XIII (2020)

XIII (2020)

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PS4-Review: Der traurige Schatten eines Klassikers

Das Remake versucht, den kultigen Comic-Look zu modernisieren. Bein Versuch bleibt's leider auch.
Das Remake versucht, den kultigen Comic-Look zu modernisieren. Bein Versuch bleibt's leider auch. © Microids

Steve Rowland erwacht ohne Gedächtnis an einem Strand. Bevor er realisiert, warum er hier ist, fliegen ihm auch schon die Kugeln um die Ohren. Auf seiner Flucht vor dem FBI und einer mörderischen Geheimorganisation entdeckt er, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ermordet wurde - angeblich von Rowland selbst. Nun liegt es an ihm, herauszufinden, ob das stimmt, oder ob er von höheren Mächten hereingelegt wurde.

«XIII» erblickte zuerst als Comic das Licht der Welt. Später wurde es sowohl als Film, als auch als Videospiel umgesetzt. Während der mässige Film grösstenteils in Vergessenheit geraten ist, erfreut sich der Ego-Shooter von 2003 heute eines gewissen Kult-Status. Das liegt neben der spannenden Story vor allem an der technischen Aufmachung. Das Spiel kam - getreu der Vorlage - im Comic-Look daher. Inklusive Sprechblasen und Bildpanels. Geboten wurde ein Shooter, der mit umfangreichem Waffenarsenal und einer gelungenen Mischung aus Action- und Schleichmomenten eine treue Fangemeinde um sich scharen konnte. Siebzehn Jahre später wagt sich PlayMagic an ein Remake heran - ob das nur gut kommt...

Möglich, dass XIII mit künftigen Updates in die Gefilde eines soliden Titels gehievt wird, aber in seinem aktuellen Zustand ist das Ding nicht nur kaum spielbar, sondern schlicht eine Frechheit. Die Enttäuschung wiegt umso schwerer, weil ein Remake in den Händen eines fähigeren Entwicklerteams durchaus Potenzial gehabt hätte, die Reihe fortzusetzen - und damit den fiesen Cliffhanger endlich aufzudecken.

In dieser Bücherei wird grosskalibrig auf die Ruhe-Regel gepfiffen.
In dieser Bücherei wird grosskalibrig auf die Ruhe-Regel gepfiffen. © Microids

Das Spiel entpuppt sich als ziemlicher Totalausfall. Im besten Fall kann das XIII-Remake als misslungener Remaster bezeichnet werden. Von Remakes der Grössenordnung eines Mafia oder Final Fantasy VII Remake ist XIII so weit entfernt wie von einem guten Spiel. Wenn die Entwickler schon beim Release Entschuldigungen und Erklärungen für den Zustand des Spiels veröffentlichen, weiss man, was es geschlagen hat. Noch trauriger ist es aber, wenn folgende Updates kaum Verbesserungen gebracht haben.

Der grösste Kritikpunkt ist die Technik des Titels. Die ist vereinfacht ausgedrückt eine Frechheit. Fast jede Bewegung der Spielfigur führt zu hässlichem Bildzerreissen und Rucklern. An der Tonfront sieht es kaum besser aus. Die Waffengeräusche sind schwach, dem Sound fehlt jede Wucht. Oft gibt es komplette Tonaussetzer. Die Stimmen - löblich: man hat sowohl im Deutschen wie im Englischen die Originalsynchro verwendet - sind stellenweise so mies abgemischt, dass sie von der Musik übertönt werden. Apropos Musik: Die weiss zu gefallen. Das ist aber kein Verdienst der Remake-Entwickler, sie wurde nämlich 1:1 aus dem Original übernommen.

Stuhl gefällig?
Stuhl gefällig? © Microids

Das Alleinstellungsmerkmal des Originals war zweifellos die visuelle Präsentation als spielbarer Comic. Den Comic-Look hat man zwar beibehalten, aber weniger knallig und «bodenständiger» umgesetzt. Somit hat er viel von seinem ursprünglichen Charme eingebüsst. Rein für sich betrachtet ist die Optik nett. Aber nett ist eben nur die kleine Schwester von scheisse.

Scheisse sind auch die Animationen der Figuren. Diese haben weder Mimik noch glaubwürdige Bewegungen. Peinlich wird's besonders dann, wenn Gegner nach einem tödlichen Treffer noch ein paar Augenblicke lang reglos stehenbleiben, bevor sie in einer von gefühlt drei verschiedenen Animationen zusammenklappen. Das passt aber zum Bild der KI. Diese pendelt nämlich zwischen blind und allwissend. Manche Gegner entdecken uns durch Wände hindurch, während andere uns zwar entdecken, dann aber wie ein erschrecktes Reh im Scheinwerferlicht reglos stehenbleiben und sich umnieten lassen.

So ziemlich die einzige Verbesserung gegenüber dem Original ist die Steuerung. Die war damals sperrig und träge und geht heute einiges besser vor der Hand. Nur rettet die leider nicht über den enttäuschenden Totalausfall hinweg, der dieses Remake geworden ist. Da helfen Sammelgegenstände und ein lokaler Multiplayer auch nicht mehr weiter.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Trailer: Gameplay Englisch, 01:49