Operation: Tango (2021)

Operation: Tango (2021)

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PC-Review: Mission Impossible: Double Dash

Don't let the Sun go down on me...
Don't let the Sun go down on me... © Clever Plays

Asymmetrische Koop-Spiele sind noch ein Nischenprodukt. Das kleine kanadische Studio Clever Plays kombiniert in Operation Tango zwei komplett unterschiedliche Gameplay-Stile, die nicht nur Köpfchen, sondern vor allem Kommunikation erfordern. Während die Agentin in einer First-Person-Perspektive vor Ort hantiert, bewegt sich der Hacker in einer virtualisierten Umgebung - und beide sehen nicht, was der andere sieht, denn das Spiel funktioniert nur online, nicht etwa im Splitscreen.

Angel, eine afroamerikanische Agentin, und Alistair B. Fleming, ein schottischer Hacker, werden auf einen Auftrag angesetzt: Ein Cyberterrorist droht ganze Teile Südostasiens lahmzulegen. Die beiden reisen durch die ganze Welt, um der mysteriösen Person namens Cypher auf die Schliche zu kommen. Dabei muss Angel Firmengebäude, Tresore und Festivals infiltrieren, Alistair unterstützt sie aus der Distanz mit Informationen und Wegleitung.

Operation Tango ist ein schlankes, clever durchdesigntes Koop-Game, das richtig Köpfchen und Kommunkation verlangt. Nicht alle Rätsel sind gleich gut gelöst und der gelegentliche Zeitdruck bringt ganz schön ins Schwitzen. Ausserdem ist es etwas kurz geraten und bietet wenig Wiederspielwert. Aber dank dem grossen Ideenreichtum des Entwicklerstudios sind die knapp dreieinhalb Stunden Spielzeit nie langweilig und fordern angenehm. Ausserdem sieht das Spiel ganz hübsch aus. Es ist also prima geeignet für Möchtegern-James-Bonds oder -Ethan-Hunts.

Showtime.
Showtime. © Clever Plays

Operation Tango erzählt zwar eine lose Geschichte, doch diese wird nur am Anfang jeder der sechs Missionen kurz umrissen. Sie dient also lediglich als grobe Rahmenhandlung. Im Zentrum steht das gemeinsame Lösen der gestellten Rätsel. Der Clue? Die Agentin hat keine Ahnung, was der Hacker sieht - und umgekehrt. Dabei können beide auf der Plattform ihrer Wahl spielen, das Game ist komplett crossplay-fähig. Ausserdem muss es nur von einer Partei gekauft werden, die andere kann mit dem Friend Pass gratis mittun. Es gibt aber keinen lokalen Splitscreen-Modus, da das Spiel darauf zählt, dass man eben den anderen Monitor nicht sieht.

Aufgrund dieser Voraussetzung ist gute Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg. Für die meisten Rätsel benötigt es Komponenten beider, es zu lösen. So muss die Agentin dem Hacker die IP eines Server mitteilen, der wiederum kann ihr diesen knacken und freischalten. Und so geht das hin und her. Mit jedem Level und jedem neuen Raum werden wieder neue Puzzleideen eingeführt. Da Operation Tango nur etwa drei bis vier Stunden lang ist, wiederholt sich kaum eine Idee. Das mag zwar eher kurz sein, bleibt aber über die ganze Spielzeit interessant und wird nicht mit irgendwelchen Füllern ausgedehnt. Es lohnt sich auch, das Spiel noch aus der anderen Perspektive durchzuspielen. Dies geht etwas schneller, da man die Kniffe bereits kennt und sich zum Teil nicht einmal die Lösungscodes einzelner Rätsel verändern.

Willkommen im DarkWeb...
Willkommen im DarkWeb... © Clever Plays

Die Puzzles sind zum grössten Teil sehr clever designt, wenn auch gelegentlich etwas sehr stark inspiriert von Keep Talking and Nobody Explodes. Allgemein scheut Operation Tango nicht davor zurück, seine Inspirationen zu ehren. So gibt es einen an Mission Impossible erinnernden Abschnitt und die meisten Achievements sind Titel von James-Bond-Filmen. Das Knacken der Handycodes scheint angelehnt an das Brettspiel «Mastermind» - aber mit weniger Optionen und mehr Trial and Error. Eines der wenigen wiederkehrenden Rätsel, die eher mühsam sind.

Ausserdem kommt man immer wieder unter Zeitdruck, was einen kühlen Kopf und besonders guten Austausch erfordert. Besonders das Hackerlevel ist sehr aufregend. Dieses ist allerdings nicht das visuell ansprechendste, denn ansonsten sieht Operation Tango ganz chic aus. Einige hübsche Locations - vor allem das Schlusslevel - und ein reduzierter, aber sorgfältig gestalteter Artstyle lassen es ordentlich aussehen. So ist das Spiel ein kleiner Geheimtipp für zwei Sofa-Agentinnen und Sessel-Hacker.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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