Switch-Review: Ein letztes Fuchtel-Mechtel

«My dream is to fly, over the rainbow so high!»
«My dream is to fly, over the rainbow so high!» © Nintendo

Viereinhalb Jahre ist es nun her, seit Nintendo mit Breath of the Wild das Open-World-Genre durchschüttelte. Seither gab es keinen neuen Zelda-Ableger. Um die Wartezeit zu überbrücken, veröffentlichte der japanische Spielehersteller zwei Neuauflagen alter Titel. Das vollständig überarbeitete Link's Awakening und das HD-Remaster von Skyward Sword. Diese Re-Releases mögen eine zentrale Funktion in Nintendos Strategie erfüllen: Durch diese Reise in die Vergangenheit soll der Hunger auf Neues geweckt werden. Mit Breath of the Wild 2 am Horizont, wird uns bewusst, woher wir kommen und wie weit wir gegangen sind. Ein Appetithäppchen also.

Die Neuauflage von Skyward Sword ist ein wunderbares Zelda! Ja, die Fuchtelsteuerung nervt. Dennoch: Irgendwann habe ich mich damit abgefunden und ab diesem Zeitpunkt konnte das Spiel seine Wirkung entfalten. Das sprechende Tutorial Phai wurde von Nintendo in Ketten gelegt und stört den Spielfluss deutlich weniger. Allgemein haben die Entwickler viele Kanten des Originals geschliffen, sodass das eigentliche Spiel endlich brillieren kann - und wie es das tut! Auch wenn die Fassade langsam bröckelt und die Spielstruktur inzwischen einengend wirkt, kann man weiterhin sehr viel Spass damit haben.

«Welcher Pelikan hat dich geritten?»
«Welcher Pelikan hat dich geritten?» © Nintendo

Warum diese Neuauflagen funktionieren, zeigt sich insbesondere in Skyward Sword HD: Wir erleben hier nicht nur eine Rückkehr in das dunkle Zeitalter der Bewegungssteuerung, wir bekommen auch ein hochtraditionelles, fast schon formelhaftes 3D-Zelda serviert; mit seinem Hub, seinen Minispielen und seinen grossen, verschachtelten Dungeons. Gerade der Mangel an Dungeons war ja einer der wenigen Kritikpunkte von Breath of the Wild. Nun können wir wieder Rätsel in gewohnter Manier lösen!

Diese Sorte Spiel kann Nintendo im Schlaf, da müssen sich die Macher kaum bemühen. Es ist, als ob den Entwicklern die Kreativität aus den prall gefüllten Hosentaschen fällt. Anscheinend mühelos basteln sie vertrackte Rätselräume, die sich höchst befriedigend mittels unkonventionellen Werkzeugen lösen lassen. Auch dieses überraschungsarme Zelda ist immer noch eine Master Class im Spieledesign. Es ist aber auch eine Form des Designs, die wir inzwischen überwunden haben. Skyward Sword HD krankt trotz der vielen Verbesserungen an seiner Linearität und dem Backtracking, dem wiederholten Aufsuchen alter Gebiete.

Skyloft - die bessere Version von Columbia!
Skyloft - die bessere Version von Columbia! © Nintendo

Dagegen hilft auch das überarbeitete Steuerungskonzept nicht. Neu lässt sich das Spiel auch mittels Eingaben über Sticks und Buttons steuern, sodass wir nicht mehr gezwungen werden, in der Gegend herumzufuchteln. Wirklich gut fühlt sich diese Umsetzung nicht an, weshalb ich bald wieder zum Motion Control gewechselt bin. Auch die Story kommt dank dem optimierten Pacing besser zur Geltung. Phai wurde ein Maulkorb verpasst, und die Item-Beschriftungen ploppen nur noch beim ersten Mal auf. Unterbrochen wird das Ganze nur während den verhältnismässig vielen Zwischensequenzen, die die Ursprungsgeschichte des Master Schwerts und des Tri Force beleuchten. Erzählerisch ist es somit für jeden Zelda-Fan ein echter Festschmaus, doch es ist auch eine Erzählung, die Nintendo uns auferlegt. Kleine, persönliche Geschichtchen wie in Breath of the Wild suchen wir vergebens.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe von «Quality-of-Life»-Verbesserungen, die den Spielfluss abrunden. Die frei bewegliche Kamera steht dabei an vorderster Front und hilft auch, die grafische Revision zu bewundern. Die Wasserfarben-Optik funktioniert auch heute noch sehr gut und wird unterstützt durch höher aufgelöste Texturen, einem grösseren Farbensprektrum und einer erhöhten Bildrate.

«Nein, Link! Drei Monatsgehälter haben sie gesagt.»
«Nein, Link! Drei Monatsgehälter haben sie gesagt.» © Nintendo

Um zu meiner ursprünglichen These zurückzukommen: Der Hunger ist da! Zweifelsohne ist diese überarbeitete Version von Skyward Sword das wesentlich bessere Spiel. Fans, die mit dem Original nie ganz warm wurden, dürfen dem HD-Remaster eine zweite Chance geben. Die hat es verdient. Nun bin ich aber auch bereit für Breath of the Wild 2. Ich möchte nicht mehr zurück in dieses enge Korsett. Breath of the Wild hat den Reiz der Freiheit geweckt. Weg vom präzisen Uhrwerk eines traditionellen Dungeons hin zu dynamischen Spielsystemen, wo hinter jedem Hügel ein kleines Abenteuer wartet.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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