Lost in Random (2021)

Lost in Random (2021)

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PS4-Review: Ein Glücks-Spiel übers Glücksspiel

Nein, das ist kein Animationsfilm, das ist tatsächlich die Spieloptik.
Nein, das ist kein Animationsfilm, das ist tatsächlich die Spieloptik. © Electronic Arts

Herzlich willkommen in Random, einem düsteren Königreich mit sechs Bezirken! Hier entscheidet ein königlicher Würfelwurf, ob du dein Leben künftig im Slum von Onecroft oder in der noblen Heimat der Königin verbringen wirst. Unsere Hauptfigur, die zwölfjährige Even, hat leider kein Glück und würfelt sich in den miefigen Hafenslum von Onecroft, wo sie schon aufgewachsen ist - aus der Traum vom Leben an einem besseren Ort.

Evens Zwillingsschwester Odd hat hingegen mehr Glück und würfelt sich in die Arme der Königin. Freuen tut sie sich aber trotzdem nicht, denn sie muss ihre ganze Familie zurücklassen. Even denkt aber nicht daran, ihre Schwester der finsteren Königin zu überlassen und macht sich auf zu einem halsbrecherischen Rettungsversuch durch die Bezirke von Random. Eine schrille und gefährliche Odyssee beginnt.

Lost in Random ist ein düsteres und doch kunterbuntes Action-Adventure, das durch seine ausgefallene Prämisse und das eigenwillige Setting überzeugt. Einzig das Kampfsystem ist gewöhnungsbedürftig, bremst die spannende Story aus und dürfte ungeduldigen Naturen wohl auf Dauer zu träge sein.

In Random regiert die böse Königin mit ihrem allmächtigen Würfel.
In Random regiert die böse Königin mit ihrem allmächtigen Würfel. © Electronic Arts

Eines ist klar: Lost in Random fällt auf. Wer sich den Trailer anschaut, fragt sich, ob er nicht per Zufall den neusten Animationsfilm von Tim Burton oder den Laika-Studios vor sich hat. Das Design der Welten, der Look der Figuren, alles erinnert an den charmant-morbiden Touch eines Stop-Motion-Films. Trotzdem gelingt es dem Spiel, eine eigenständige Welt zu erschaffen, die erfrischend anders ist.

Die ganz grosse Stärke des Titels ist nebst dem äusserst gelungenen Art Design die Story und die Charaktere, die uns auf unserer rund 20-stündigen Reise begegnen. Obwohl die meisten Figuren völlig schräg und grenzwertig irre sind, haben sie doch Charme und Tiefe und ergeben zusammen mit den sechs Welten ein stimmiges Gesamtbild, in das man gerne eintaucht. Oder wer wünscht sich nicht, sein Inventar bei einem Monster im Schrank aufzustocken? Oder einem dubiosen siamesischen Zwilling beim Reimen unter die Arme zu greifen?

Aus zahlreichen Karten stellen wir unser Deck zusammen. Hier braucht es etwas Voraussicht und Taktik.
Aus zahlreichen Karten stellen wir unser Deck zusammen. Hier braucht es etwas Voraussicht und Taktik. © Electronic Arts

Stichwort Welten: Die sechs Königreiche präsentieren sich optisch äusserst abwechslungsreich, bieten jeweils ein relativ offenes Gebiet und laden dank Nebenquests und Sammelkram zum Erkunden und Verweilen ein. Währen Onecroft ein versifftes Hafenslum ist, präsentiert sich Two-Town bereits als windschiefes Städtchen mit engen Gassen und Marktplätzen. Technisch fängt das Spiel den oben angesprochenen Animationslook perfekt ein und liefert abgesehen von einigen Rucklern eine gute Performance. Auch die stimmige Musik und die gelungene englische Sprachausgabe verdienen einiges an Lob. Sie verwandeln Random zu einem lebendigen und interessanten Schauplatz und sorgen dafür, dass wir gerne mit NPCs ins Gespräch kommen und ihren absurden Dialogen lauschen.

Eine grosse Eigenheit - und damit wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks - ist hingegen das Kampfsystem. Während man im artverwandten American McGee's Alice mit verschiedenen Waffen direkt Gegner vermöbelt, zieht sich bei Lost in Random der Glücksspielgedanke bis zu den zahlreichen Konfrontationen durch. Aus einem stets wachsenden Kartenstapel suchen wir uns fünf Stück aus, auf die wir aktiv im Kampf zugreifen. Jede Karte steht dabei für eine Fähigkeit und hat einen festen Wert. Während einige Karten ein Schwert herbeirufen, dienen andere der Heilung oder für Buffs.

In den Kämpfen stehen wir oft einer Übermacht entgegen.
In den Kämpfen stehen wir oft einer Übermacht entgegen. © Electronic Arts

Vor jeder Runde würfeln wir unseren lebendigen Würfel-Begleiter Dicey und die Anzahl Würfelaugen bildet dabei auch die Anzahl Wert-Punkte, die wir in dieser Runde einsetzen können. Das System braucht ein bisschen Eingewöhnungszeit, geht dann aber gut von der Hand. Nachteil: Die immer zahlreicher werdenden Kämpfe gegen teils ganze Gegnerwellen ziehen sich so stellenweise arg in die Länge. Vor allem, weil wir mittels Steinschleuder erst Energiekristalle von Gegnern abschiessen müssen, um die Karten überhaupt erst verwenden zu können.

Auseinandersetzungen können so gut und gerne mal eine Viertelstunde in Anspruch nehmen, die auch viel Leerzeit beinhalten, in der wir unseren Energievorrat auffüllen müssen. Damit zieht das Spiel leider an vielen Stellen selbst die Handbremse und bringt den Spielverlauf zum Stillstand. Zumal die Kämpfe wegen der doch eher simplen KI nur selten eine Herausforderung sind.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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