The Dark Pictures Anthology: House of Ashes (2021)

The Dark Pictures Anthology: House of Ashes (2021)

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PS4-Review: Das Grauen unter unseren Füssen

Wo ist Indiana Jones, wenn man ihn braucht?
Wo ist Indiana Jones, wenn man ihn braucht? © Bandai Namco Entertainment

Nach einem Ausflug auf ein Geisterschiff und einer Kleinstadt mit Faible für Hexenverbrennungen führt uns The Dark Pictures Anthology: House of Ashes in den Irak kurz nach Ende des Krieges im Jahr 2003. Eine Truppe US-Marines soll in der staubigen Einöde einer Bergregion ein unterirdisches Waffenlager ausfindig machen. Nach einem Scharmützel mit der örtlichen Miliz bricht den Kämpfern plötzlich der Boden unter den Füssen weg. Statt in einem Waffensilo landen die sowohl die Amis wie auch die irakischen Soldaten in einer unterirdischen Ruinenstadt. Versteckte Bomben gibt es hier keine, dafür lauert in der Dunkelheit ein uraltes Grauen. Und das freut sich nicht gerade über den unerwarteten Besuch.

Alle guten Dinge sind drei. Es scheint, als hätten sich die Mädels und Jungs von Supermassive Games dieses Sprichworts bedient, als sie an die Entwicklung von The Dark Pictures Anthology: House of Ashes gegangen sind. Denn waren die beiden Vorgänger The Dark Pictures Anthology: Man of Medan und The Dark Pictures Anthology: Little Hope im besten Fall durchschnittliche Gruselkost, kommt der dritte Teil der «Dark Picture Anthology» ziemlich schnell in die Gänge und vermag über die rund fünf Stunden Spielzeit gut zu unterhalten.

The Dark Pictures Anthology: House of Ashes macht vieles besser als seine Vorgänger. Auch wenn sich der Titel actionlastiger spielt und der Horror zurückgeschraubt wurde, sind die sympathischeren Figuren und das spannende Setting einen Ausflug in den Untergrund wert. Auch schön, dass der Titel unberechenbarer ist als seine Vorgänger und der Tod schneller kommt, als man denkt.

Die augenscheinlichste Neuerung in der dritten Episode ist die frei drehbare Kamera. Vorbei sind die Zeiten von fixen Winkeln, die - gepaart mit der hakeligen Steuerung - oft grausiger waren als die Schockeffekte. Jetzt können wir die Kamera frei um die Spielfiguren drehen, was gerade das Erkunden angenehmer gestaltet. Ein «Aber» gibt es dennoch, denn gerade in engen Räumen - und die sind in der verschütteten Ruinenstadt ziemlich zahlreich - ist die Kamera viel zu nah an den Figuren dran. Das war's dann auch schon wieder mit der Übersicht. Zumal die Steuerung immer noch behäbig ist. Im echten Leben wären diese hüftsteifen Soldaten wohl noch am Schnuppertag ausgemustert worden.

Tja, Ashley, plötzlich ist High School Musical nicht mehr so schlimm, gell?
Tja, Ashley, plötzlich ist High School Musical nicht mehr so schlimm, gell? © Bandai Namco Entertainment

Optisch ist das Spiel kein Überflieger, hat auch zu oft mit nachladenden Texturen zu kämpfen, kommt aber im Grossen und Ganzen stimmig daher. Die einzelnen Räume und Schluchten sind hübsch designt und fühlen sich organisch an. Der grösste Kritikpunkt, den sich das Spiel gefallen lassen muss, betrifft leider die Gesichtsanimationen. Während die Mimik einiger Figuren durchaus gelungen und überzeugend ist, kommt gerade Hollywood-Schauspielerin Ashley Tisdale gar nicht gut weg. Ihr Gesicht wirkt starr, aufgedunsen und tänzelt gefährlich nahe am Abgrund des Uncanny Valley.

Dafür überzeugen alle Sprecher durch die Bank. Allgemein wirkt das Figurenpersonal trotz ziemlich generischer Army-Stereotypen einiges sympathischer als die Charaktere der beiden Vorgänger. Nach wie vor grosse Klasse ist der Kurator, der auch hier wieder als sarkastischer Erzähler fungiert. Leider sind seine Auftritte in diesem Teil ziemlich selten.

Abknallen oder nicht? Das Spiel hat einige fiese Entscheidungen parat.
Abknallen oder nicht? Das Spiel hat einige fiese Entscheidungen parat. © Bandai Namco Entertainment

Dreh- und Angelpunkt bei dieser Art Spiele ist natürlich die Story. Auch beim dritten Anlauf wird Supermassive Games keinen Innovationspreis gewinnen und wirft munter Versatzstücke aus The Descent und Aliens zusammen. Spass macht die Geschichte mit ihrem Hang zum Edel-Trash trotzdem.

Mit Horror hat dieser Teil aber relativ wenig zu tun. Klar, die Atmosphäre ist düster, das Setting unheimlich, aber das nackte Grauen hat uns nie gepackt. Das liegt auch daran, dass die Bedrohung relativ früh in Erscheinung tritt und uns fortan an der Backe klebt. Immerhin verzichten die Macher auf eine Überdosis an lahmarschigen Jumpscares, die beim Vorgänger geradezu inflationär eingesetzt wurden.

Die Geschichte geht sogar bis in die Antike zurück.
Die Geschichte geht sogar bis in die Antike zurück. © Bandai Namco Entertainment

Einen grossen Teil des Spasses machen seit jeher die Entscheidungen aus, vor die uns die Dark-Pictures-Reihe stellt. Treten wir als herrischer Soldatenhund auf? Verheimlichen wir die Liebschaft in einer Dreiecksgeschichte? Nehmen wir die Phosphorgranaten mit oder nicht? Uns wird eine ganze Palette von Entscheidungen überlassen. Und die können früher oder später gravierende Auswirkungen haben. Das motiviert zu mehreren Spieldurchgängen, weil man schon sehr früh sehr viel vergeigen und schadenfreudig zuschauen kann, wie die Aufklärungsmission für unsere Heldentruppe komplett den Bach runtergeht und einer nach dem anderen das Zeitliche segnet.

Wie bei den Vorgängern punktet The Dark Pictures Anthology: House of Ashes bei den verschiedenen Spielmodi. Man kann die Horrornacht sowohl alleine als auch in einem Online- und Offline-Multiplayer spielen. Bei letzterem kriegt jeder Spieler eine Figur zugeteilt, und wenn diese am Zug ist, wird der Controller jeweils an den betreffenden Spieler weitergegeben. Das sorgt für angenehm hektische und unberechenbare Momente, die in einer geselligen Runde viel Spass und Experimentierfreude bringen.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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