Warface: Breakout (2020)

Warface: Breakout (2020)

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PS4-Review: Low-Budget-Counter-Strike für Konsolenspieler

Teamwork ist gefragt!
Teamwork ist gefragt! © MY.GAMES

Seit 2013 spielen Freunde bleihaltiger Spieleunterhaltung den Free-to-play Shooter Warface. Dieser lockt mit diversen Karten, Gameplay-Spielereien und Spielmodi. Nun haben die Entwickler von Allods Team einen dieser Modi herausgepflückt und ihm ein kostenpflichtiges Spin-Off beschert.

Warface: Breakout fokussiert sich komplett auf einen einzigen Spielmodus: Platziere die Bombe. Und den beherrscht es auch. Wie im grossen Vorbild Counter-Strike spielt man hier in zwei Teams zu je fünf Spielern gegeneinander. Ein Team versucht, an zwei möglichen Punkten eine Bombe zu platzieren und das andere Team muss diese entschärfen. Eine Möglichkeit führt aber für beide Teams immer ans Ziel: totale Auslöschung des feindlichen Squads. Wer stirbt, setzt bis zur nächsten Runde aus und wird auf die Zuschauerbank verdammt.

Warface: Breakout ist für Fans von Counter-Strike eine klare Empfehlung. Auch wenn der Umfang aktuell noch etwas mager und die technische Umsetzung noch nicht ganz sauber ist, so kann sich der Titel mit den angekündigten Updates durchaus zu einer festen Grösse im taktischen FPS-Bereich mausern.

Das ist eine Falle!
Das ist eine Falle! © MY.GAMES

Warface: Breakout ist im Gegensatz zu aktuellen Multiplayer-Shootern wie Fortnite oder Overwatch erfrischend unaufgeregt. Es gibt keine Wallruns, keine meterhohen Sprünge und die Optik kommt nicht wie ein entgleister LSD-Trip daher. Die Spielfiguren verhalten sich realistisch und die Waffen sind alle in der Realität verankert. Der Titel besinnt sich wirklich auf die Tugenden des grossen Vorbilds.

Zu Beginn jedes Matches startet man mit einer Pistole. Während jeder Runde erhält man Ingame-Währung - wer richtig aufräumt, kriegt natürlich mehr. Die verdiente Kohle kann in der nächsten Runde in bessere Ausrüstung investiert werden. Wer das Spiel also im Griff hat, kann so innert kurzer Zeit auf ziemlich mächtige Waffen zurückgreifen. Aber aufgepasst: Wer stirbt, startet in der nächsten Runde wieder bei Null mit der Pistole. Dann hat man die Wahl, ob man die Credits in Waffen investiert oder sich einfach die Knarre eines besiegten Gegners vom Boden schnappt.

Technisch kann sich das Ding sehen lassen.
Technisch kann sich das Ding sehen lassen. © MY.GAMES

Warface: Breakout bietet aktuell fünf verschachtelte Maps, die jede Menge taktische Manöver erfordern und alle Zielpunkte von mehreren Wegen aus zugänglich machen. Das sorgt für angenehmen Stress und Unsicherheit. Hinter jeder Ecke oder Kiste kann ein Gegner lauern. Rambos kommen dabei genau so wenig ans Ziel, wie campierende Feiglinge. Gewinnen tut in der Regel, wer Teamplay beherrscht. Den Soldaten steht ein umfangreiches Arsenal aus grösstenteils lizenzierten Waffen zur Verfügung. Ebenfalls stattlich sind die Anpassungsmöglichkeiten der Wummen, beispielsweise mit verschiedenen Zielfernrohren. Wer die Waffen oder den Charakter jedoch optisch aufpeppen will, wird leider via Mikrotransaktionen zur Kasse gebeten. Immerhin sind die Verschönerungen nicht spielentscheidend. Auch auf Spieler-Klassen oder freischaltbare Fähigkeiten hat man verzichtet.

Zur Technik: Optisch kommt das Spiel gut daher, auch wenn es keine Bäume ausreisst. Die Maps fallen alle unterschiedlich aus: von Fabrikgeländen zu Pyramiden - es wird einiges an Abwechslung geboten. Die Schussgeräusche klingen wuchtig und gut. Die Elektromucke ist hingegen ziemlich generisch (Für potentielle Streamer bietet sich bei Spielstart sogar die Möglichkeit, die Musik gleich wegzulassen). Wirklich störend ist jedoch die schwankende Verbindungsqualität. Immer wieder kommt es zu unschönen Rucklern und im dümmsten Falle werden Treffer nicht registriert.

Die Steuerung geht hingegen problemlos von der Hand. Der Charakter klettert, duckt und rennt geschmeidig durch die Gegend und wird mit schweren Knarren in der Hand sogar langsamer. Die Tastenbelegung ist grösstenteils logisch und nachvollziehbar. Will jemand allerdings ein paar Knöpfe anders belegen, hat er ein Problem: Es gibt nämlich keine freie Anpassung.

Cool Guys don't look at explosions.
Cool Guys don't look at explosions. © MY.GAMES

Der Einstieg ins Spiel fordert für Anfänger eine steile Lernkurve und gewisse Frustresistenz. Denn ein Trainingsgelände sucht man vergeblich. Ebenso private Lobbys (zumindest in der aktuellen Version des Titels). So kann leider weder die Steuerung, noch das Spielgefühl erlernt werden, bevor man sich gleich in richtige Scharmützel wirft. Auch im Hinblick auf die vielen Anpassungsmöglichkeiten der Waffen wäre ein Testgelände zum Ausprobieren nützlich gewesen. Dem Spieler bleibt also nichts anderes übrig, als sich durch die ersten Runden durchzusterben und das Spiel auf die harte Tour zu lernen.

Warface: Breakout kann in zwei Schwierigkeitsstufen gespielt werden: Normal und Hardcore. Im Hardcore-Modus gibt es zwar mehr Kohle zu verdienen, dafür ist Friendly-Fire aktiviert, Rüstung und Granaten müssen gekauft werden, und das Match dauert 12 statt 8 Runden. Abgesehen davon wär's das dann auch schon mit dem Umfang. Fünf Maps, ein Spielmodus. Keine Klassen, keine freischaltbaren Fähigkeiten. In künftigen Updates sollen zwar noch weitere Levels und vielleicht auch andere Funktionen hinzukommen, aber für den Moment ist der Umfang für den Preis etwas mager.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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