The Pathless (2020)

The Pathless (2020)

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PS5-Review: Eine meditative Reise durch die Gefühlswelt

The Hunter - weniger wie Bloodborne, mehr wie Journey
The Hunter - weniger wie Bloodborne, mehr wie Journey © Annapurna Interactive

Der Publisher Annapurna Interactive hat ein Händchen für die Publikation von qualitativ hochstehenden, aber eher kleineren Projekten. Unvergessen bleibt das wunderbar quirlige und bewegende What Remains of Edith Finch vom Entwickler Giant Sparrow (The Unfinished Swan). Oder Outer Wilds, das fantastische interstellare Explorationsspiel von Mobius Digital. Bei The Pathless haben Annapurna Abzû-Entwickler Giant Squid unter ihre Fittiche genommen und damit ein weiteres Spiel publiziert, das hinsichtlich Anspruch, Stil und Grösse perfekt ins Portfolio passt.

Hierbei handelt es sich um ein mystisches Action-Adventure-Game in einer malerischen, offenen Spielwelt, dessen primärer Fokus die Fortbewegung darstellt. Die Prämisse ist schnell erzählt: Als Jägerin landen wir auf einer namenlosen Insel, die von einer dunklen Kraft heimgesucht wird. Die herrschenden Götter wurden verflucht, und nun liegt es an uns, sie zu befreien und das Böse zu bannen.

The Pathless ist ein sentimentales Spiel - im guten Sinne! Gameplay, Story und das Design der Welt sind darauf ausgerichtet, Emotionen zu wecken. Art und Intensität liegen im Auge des Betrachters, oder in den Händen des Spielers. Die Story-Schnipsel könnten fesselnder sein, die Spielstruktur weniger repetitiv, aber alles in allem gefällt The Pathless, weil es das, was es machen will, in weiten Teilen sehr gut macht.

Zwei Spielelemente wirken bestimmend in The Pathless: Bewegung und Rätsel. Selbst die Bosskämpfe sind keine richtigen Kämpfe, sondern vielmehr eine Aneinanderreihung von kleineren Rätseln. Ziel des Spiels ist es, Emotionen beim Spieler zu wecken. So auch bei unserem Begleiter, einem Adler, der uns beim Überwinden von Hindernissen und dem Lösen von Rätseln behilflich ist.

Unser gefiederter Freund: Gehorsam wie eine Brieftaube
Unser gefiederter Freund: Gehorsam wie eine Brieftaube © Annapurna Interactive

Die Fortbewegung hat in seinen besten Momenten, nämlich wenn der Flow einsetzt, einen beinahe meditativen Effekt. Die grünen Wiesen und Wälder ziehen verschwommen an uns vorbei und wir vergessen, dass wir einen Controller in den Händen halten. Im Kontrast dazu stehen die Rätsel, die eine entschleunigende Wirkung haben und uns zwingen, uns mit der Spielwelt und ihren Geheimnissen auseinanderzusetzen. Diese Gegensätzlichkeit funktioniert sehr gut.

Hingegen erfüllt der Adler als emotionaler Anker nur bedingt seine Funktion. Wir streicheln ihn, wenn er verletzt wurde und heilen seine Wunden. Er schmiegt sich dann an uns. Doch die anonyme Natur beider Protagonisten verhindert eine tiefere Bindung zwischen Spieler, Avatar und Begleiter.

Schwierigkeiten erkennen wir auch bei der Vermittlung der Geschichte. Die wörtliche Lesart ist simpel gestrickt. Der Wert der Story besteht in hohem Ausmass in persönlichen Deutungen von Themen wie Einsamkeit und Verzweiflung im Kampf gegen die Dunkelheit. Hier lassen sich viele spannende interpretative Parallelen ziehen. Um dahin zu kommen, muss man sich durch Erinnerungsfetzen von längst verstorbenen Menschen lesen. Die sind leider nicht besonders aufregend geschrieben, und wir ertappen uns hin und wieder, wie wir den Text schneller wegklicken, als wir in lesen können.

Was hat es bloss mit dieser ominösen Pyramide auf sich?
Was hat es bloss mit dieser ominösen Pyramide auf sich? © Annapurna Interactive

Rein spielerisch besteht der Gameplay-Loop aus Erkunden, Rätseln und Gebiet befreien. Diese Struktur wird auf Dauer repetitiv, auch wenn die einzelnen Elemente überaus unterhaltsam sind. The Pathless ist sich dem bewusst und zieht sich zurück, bevor es zu einem Grind verkommt. Nach einem grosszügigen Nachmittag ist das Spiel auch wieder vorbei, wobei man auf Wunsch mehr Rätsel lösen kann, als notwendig sind, um die Story voranzutreiben.

The Pathless ist ein mehr als interessantes Spiel. Über die erzählerischen Schwächen oder die durchaus repetitive Struktur kann man gut hinwegsehen. Auch der Umstand, dass das Spiel die Pferdestärken der PS5 und die besonderen Funktionen des DualSense kaum ausreizt, ist eigentlich kaum der Rede wert. The Pathless ist eine willkommene Abwechslung von der klassischen Open-World-Formel: ohne Minimap, ohne Questlog und ohne Sammelwahn - das ist richtig befreiend.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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