Yakuza: Like a Dragon (2020)

Yakuza: Like a Dragon (2020)

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Xbox One-Review: Kazuma Kiry-who?

Raus aus dem Güsel!
Raus aus dem Güsel! © Sega

Ichiban Kasuga geht unschuldig für 18 Jahre ins Gefängnis, um seinen Boss zu decken. Als er wieder raus ist, scheint dieser wie fremd - und schiesst Ichiban nieder. Er überlebt knapp und erwacht in einem Obdachlosencamp in Yokohama, wo er auf Nanba trifft. Später treffen sie auf den Ex-Cop Adachi und die Hostesse Saeko. Die Gruppe versucht gemeinsam irgendwie über die Runden zu kommen, doch sie geraten immer tiefer ins Schlamassel.

Der Kreis Ijincho wird von drei kriminellen Gangs kontrolliert, je einer aus China, Korea und Japan. Bei einem kleinen Auftrag werden Ichiban und seine Wegbegleiter mitten in den Crimesumpf gezogen und befinden sich bald zwischen den Front der rivalisierten Gangs. Doch in Yokohama kommt nicht alles so, wie man es erwartet.

Die Neuorientierung ist absolut gelungen. Zwar ist das Game grafisch nicht umwerfend, und Yokohama ist etwas karger als Kamurocho, aber der neue Protagonist Ichiban Kasuga ist herrlich sympathisch, die rundenbasierte Kampfmechanik macht Spass und die Story weiss zu packen. Zwar ist der Einstieg mit viel Lesen und viel Story nicht sehr zugänglich. Doch sobald sich Yokohama auftut, die Geschichte Fahrt aufnimmt, die Gruppe um Ichiban immer verrücktere Skills lernt und auf immer verrücktere Gegner trifft, beginnt es richtig Spass zu machen. Und dank den komplett neuen Rahmenbedingungen ist es prima geeignet für alle, die neu in das Yakuza-Franchise einsteigen möchten.

Hände hoch oder es knallt!
Hände hoch oder es knallt! © Sega

Mit Yakuza: Like A Dragon will das japanische Studio Ryu Ga Gotoku frischen Wind in das mittlerweile über fünfzehn Jahre alte Yakuza-Franchise bringen. Der langjährige Protagonist Kazuma Kiryu, das Hauptsetting Kamurocho in Tokio sowie das Echtzeit-Kampfsystem werden alle abgelöst. Und während all dies gelingt, fühlt sich Yakuza immer noch wie Yakuza an.

Neu steuern wir Ichiban Kasuga, der sich von Kiryu kaum mehr unterscheiden könnte. Ichi verhält sich wesentlich freundlicher und ist allgemein einfach ein 42-jähriges Kind - im besten Sinn. Er ist wahnsinnig sympathisch, weshalb man umso mehr mit ihm mitfiebert. Die Story ist, wie für Yakuza üblich, oft melodramatisch und handelt von korrupten Politikern und Machtkämpfen. Dabei gibt's immer wieder Wendungen, die bei der Stange behalten. Allerdings werden diese oftmals in ewig langen Zwischensequenzen aufgelöst, die für Story-Uninteressierte schnell nervig sein können. Hinzu kommt, dass nicht alle Sequenzen komplett vertont sind, weshalb viel gelesen werden muss.

Doch die Balance zwischen Story und Gameplay sowie zwischen bitterem Ernst und abgefahrenem Humor gelingt hier richtig gut. Dies auch, weil Ichiban ein viel zugänglicherer Protagonist ist und die Freundschaft mit seiner Gang toll funktioniert. Vor allem für den Humorteil sorgen die Sidequests - hier Substorys genannt. So hilft man Obdachlosen beim Dating, versucht im Kino nicht einzuschlafen oder schaut erwachsenen Männern beim Baby-Spielen zu. Nicht alle sind gleich gut, lockern das ernste Yakuza-Gehabe aber auf. Und die, die gut sind, sind absolut herrlich.

Watt, wer bist du denn?
Watt, wer bist du denn? © Sega

Neben diesen Storys gibt's noch jede Menge Aktivitäten, um die Zeit rumzubringen oder Geld zu verdienen. Beispielsweise kriegt Ichiban bald einen Job als Präsident eines kleinen Familienunternehmens, das er wieder auf Vordermann bringen soll. Diese Management-Simulation packt schnell - vorausgesetzt, man hat sie verstanden. Denn das Game ist extrem schlecht im Erklären dieser Mechanik. Nach ein paar Tutorials auf YouTube wird man aber schnell steinreich, und das mit richtig viel Spass. Das Ziel ist dabei, die beste Firma in Yokohama zu werden.

Denn Yakuza: Like A Dragon beginnt zwar in Kamurocho, dem Schauplatz vieler bisheriger Games der Reihe, zieht aber bald nach Yohokama ab. Eine willkommene Abwechslung, auch wenn Yokohama wesentlicher grauer ist als das knallbunte Kamurocho. Allgemein ist Like A Dragon nicht wirklich ein schönes Game. Das dürfte vor allem am total unrealistischen und schwachen Lighting liegen, wodurch alles flach wirkt. Ausserdem werden die Animationen der Figuren ihren Sprechern nicht gerecht, und die NPCs, die nicht zur Hauptstory gehören, sehen sehr schwach aus.

Ebenfalls komplett neu ist das Kampfsystem. Neu ist dieses rundenbasiert, weshalb sich Yakuza: Like A Dragon nun fast mehr wie Pokémon als wie GTA anfühlt. Während die Kämpfe in den bisherigen Games irgendwann recht stumpf wurden, sind sie hier bedeutend abwechslungsreicher. Einerseits lassen sich neue Mitglieder einwechseln, neue Skills ausprobieren, und man kann taktischer vorgehen, als einfach immer dieselbe Combo zu wiederholen. Zudem sind die Gegner nicht immer irgendwelche Streetpunks oder anzugtragende Yakuza, sondern allerlei fantasievolle Kreationen.

Tattoo auf dem Rücken? This means trouble...
Tattoo auf dem Rücken? This means trouble... © Sega

Apropos Fantasie: Das Spiel erklärt das neue Kampfsystem sogar mit einem Meta-Witz. Da Protagonist Ichiban ein grosser Fan des JRPG Dragon Quest ist, laufen die Kämpfe in seiner Vorstellung rundenbasiert ab und die Gegner kriegen verrückte Kostüme und Waffen. Das führt dazu, dass wir gegen die wildesten Gegner kämpfen: Männer mit Chübelsackkleidern, mit Gleitgel eingeschmierte Beachdads oder übergewichtige Köche mit dem Namen «Pressured Cooker».

So fühlt sich Yakuza: Like A Dragon in vielen Belangen neu an, bleibt dem Franchise aber mit dem üblichen überzeichneten Charme treu. Ryu Ga Gotoku hat mit Ichiban Kasuga als Protagonist einen würdigen Nachfolger für Kiryu gefunden, die Neuorientierung hat funktioniert. Ausserdem bietet das Spiel einen guten Einstieg für Neulinge - auch wenn man einige Momente mehr geniesst, wenn man die anderen Games des Franchises kennt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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