Mass Effect: Legendary Edition (2021)

Mass Effect: Legendary Edition (2021)

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Xbox Series X|S-Review: Nur mal kurz die Welt retten

Der neue Souverän
Der neue Souverän © Electronic Arts

Der letzte Ableger der Mass-Effect-Serie, Andromeda, entsprach nicht den hohen Ansprüchen, die sich die Marke bis dahin gesetzt hatte. Publisher und Entwickler EA hat die Fans gehört und die originale, epische Science-Fiction-Trilogie rund um Commander Shepard und die Crew der Normandy überarbeitet und neu aufgelegt mit allen Zusatzinhalten, in schöner 4K-Auflösung und verkürzten Ladezeiten.

Die Menschheit entdeckt in der Zukunft Mass-Effect-Portale, die verschiedene Sonnensysteme der Milchstrasse miteinander verbinden. Deren politisches Zentrum ist die Citadel, eine Raumstation, erbaut vor langer Zeit. Der Rat der herrschenden Völker schickt Commander Shepard los, um eine menschliche Kolonie, die von einer Roboter-KI, der Geth, überrannt wurden. Shepard wittert eine Verschwörung, denn Saren, ein hochrangiger Offizier, soll hinter der Attacke stecken. Er entdeckt dabei eine Verbindung zu den Reapern, eine jahrhundertelang befürchtete Bedrohung, doch niemand glaubt ihm. Als das riesige Raumschiff Sovereign sich der Citadel nähert, beginnen auch die Skeptiker, Shepard zu folgen.

Mass Effect: Legendary Edition ist ein für Commander Shepard absolut würdiges Remaster, das alle Zusatzinhalte beinhaltet und sich in knuspriger 4K-Auflösung, flüssigen 60 Bildern pro Sekunde und stark reduzierten Ladezeiten präsentiert. Die Geschichte um Commander Shepard ist immer noch etwas vom besten, was das SciFi-Genre im Gaming bisher hervorgebracht hat. Tolle Figuren, ein fantastisches Worldbuilding und ernsthafte Konsequenzen, die über lange Zeit schmerzen, werden hier mit immer besserem Gameplay und besseren Dialogen kombiniert. Die Mass Effect-Trilogie ist ein Meisterwerk und die Legendary Edition ist der beste Weg, diese zu erleben - ob als Neuling oder als Veteran.

«Hey Shepard, kasch mako?»
«Hey Shepard, kasch mako?» © Electronic Arts

In der Legendary Edition sind alle drei Abenteuer von Commander Shepard enthalten. Da der erste Teil nun bald fünfzehn Jahre auf dem Buckel hat, hat dieser auch am meisten von den Updates profitiert. Das User Interface und die komplette Schiessmechanik wurde den Sequels angenähert und vor allem das Schiessen profitiert enorm. So trifft man mit Schusswaffen endlich etwas. Biotics und Technics sind immer noch etwas schwammig, aber auch verbessert. Ebenso wurde der ungeliebte Mako, das Fahrzeug auf den einzelnen Planeten, in der Steuerung angepasst und lässt sich nun passabel steuern. Die damit verbundenen Abschnitte sind aber noch immer keine Highlights.

Allgemein merkt man Mass Effect 1 das Alter deutlich an. Die Dialoge - vor allem in Verbindung mit den Romance-Optionen - wirken wahnsinnig steif, unterstützt von den nicht toll gealterten Gesichtern. Ausserdem ist immer noch übermässig viel Mikromanagement nötig in Sachen Ausrüstung. Immerhin sind die berühmt-berüchtigen Liftfahrten praktisch ohne Ladezeiten und die teilweise absurden Checkpoints wurden etwas grosszügiger gesetzt. Die Ausleuchtung wurde ebenfalls massiv verbessert, was in Kombination mit 4K-Auflösung, flüssigen 60fps auf der Xbox Series X und schöneren Reflexionen zu einem soliden Endergebnis führt. In der Serie ist Mass Effect 1 bestimmt das schwächste und auch das am schwächsten gealterte Spiel, macht dank dem Facelifting aber durchaus Spass.

Mass Effect 2 bleibt auch nach dem Upgrade ein Meisterwerk. Der Übergang fühlt sich fast etwas holprig an, denn vieles wurde gestreamlint bezüglich Micromanagement, wodurch das Sequel viel mehr zum Actiongame und massiv weniger Zeit in Menüs verbracht wird. Auf der Konsole fühlen sich einige Mechaniken etwas träge an, da sie für einen PC-Cursor designt wurden, diese sind aber nicht allzu zahlreich. Die Struktur mit der Rekrutierung und der Notwendigkeit, das Vertrauen der Crew zu gewinnen, ist auch nach über zehn Jahren immer noch Weltklasse. Und die Suicide Mission am Ende ist nach wie vor schweisstreibend spannend, selbst nach mehrmaligem Durchspielen.

