XCOM: Chimera Squad (2020)

XCOM: Chimera Squad (2020)

PC-Review: Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Bitte lächeln, fürs Familienfoto
Bitte lächeln, fürs Familienfoto © 2K

Die Entwickler von Firaxis Game haben mit dem Überraschungsmoment getrumpft. Völlig unerwartet kündigte der Publisher 2K Games das neue Spiel, XCOM: Chimera Squad an. Keine zwei Wochen später wurde der rundenbasierte Taktik-Shooter veröffentlicht. Kann der Ableger der XCOM-Serie genauso überzeugen oder trifft hier die Bezeichnung «Schnellschuss» eher zu?

Fünf Jahre, nachdem sich die Menschheit und die Alien-Rasse auf Frieden einigte, erschufen sie City 31. Ein Versuch, bei dem Irdische und Ausserirdische Seite an Seite den Alltag bestreiten. Um Unruhen in den Bezirken der Stadt zu beseitigen, erschufen die Einwohner der Stadt den Chimera Squad. Der Spieler übernimmt das Kommando dieser Spezialeinheit und dessen Basis. Durch rundenbasiertes Geballer und die Erforschung neuer und besserer Ausrüstung geht man den Verschwörungen auf den Grund.

XCOM: Chimera Squad war ein Schnellschuss, jedoch ein effektiver! Dieses Spiel überzeugt in Sachen Taktik gepaart mit Shooter vollends. Die mit viel Sorgfalt und physikalisch standhaft programmierten Schauplätze verleiten die Spieler dazu, nahezu auf alles Explosive zu schiessen. Im Vergleich zu den älteren XCOM-Spielen fehlt in der neuen Fassung leider die Möglichkeit, den Trupp so aufzugliedern, wie man will, da die jeweiligen Einheiten vorbestimmte Fähigkeiten und Waffen besitzen. Für gemütliche Abende, bei denen man sich mit taktischen Runden das Gehirn massieren will, steht dieses Spiel an oberster Stelle.

Lunch Meeting!
Lunch Meeting! © 2K

Das Ziel in diesem Spiel ist, die Ruhe in ganz City 31 zu bewahren. Natürlich ist es nicht ganz so einfach, wie es sich anhört. Der Ursprung jeder Mission findet in der Basis des Chimera Squad statt. Dort werden mithilfe der Stadtkarte Unruhen lokalisiert und, je nach Bedarf, die Spezialeinheit zur Räumung geschickt.

Wie sehr ein Distrikt die Fähigkeiten des Squad benötigt, wird mit einem sich stetig aufladenden Balken symbolisiert. Ist der Balken komplett gefüllt, verfällt der Stadtteil in Anarchie und der Anarchie-Balken der gesamten Stadt füllt sich mit je einem Punkt. Ist wiederum das Stadt-Anarchie-Meter komplett gefüllt, hat man die Mission verpatzt und das ganze Spiel ist gescheitert. Da es mit der Zeit praktisch unmöglich wird, an zwei Stellen gleichzeitig zu sein, existieren mehrere Fähigkeiten, um die Unruhen zu besänftigen oder einzufrieren.

Wie in jeder ordentlichen Garage - das ist übrigens der Stützpunkt des Chimera Squads - gibt es auch eine Werkstatt. Dort können mittels Rohstoffen, in diesem Fall Elerium, Informationen und Credits, neue Ausrüstung oder auch Friedenstifter-Truppen erforscht werden. Nebst der Werkstatt gibt es zwei weitere Dinge, die dem Spiel Würze verleihen: Das eine ist der Trainingsplatz, auf dem die die Soldaten geschult und geistige Narben beim Psycho-Dok weggeplaudert werden. Das andere ist die Spezialeinheit. Dort werden Gruppenmitglieder, welche mangels Platz in der Basis bleiben müssen, auf Eigenbrötler-Missionen geschickt.

Feuer frei
Feuer frei © 2K

Aber wo bleibt das Geballer?! Ja, ja, kommt gleich. Hat man sich für einen Bezirk entschieden, in dem es brenzlig wird, wählt man die gewünschten Einheiten und die Ausrüstung aus. Da jeder Soldat verschiedene Fähigkeiten besitzt, soll gut überlegt sein, wen man auf die Reise mitnimmt. Der Einsatz ist dann, grob gesagt, immer gleich aufgebaut: Es gilt einen Raum zu infiltrieren, bei dem man einige Auswahlmöglichkeiten hat, wie dies ablauft. Ob volle Kanne Tür aufsprengen oder leise durch die Lüftungsschächte, alles hat Vor- und Nachteile.

Eine andere Art des Klingelstreichs
Eine andere Art des Klingelstreichs © 2K

Am Grundprinzip des Kampfes haben die Entwickler nicht viel geändert. Und das ist auch gut so. Zusätzlich zu den normalen Befehlen wie Waffen abfeuern oder nachladen können auch Fähigkeiten eingesetzt werden. Um taktische Oberhand zu behalten, kann es von Vorteil sein, eine Granate in eine Menge von Gegnern zu werfen oder mithilfe von Gehirnwäsche Feinde dazu zu bringen, sich gegenseitig zu durchlöchern.

Nebst dem «normalen» Töten der Roboter und Aliens gibt es von Zeit zu Zeit auch noch zusätzliche Missionen während der Gefechte. In diesen muss man zum Beispiel eine Geisel retten und evakuieren oder den Startvorgang eines Raumschiffes innerhalb einer bestimmten Anzahl von Runden deaktivieren.

Gehirnwäsche in Aktion
Gehirnwäsche in Aktion © 2K

Die Taktik-Aspekte seiner Vorgänger kopiert XCOM: Chimera Squad gut. Anders als in den älteren Teilen werden hier die Schlachten meist in Gebäuden oder kleineren Vorhöfen ausgeführt. Um Langeweile im Spiel zu vermeiden, stehen mehrere Soldaten mit verschiedensten, aber leider vorgegebenen Fähigkeiten zur Verfügung. Zusätzlich wurde durch die Funktion, dass verstorbene Gruppenmitglieder nach einer Mission wieder putzmunter sind, die Abwechslung und Schwierigkeit des Spiels gehemmt. Anhand unterschiedlich aufgebauter Szenarien mit ihren interessanten und taktisch anspruchsvollen Schusswechseln wird die innere Stimme «nur noch eine Runde» schnell vernachlässigt.

/ jaw