Little Nightmares II (2021)

Little Nightmares II (2021)

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Stadia-Review: Albtraum auf zwei Ebenen

Hier wird nicht nur mit dem Massstab gehauen...
Hier wird nicht nur mit dem Massstab gehauen... © Bandai Namco Entertainment

Ein kleiner Junge mit Hut erwacht in einer düsteren, trüben Welt. Bald trifft er auf ein Mädchen, das ihm freundlich gesinnt ist. Der neblige Wald, den sie gemeinsam durchqueren, beheimatet einen Jäger, der die beiden mit seiner Schrotflinte jagt. Nachdem sie ihn gemeinsam überwältigen, führt sie ihr Weg durch heruntergekommene Schulen und Stadtviertel, gefüllt mit gehorchenden Schülern und Zombie-artigen Menschen, die dem TV-Konsum verfallen sind. Auch Mono fühlt sich je länger je mehr vom Fernseher verführt...

Little Nightmares II geht den Sequel-Weg «Länger, grösser, besser». Es ist ein gutes Stück länger als sein etwa vierstündiger Vorgänger, bietet eine gfürchigere, tristere Grundstimmung und stellt uns diverse, grossartig gestaltete Kreaturen in den Weg. Ausserdem lädt das clevere Ende zum Spekulieren und Diskutieren ein. Schade, wird das Game immer und immer wieder dadurch behindert, dass sich die Perspektive und die Steuerung regelmässig in die Quere kommen. So werden an sich schön designte Levels zur Geduldsprobe. Dazu kommt das unterwältigende letzte Drittel, das dem Spiel sein sonst solides Tempo etwas ausbremst.

Mit dem ersten Little Nightmares gelang dem schwedischen Entwickler Tarsier Studios ein richtiger Indie-Hit. Das Team hinter diversen Little Big Planet-Projekten schuf ein Rätselspiel, das vor allem mit seiner Atmosphäre überzeugte. Im Sequel gehen sie den klassischen Weg: Grösser, länger, creepier. Aber auch besser?

Auch Little Nightmares II besticht durch eine grossartige Atmosphäre. Die Umgebungen sind düster und schummrig, die Grundstimmung ist trist und depressiv, was toll rüberkommt. Ebenfalls enorm gelungen sind die Kreaturendesigns. Bereits der Erstling hatte einige ungemütliche Kontrahenten zu bieten, doch die Fortsetzung setzt noch einen drauf. Eines der Highlights ist ein übergewichtiger, schnaubender Arzt, der sich, nunja, nicht ganz natürlich fortbewegt.

Diese unheimlichen Wesen sind nicht nur visuell ungeheuer, sie nehmen den Spielerinnen und Spielern auch immer eine Sicherheit weg. Bis zum genannten Arzt fühlte man sich hinter Deckungen sicher, was mit seinem Design aufgebrochen wird. Ausserdem ist das Game ein gutes Stück schwieriger als sein Vorgänger. Das macht an sich Sinn, ist die Hauptfigur Mono mit ihrer kleinen Körpergrösse doch vielen Gegnern unterlegen. Allerdings liegt der Schwierigkeitsgrad nicht immer an der künstlichen Intelligenz.

Was Little Nightmares II letztendlich aber davon abhält, ein richtig tolles Spiel zu sein, sind die Steuerung und die Perspektive. Ständig bleibt man an Ecken hängen. In zeitsensitiven Abschnitten führt die schwierige Einschätzung der Perspektive immer wieder zu Frustrationen, vor allem wegen des dunklen Leveldesigns. Und wenn man dann gefressen, entführt, getreten oder erschossen wird, streut das Game gleich noch Salz in die Wunde. Denn nach dem Respawn muss sich der kleine Mono zuerst aufstellen, was mehrere Sekunden dauert. Nach einem frustrierenden Ableben fühlen sich diese wie Stunden an. Schade, denn einige der Rätsel sind wirklich clever designt.

Die Geschichte, die Little Nightmares II erzählt, erschliesst sich erst ganz am Ende. Dieses ist ziemlich gewitzt und lädt zum Spekulieren und Diskutieren ein. Bis dahin wird man aber durch eine kryptische, undurchsichtige Welt gelotst. Und der Atmosphärenwechsel, der nach zwei Dritteln eintritt, überzeugt nicht so wie die Stimmung davor. Ausserdem zieht sich das letzte Drittel zu lang hin, sodass der Schluss wiederum etwas von seinem Effekt verliert.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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