The Room VR: A Dark Matter (2020)

The Room VR: A Dark Matter (2020)

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PS4-Review: Escape-Room für zuhause

Ob das klug ist, da dran rumzuspielen?
Ob das klug ist, da dran rumzuspielen? © Fireproof Games

Holt die VR-Brillen aus dem Keller! Es gibt lohnenswerten Nachschub für den geneigten Rätselfreund. Die Macher von Fireproof Games bringen mit The Room VR: A Dark Matter den ersten Ableger ihrer beliebten Mobile-Puzzle-Reihe für die gängigen VR-Systeme. In dieser spannenden Rätsel- und Entdeckerorgie bewegen wir uns im viktorianischen London durch verschieden grosse Levels und erleben eine kleine, aber feine Mystery-Story.

Wir spüren nämlich als englischer Detective einen vermissten Ägyptologen auf, der einem okkulten Geheimnis auf der Spur war. Dabei erleben wir die volle Escape-Room-Dröhnung - bequem in den heimischen vier Wänden. Ganz ohne lästige Begleitpersonen, die hysterisch jeden Knopf drücken, alles besser wissen oder mit brachialer Gewalt gleich den Raum zerstören.

Mit The Room VR: A Dark Matter gelingt dem Team von Fireproof Games ein kleines VR-Schmuckstück. Mit hübscher Optik und dichter Atmosphäre rätselt sich der Spieler durch eine Reihe von Levels und löst abwechslungsreiche Puzzles. Die VR-Technik wird gut genutzt und sorgt für intuitiven Kobelspass. Zwar ist das Spiel relativ kurz gehalten und hat kaum Wiederspielwert, dafür mag es über die ganze Länge durchwegs zu unterhalten.

Die Umgebungen sind herrlich stimmungsvoll.
Die Umgebungen sind herrlich stimmungsvoll. © Fireproof Games

Wie in echten Escape-Room-Abenteuern befindet man sich in The Room VR: A Dark Matter in verschiedenen in sich geschlossenen Räumen und knobelt sich einen Ausweg aus der Misere. Die Rätsel sind erfrischend verschieden und grundsätzlich fair, die Lösung ist nie völlig aus der Luft gegriffen. Sollte man trotzdem mal hängenbleiben, bietet das Spiel für jedes Rätsel Hilfestellungen in drei Stufen. Von leichten Stupsern in die richtige Richtung bis zur direkten Auflösung des Rätsels selbst. Stecken bleiben und mühsam im Internet nach Lösungen suchen, während man das VR-Headset auf der Rübe hat, ist also nicht nötig. Das Puzzle-Design selbst ist schlüssig und fühlt sich befriedigend an.

Die Macher haben die Möglichkeiten - und damit auch die Beschränkungen - der VR-Systeme begriffen und ihre Rätsel geschickt darum herum aufgebaut. So ist es beispielsweise nicht nötig, in die Hocke zu gehen, um mühsam Dinge vom Boden aufzuheben oder etwas über Kopfhöhe manipulieren zu müsen. Auch das Inventar-Management ist gut gelöst. Gegenstände können nicht aus der Hand fallen und laden zu ausgiebigem Herumprobieren ein.

Das Inventar-Management ist übersichtlich und praktisch gelöst.
Das Inventar-Management ist übersichtlich und praktisch gelöst. © Fireproof Games

Die Bewegung in der Spielwelt erfolgt über Klick-Drehungen und Teleportationen. Man wählt per Knopfdruck einen Hotspot im Level aus und wird dann dahin teleportiert. Von da aus kann man sich dann mit Klick-Drehungen um die eigene Achse drehen oder sich frei umschauen. Das klingt auf den ersten Blick sehr einschränkend, ist tatsächlich aber sehr gut gelöst. Nicht nur wird so der berüchtigten Motion Sickness vorgebeugt, sondern durch die Platzierung der Puzzle-relevanten Hotspots in den Levels entgeht man auch frustrierendem und planlosem Herumgeklicke in der Umgebung. Die Rätsel leiden keineswegs unter dieser Design-Entscheidung, sie werden dadurch sogar noch mehr in den Fokus gerückt, ohne die Umgebungen zu purer Kulisse verkommen zu lassen.

Früh im Spiel erhält man das Okular, eine spezielle Farblinse, welche die Spielwelt in ein garstiges Grün taucht und einen Blick in die mythische Welt gewählt. So werden okkulte Symbole offenbart und Möglichkeiten geboten, direkt in die Mechanik von Gerätschaften einzugreifen. Die Rätsel bewegen sich somit in zwei Dimensionen, die geschickt miteinander kombiniert werden müssen. So manipulieren wir beispielsweise durch das Okular die innere Mechanik einer Orgel, damit wir in der realen Welt die Orgelpfeifen neu anordnen können. In solchen Momenten zeigt sich dann auch die manchmal etwas hakelige Steuerung, denn die richtige Drehung eines Hebels oder filigrane Platzierung eines Schalters gelingen nicht immer gleich auf Anhieb.

Blick in die Anderswelt dank dem Okular.
Blick in die Anderswelt dank dem Okular. © Fireproof Games

Ein grosses Plus des Spieles ist die düstere Atmosphäre. Die Settings sind schön designt, detailreich und überzeugen auch in der Grafik. Egal, ob man sich in einem Detektivbüro oder einer Kirche bewegt, die Umgebungen sind stets stimmig und verbreiten dank dem passenden Sounddesign eine wohlig schaurige Atmosphäre. Die fragmentarische Story reisst zwar keine Bäume aus, reicht aber als Aufhänger für die unheimlichen Geschehnisse, die sich um einen herum langsam entfalten.

Die Spielzeit von The Room VR: A Dark Matter fällt mit seiner Handvoll Levels relativ kurz aus. Gemütliche Naturen sind in rund vier bis fünf Stunden durch. Leider ist auch der Wiederspielwert sehr gering, die Lösung der Rätsel bleibt nämlich in jedem Durchgang gleich. Trotzdem unterhält das Spiel über seine ganze Länge durchgehend und fühlt sich in keinem Moment zu gestreckt an.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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