Martin Sheens Illusive Man
Martin Sheens Illusive Man © Electronic Arts

Die Figuren der Crew werden toll ausgearbeitet, was das Ende noch spannender macht, denn man möchte die liebgewonnenen Figuren auf keinen Fall verlieren. Sind sie nämlich einmal tot, treten sie im Nachfolger gar nicht erst auf. Zwar sind die Dialogoptionen mit ihrem Schwarzweiss-Schema nicht mehr ausnahmslos toll, sind aber eine Verbesserung gegenüber dem Erstling. Allerdings ist es unverzeihlich, dass Fanliebling Liara T'Soni praktisch aus der Story raus- und in einen - zugegebenermassen soliden - DLC reingeschrieben wurde.

Apropos DLC: Die Legendary Edition enthält jegliche DLCs, die damals hinter unterschiedlichen Paywalls versteckt waren - ausser Pinnacle Station aus Mass Effect 1, da ging der Code verloren. Nicht alle dieser Inhalte sind gleich gut, einige aus dem zweiten und dem dritten Teil sind sogar ziemlich schlecht und ruinieren das Tempo der Story. Auch die gelungenen DLCs wie der Shadow Broker, Leviathan oder Citadel wirken nicht wie ein organischer Teil der Geschichte, sondern eben wie Zusatzinhalte, die sich nie richtig in die Geschichte einfügen.

Mass Effect 3 sorgte beim Release für Furore: Das Ende sei Mist, fand das Internet. Darauf veröffentlichte Entwickler BioWare den Extended Cut, der viele Fans zufriedenstellte. Mit etwas Distanz zum Ganzen gewinnt das Ende nun aber enorm dazu, und das relativ zeitnahe Durchspielen aller Teile hilft ebenfalls. Denn es handelt sich beim ganzen Game um einen Schluss. Riesige, intergalaktische wie auch sehr persönliche Konflikte werden gelöst und die Abschiede von den einzelnen Figuren - in welcher Form auch immer - schmerzen. Vom Gameplay ist der jüngste Teil auch am besten gealtert. Die bedeutend besser umgesetzten Biotics und Technics lassen Shepard richtig mächtig wirken und sind wohl endlich zu dem gewachsen, was sie ursprünglich hätten sein sollen. Auch das Gegnerdesign mit den Reaperversionen der bekannten Rassen ist richtig gut gelungen.

Der Mann der Kalibrationen
Der Mann der Kalibrationen © Electronic Arts

Grafisch ist an den Teilen 2 und 3 nicht viel auszusetzen. Zwar zerdrückt das HDR auf der Series X die dunklen Stellen teilweise merklich, ansonsten sehen die Games solide aus. Auch das Gameplay wurde stetig verbessert, wodurch Biotics und Technics immer besser und Schusswaffen immer etwas weniger übermächtig wurden. Und auch die Performances wurden mit jedem Spiel besser. Die Games sehen so aus und spielen sich so, wie man's in Erinnerung hat - ein gutes Zeichen bei einem Remaster. Kleinere Bugs seien dabei vergeben. So spinnte der Zeitcounter bei einem Speicherstand und gewisse Erfolge schalteten nicht sauber frei. Allerdings wurden viele der nervigen Fehler aus den Originalen behoben.

Somit ist die Legendary Edition genau das, was sie verspricht. Sie motzt die etwas angestaubten Games auf und macht sie geniessbar für die aktuelle Zeit. Dadurch ist sie die konkurrenzlos beste Möglichkeit, die Mass-Effect-Trilogie zu erleben, für Veteranen wie für Neulinge.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Kommentare Total: 2

th

ich bin gerade in der mitte von ME2... und vermisse das mikromanagement ein wenig. gerade beim waffensystem wurde zu stark in die falsche richtung korrigiert, ich verstehe auch heute immernoch nicht genau wie die menus funktionieren und welche waffe ich schlussendlich dann tatsächlich auf die mission mitbringe... ebenfalls erfolgreich aus dem gedächnis gedrängt hatte ich das absolut mühsame scannen der planeten! an solchen eher nebensächlichen details zeigt es sich dann doch, dass die spiele ein gewisses alter auf dem buckel haben.

nichtsdestotrotz packt die story trotzdem, und die dazwischengestreuten DLC-inhalte, die ich beim ersten release nie spielte, bringen abwechslung. schon ziemlich oft hab ich mich gefragt ob ich eine mission tatsächlich schon kenne und vergessen habe, oder es sich um was neues handelt.

nna

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