Mortal Shell (2020)

Mortal Shell (2020)

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PC-Review: Ich, der Parasitenkrieger!

Noch einmal durchatmen, dann gehts los!
Noch einmal durchatmen, dann gehts los! © Playstack

Die Herzen aller sadistischen Soulslike-Fans könnten heute höher schlagen. Mortal Shell, das Action-Rollenspiel vom Indie-Studio Cold Symmetrie, versucht sich mit seiner eigenen Interpretation von einem harten, aber fairen Spielstil. Also stellt sich wie bei allen Soulslike-Titeln die Frage: Ist Mortal Shell nur eine schön eingekleidete Kopie, oder wird versucht, eigenständig in abgenutzter Plattenrüstung zu bestehen?

In einer düsteren und von Tod besessenen Welt namens Fallgrim taucht man in die Rolle einer skelettartigen Kreatur, welche sich aus dem Abgrund hervorhebt. Eine Welt, in der nichts mehr Wirklichkeit ist und nur die Erinnerungen anderer den absoluten Wert besitzen. Über die Geschichte besagter Welt ist nicht viel bekannt, doch eine geheimnisvolle Vogelkreatur beauftragt euch, drei heilige Glandula an abgelegenen Orten der Welt zu bergen. Im Austausch dafür erhaltet ihr Macht und einen Weg, die besagte Welt zu verlassen.

Mortal Shell ist keineswegs eine einfache Kopie, sondern besteht mit den vielen Eigenkreationen den Soulslike-Test mit Bravour. Durch das Kombinieren der sterblichen Hüllen mit den verschiedenen Waffen kann der Spieler mehrere Spielstile, wie auch für sich selber das optimale Set zusammenstellen. Sei es eine flinke Hülle mit einer ebenso flinken Dolch-Spitzhacken-Kombination oder eher einem Tank, der fast schon unerschöpfliche Lebenspunkte, dafür aber geringe Ausdauer hat. Das Levelsystem bietet ebenfalls eine schöne Abwechslung: In Mortal Shell wird nämlich jede Hülle einzeln gelevelt und hat somit auch seine eigenen Vor- und Nachteile. Einzig und allein das Kampfsystem könnte an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen ausgefeilter sein. Im Grossen und Ganzen ist dieser Titel aber ein mehr als gelungenes Action-Rollenspiel, bei dem auch eingefleischte Souls-Fans ins Schwitzen geraten.

Die Lore ist nicht einfach zu verstehen
Die Lore ist nicht einfach zu verstehen © Playstack

Die Geschichte rund um Fallgrim ist sehr mysteriös und schwer zu knacken. Der Inhalt des Spiels, wie auch die nicht spielbaren Charaktere, helfen da leider auch nicht wirklich weiter. So kann einzig und allein durch Abgrasen der Welt auf der Suche nach ein wenig Lore dem einen oder anderen ein Lichtlein aufgehen. Schliesslich kommt man zum Schluss, dass die Hauptaufgabe darin besteht, die drei Glandula dem Vogel-Riesenvieh zu bringen, um die ultimative Macht wie auch eine Chance zu erhalten, aus Fallgrim zu fliehen.

Auf dem Weg unseres Helden trifft man auf viele verschiedene Gegner mit ihren jeweils eigenen Kampfstilen. Halbtote die sich Messer aus ihren Gliedmassen ziehen, um sie euch um die Ohren zu hauen, oder übergrosse Ritter, die nur darauf warten, euch mit ihrem Streitkolben die Birne zu zermantschen. Alle mit ihren eigenen Kampfmechanismen und alle nicht zu unterschätzen, denn beträchtlicher Schaden macht jeder Gegner, egal ob gross oder klein. Als Belohnung für das Niedermetzeln dieser Abscheulichkeiten können Items oder auch Tar und Erinnerungen aufgesammelt werden. Und diese sind nicht ganz unwichtig.

Heute nimm ich das Grossschwert ...
Heute nimm ich das Grossschwert ... © Playstack

Für Abwechslung sorgen unter anderem die verschiedenen Hüllen, welche getragen werden können. Diese sind, wie auch die Waffen selber, allesamt in der Welt verteilt und müssen geborgen werden. Eine generelle Klasse, so wie es sie in anderen Rollenspielen gibt, ist in Mortal Shell nicht vorhanden. Die Hüllen haben ihre eigenen Fähigkeiten, die mit der erwähnten Währung Tar und den Erinnerungen erkauft werden können. Zusätzlich kann jede Waffe mit jeder Hülle getragen werden, was auf einen abwechslungsreichen Spielstil hindeutet. Dadurch kann beispielsweise eine flinke Hülle mit sehr viel Stamina und wenig Lebenspunkten mit einer ausdauerverzehrenden Waffe wie dem Grossschwert gepaart werden. Tolle Sache.

Das Kampfsystem in Mortal Shell fliesst dabei eins zu eins mit der ausgewählten Hülle zusammen. Alle Hüllen haben dabei unterschiedliche Attribute in Lebenspunkten, Ausdauer und Entschlossenheit. Somit gibt es für jede Situation einen passenden Leihkörper. Zusätzlich kann ein Verhärtungs-Modus eingeleitet werden bei den sich der ganze Körper verhärtet und somit Schläge von Gegnern annulliert werden.

Zeit zum Kuscheln!
Zeit zum Kuscheln! © Playstack

Eine schöne und geheimnisvolle Sache sind auch die Items in Mortal Shell. Denn in diesem Spiel weiss man erst, welchen Nutzen ein Gegenstand hat, wenn man ihn mehrere Male benutzt hat. Dadurch enstehen öfters Momente, in denen man einen Heil-Gegenstand benötigen würde, sich aber nicht traut, ein unbekanntes Item einzusetzen.

In der mit Liebe gestalteten Welt von Fellgrim gibt es viele Sachen zu entdecken. Die ganze Spielwelt ist auf verwirrende aber durchaus gute Art miteinander verstrickt. Somit ist nicht selten das Gefühl von Orientierungslosigkeit zu verspüren. Durch sehr leise und bedrückende Musik wird die einsame Reise allerdings sehr gut unterstrichen. Perfekt für jene, welche ein herausforderndes und düsteres Ambiente einem «normalen» Rollenspiel vorziehen.

Jan Walder [jaw]

Jan arbeitet seit 2020 bei OutNow als Freelancer. Als Gamehead und Streamer liebt er es, sich in Welten wie «Dark Souls» und «Monster Hunter» zu verlieren. Je höher der Schwierigkeitsgrad, umso eher wird sein Interesse geweckt. Als Couchpotato lässt er die Finger von Sport- oder Jump n' Run-Games.

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