Nioh 2 (2020)

Nioh 2 (2020)

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PS4-Review: Sterben mit Stil

Immer und immer wieder komme ich zurück.
Immer und immer wieder komme ich zurück. © Entwickler / Publisher

In feudalen Japan, um 1555, herrscht Chaos. Kriege überschatten die sogenannte Sengoku-Periode. Aus diesen Schatten schalen sich blutrünstige Dämonen ab, auch als Yokai bekannt. Diese können unterschiedlichste Formen annehmen - von gollumartigen Kreaturen bis zu bildschirmfüllenden Bestien, aber auch gutwillige Geschöpfe wandern durch die Einöde.

Der Spieler übernimmt die Rolle des Söldners Hide, der zur Hälfte selbst ein Yokai ist. Die Geschichte beginnt in der Provinz Mino, wo Hide angeheurt wird, Yokai zu jagen. Auf seiner Reise durch das Reich der Dämonen und Geister trifft unser Held auf den mysteriösen Stein-Händler Tokichiro. Aus der engen Freundschaft resultiert ein episches Abenteuer inspiriert von der echten japanischen Geschichte.

Fans des Vorgängers werden Nioh 2 lieben, Soulsborne-Veteranen werden sich wohl fühlen. Das Spiel spielt sich butterweich und sieht aus wie ein surrealer Traumtrip nach Fantasie-Japan. Auch Teil 2 bleibt ein harter Brocken, aber ist nachsichtiger als andere Vertreter. Geduldige, die offen sind für Challenges sind willkommen, solche Spiele auszuprobieren. Wer sich von Anfang an mit dem Genre nie anfreunden konnte, sollte lieber seine Zeit nicht vergeuden mit Frust.

Leider wissen die Dämonen nicht, dass man keine Ladys schlägt.
Leider wissen die Dämonen nicht, dass man keine Ladys schlägt. © Entwickler / Publisher

Hat Nioh uns noch eine vorgefertigte Figur in die Hand gedrückt und gesagt «So los, geh spielen mit dem irischen Dude», lässt Nioh 2 uns die freie Wahl. Ganz in RPG-Manier dürfen wir den Charakter selbst fein tunen. Das System dahinter beeindruckt mit vielen Details und Tiefe. Sieht der Held oder die Heldin endlich ansprechend aus, dürfen wir uns ausrüsten.

Von meterlangen Klingen bis zu agilen Schlagstöcken ist für die Erstausrüstung alles dabei, was das Monsterjägerherz begehrt. Ob Bogen-Fernkämpfer oder geskillter Nahkämpfer, die Waffenwahl ist entscheidend für die Spielweise. Stärkere Waffen kann man im Verlaufe des Spiels looten und verstärken - ähnlich wie das Lootsystem in Diablo, womit Niohs RPG-Elemente immer wieder verglichen werden. Wie oft man von diesem Lootsystem profitieren wird, bleibt die grosse Frage. Meist stärkt man einfach seine erste Waffe bis zum Limit, da diese schon am geläufigsten ist.

Es kommt nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik.
Es kommt nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik. © Entwickler / Publisher

Interessant und neu ist auch das Ausrüsten eines Schutztiers. Als Halbyokai können wir dämonische Kräfte erwecken und mit mehr strategischen Komponenten die Dämonen bezwingen. Dafür stehen drei Schutztiere zur Wahl, die unterschiedliche Kräfte erwecken. In jedem Modus fühlt man sich für eine kurze Zeit unbesiegbar, kann ordentlich austeilen und muss kaum einstecken.

Das Gameplay bleibt frisch, ausgeklügelt und fühlt sich geschmeidiger an als gut eingecremte Haut. Da übertrumpft die Nioh-Reihe die Konkurrenz! Nioh 2 spielt sich agiler, schneller und ninjamässiger verglichen mit dem klobigen, geduldigeren Gameplay von Dark Souls. Essenziell wie schon im ersten Teil bleibt die Stamina-Anzeige. Ist die leer, haben Nah- und Fernangriffe keine Wirkung mehr. Das ist ein wichtiges Feature, da man sonst einfach unüberlegt alles kleinhauen würde, ohne auf seine Deckung zu achten.

Wer reitet hier wen, hmm?!?
Wer reitet hier wen, hmm?!? © Entwickler / Publisher

Apropos Deckung, ihr blockiert starke Angriffe mit einem Switch in die Dämonenform und kontert mit enormen Schaden. Das verbraucht keine Stamina oder auch Ki genannt, sondern hat seine eigenen Energiemeter: Anima. Die Tierformen kann man mit Seelenkernen boosten und verschiedene Attacken ausrüsten. Das bringt weitere taktische Tiefe in den Kampf und kann oft ein Lebensretter sein wie die Gefängnisfreikarte in Monopoly.

Die japanische Kulisse sieht fantastisch aus und gerade das Setting lässt über die karge Story hinwegschauen. Unser neuer Held reflektiert nicht mehr wie William aus Nioh. Die Story an sich ist entweder zu komplex aufbereitet oder einfach zu vernachlässigen - da die Welt alleine die Spieler verschlingt. Eine mitreissende Geschichte hätte Nioh 2 sicher weiter vom ersten Teil abgegrenzt und das Update auch bemerkbarer diktiert.

Wir zwei gegen den Rest der Welt. Was kann schief gehen?
Wir zwei gegen den Rest der Welt. Was kann schief gehen? © Entwickler / Publisher

Die wohl spannendste Erneuerung ist der Koop-Modus. Neu könnt ihr mit Freunden durch die Missionen schwitzen und an den hartnäckigen Bossen verzweifeln. Noch etwas womit sich Nioh 2 von seinem Vorgänger und den Souls-Spielen abhebt. Und zu zweit macht sowieso alles mehr Spass - auch hunderte Male sterben.

Muhammed Ali Keskin [ali]

Ali arbeitet seit 2019 als Freelancer bei OutNow. «Yoshi's Island» ist Liebe, «Bloodborne» ist Leben - alles andere ist auch ganz nett. Den Film «Stand By Me» zieht er sich alle Jahre wieder rein. Wenn er nicht gerade zockt oder im Kino hockt, kümmert er sich um seine Gottesanbeterinnen.

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