ENDER LILIES: Quietus of the Knights (2021)

ENDER LILIES: Quietus of the Knights (2021)

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Switch-Review: Ein Geist-reiches Metroidvania

© Entwickler / Publisher

Bereits bei seiner Ankündigung im September 2020 begeisterte Ender Lilies aufgrund seines Artstyles und der melancholischen Musik. Seit Januar 2021 befand sich das Spiel im Early Access, wo der letzte Feinschliff mithilfe der Community vorgenommen wurde. Nun ist es endlich da. Schauen wir uns mal an, ob der kleine Hype gerechtfertigt war.

Ein bösartiger Regen hat das Land verflucht und die Bewohner in Untote verwandelt. Die letzte Priesterin erwacht in einer halb zerstörten Kapelle, doch jegliche Erinnerung an frühere Geschehnisse hat sie verloren. Für Lily beginnt eine Suche nach der Wahrheit und eine gefährliche Reise. Nun liegt es an ihr, den Fluch zu bannen und das Königreich zu heilen.

Ender Lilies: Quietus of the Knights ist ein überaus kompetentes Metroidvania. Es reicht zwar nicht ganz für die höchsten Wertungssphären, aber das Spiel lockt dennoch mit vielen Vorzügen. Das Kampfsystem mit seinen vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten macht in Verbindung mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad viel Spass. Auch die Genre-typische Exploration wird immer belohnt, und so kann man über die eher schwachen Bosskämpfe und den uninspirierten Upgrades gut hinwegsehen. Wenn dann noch die fabelhaft gestaltete Spielwelt und die schöne, melancholische Musik hinzugenommen wird, dann bekommt man ein durchaus tolles Spiel geboten.

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Die Luft wird dünner da oben. Das Metroidvania-Genre befindet sich aktuell in der gleichen Situation wie der Shooter in den frühen 2010er-Jahren: Eine übersättigte Nische mit wöchentlichen Releases von zweifelhafter Qualität erschwert es, die wirklich guten Titel herauszupicken. Der Vorteil aktueller Tage: Die Demokratisierung der Berichterstattung entwickelt für ausgesuchte Spieleperlen eine Dynamik im Online-Diskurs, woraus schon Überhits wie «Stardew Valley» und Hollow Knight entsprungen sind.

Ender Lilies wäre fast so eine Geschichte geworden. Die meisten Zutaten waren da. Der Artstyle ist grandios und hebt sich mit seiner düsteren Stimmung gespickt mit farbenfrohen Akzenten angenehm vom üblichen Pixelbrei ab. Die Hintergründe tragen die Geschichte mit und vermitteln mit der tollen Architektur und der interessant gestalteten Umgebung jederzeit ein plastisches Gefühl für den Ort. Das Ganze wird musikalisch untermauert von einem wunderschönen, wenngleich mit der Zeit etwas repetitiven Soundtrack.

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Spielerisch besteht Ender Lilies aus Kampf und Exploration. Der Kampf ist nicht ohne Anspruch, denn die fies platzierten Gegner hauen stark zu. Eigene Schläge führt Lily nicht selbst aus, sondern die Geister von gefallenen Kriegern erledigen das. Besiegt Lily einen der periodisch vorkommenden Bosse, wird dessen Spezialattacke ebenfalls zu ihrem Repertoire hinzugefügt. Rücksetzpunkte sind rar, daher ist ein Tod nicht ohne Konsequenz, und die Auseinandersetzungen bleiben jederzeit spannend. Letztlich fehlt es den Kämpfen aber an Dynamik. Selbst Bosse verlangen kaum strategisches Denken ab. Mit der Basisstrategie und etwas Geduld kommt man meist sehr gut durch.

Die erwähnten Endgegner bleiben kaum in Erinnerung. Der Schwierigkeitsgrad ist ausgerechnet in diesen Kämpfen eher moderat und Design-technisch besteht noch Luft nach oben. Eine nette Abwechslung bieten sie aber allemal, und die gewonnenen Angriffsmuster sind mitunter sehr cool. Bewegt man sich mal abseits des Hauptpfades, wird man stets belohnt, was den Entdeckerdrang fördert. Nur selten führt dies zu echten Überraschungen. So bekommt man aber mehr von der wunderschönen Welt zu sehen, und das ist definitiv ein Pluspunkt.

Letztlich schafft es Ender Lilies: Quietus of the Knights nicht auf den Olymp. Dazu ist es zu unausgewogen. Den Spass kann man dem Spiel aber nicht absprechen. Wer also nach Spielen wie Hollow Knight, Guacamelee oder Salt and Sanctuary ein weiteres Metroidvania sucht, macht mit Ender Lilies sicherlich nichts falsch.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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