen Waffen, Exploration und Humor aufeinandertreffen. Das Ganze wird garniert mit einer beeindruckenden Präsentation, die ihresgleichen sucht. Das Dimensions-Gimmick ist zwar weniger präsent als es die Trailer suggerieren und der Titel begeht viele bekannte Pfade. Dennoch kann man sich dem Charme des Duos nicht entziehen. Und wenn man über die gesamte Dauer blöd grinsend vor dem Fernseher sitzt, dann hat das Spiel schon sehr vieles richtig gemacht.

Wenn man den Character-Editor auf "weiblich" stellt.
Wenn man den Character-Editor auf "weiblich" stellt. © PlayStation Studios

Ratchet & Clank: Rift Apart beginnt mit einem Paukenschlag. Die Intro-Sequenz setzt die Protagonisten charmant in Szene. Besonders Dr. Nefarious punktet mit viel Witz und einer quirligen Persönlichkeit. Im gleichen Atemzug werden die grundlegende Prämisse etabliert und die Spielmechanik eingeführt. Das Ganze geschieht vor einem Hintergrund, der vor Details nur so strotzt. Hier beugt das Spiel bereits seinen technischen Bizeps.

Das Staunen endet allerdings nicht mit dem Prolog, sondern zieht sich über das gesamte Spiel hindurch. Sehr beeindruckend sind die Modellierungen der Hauptfiguren. Das Fell von Ratchet und Rivet wirkt derart echt, dass man kurz googeln möchte, ob Lombaxe als Haustiere angeboten werden. (Anm. d. Red.: Werden sie nicht, es handelt sich scheinbar um fiktionale Tiere.) Das Game schmeichelt somit den Augen, ist aber auch wohlklingend für die Ohren. Die Sound-Abmischung funktioniert tadellos, und wer 3D-Audio-kompatible Kopfhörer sein Eigen nennt, kann jede fallende Schraube auf wenige Quadratzentimeter genau lokalisieren.

Haben wir an der EM auch schon gesehen: Bissige Gegner!
Haben wir an der EM auch schon gesehen: Bissige Gegner! © PlayStation Studios

Ein Technikblender also? Mitnichten. Entwickler Insomniac zeigt, dass sie auch Level-Design können. Nach der famosen geführten Einführung geht es in eine retro-futuristische Stadt mit viel Neon, fliegenden Autos und verwinkelten Gassen. Neben dem offensichtlichen Pfad zum Missionsziel laden viele kleine Wege zur Exploration ein, die auch meist spielerisch belohnt werden, sei es durch ansonsten selten vorkommende Sprungpassagen oder Sammelgegenstände. Danach fliegen wir mit Rivet auf einen tropisch anmutenden Planeten mit Säuremeer und vielen kleinen Inseln. Anschliessend geht es in ein grosses Ödland mit riesigen Maschinen, die beinahe einen Horizon-Flair ausströmen.

Spielerisch hat jeder Planet seine Eigenheiten, die jeweils ein anderes Mittel der Fortbewegung in den Vordergrund stellen. Die sollen hier nicht alle offengelegt werden. Es soll einzig erwähnt werden, dass die Durchquerung der Level zu jedem Zeitpunkt Spass macht und selbst (selten vorkommendes) Backtracking nicht langweilig wird.

Darüber hinaus bleibt Rift Apart der Serie treu und bietet viel pulstreibende Action und etwas gemächlichere Abschnitte. Dabei setzt sich der Trend fort, wonach die Reihe einen grösseren Fokus auf explosive Spektakel setzt als auf Sprungpassagen. Der Jump&Run-Aspekt ist nicht gänzlich verschwunden, zieht sich aber meist in die optionalen Aufgaben zurück. Vordergründig geht es ums Zeichentrick-Ballern mit vielen unglaublich kreativen Waffen. Das Waffenrad füllt sich im Spielverlauf zunehmend mit immer ausgefalleneren Modellen, wobei nicht alle gleichermassen begeistern können. Die Burst Pistol ist beispielsweise lediglich eine Mischung aus Pistole und Submachine Gun. Dafür gibt es viele andere, wie beispielsweise den Topiary Sprinkler, die lustig, effektiv und super spassig zu bedienen sind. Beim genannten Beispiel werden Wasserstrahlen generiert, die Gegner in Pflanzen verwandeln, damit sie sich nicht mehr bewegen können.

Kannst du hier mal leuchten?!
Kannst du hier mal leuchten?! © PlayStation Studios

Schliessen wir ab mit den titelgebenden Riften. Spielerisch sind diese von untergeordneter Bedeutung. Hin und wieder können wir diese nutzen, um während eines Gefechts blitzschnell die Location zu ändern und Gegner plötzlich von hinten zu bearbeiten. Manchmal gelangen wir mit diesen Riften in eine separate Dimension, wo es kleinere Rätsel zu lösen- und Hindernisse zu überwinden gibt. Diese Portale sind insofern beeindruckend, als dass die dahinter steckenden Level blitzschnell geladen werden und ohne Wartezeiten auskommen.

Ich weiss nicht, ob ich mich dazu reissen kann, Rift Apart ein Meisterwerk zu nennen. Jeder Aspekt funktioniert ohne Beanstandung. Die Figuren sind äusserst sympathisch, die Feuergefechte frenetisch, das Waffen- und Leveldesign grandios. Das Spiel unterhält durchgängig auf einem hohen Niveau, spielt sich abwechslungsreich und kommt ohne Durchhänger im Mittelteil aus. Also gut, dann ich sage es: Ratchet & Clank: Rift Apart ist ein Meisterwerk, bei dem ich nichts zu meckern habe. Unbedingt spielen!

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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