Maid of Sker (2020)

Maid of Sker (2020)

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PS4-Review: Die Geister, die ich rief ...

«Willkommen im herrlich schäbigen Sker Hotel! Das Personal erwartet Sie bereits.»
«Willkommen im herrlich schäbigen Sker Hotel! Das Personal erwartet Sie bereits.» © Wales Interactive

Wales im Jahr 1898. Ein brieflicher Hilferuf lockt den Komponisten Thomas Evans zu seiner geliebten Elizabeth auf die abgelegene Insel Sker. Elizabeth schreibt, dass mysteriöse Angreifer sie im familieneigenen Hotel festhalten würden und wir zur Hilfe eilen sollen - mit einer spezifischen Komposition im Gepäck.

Beim heruntergekommenen und vermeintlich verlassenen Hotel angekommen, merkt Thomas schnell, dass der Schein trügt. Unheimliche, gesichtslose Gestalten streifen blind durch die Gänge, lauschend und lauernd. Während er so leise wie möglich durchs Gebäude schleicht, deckt er nach und nach das dunkle Geheimnis des Hotels, der Familie seiner Geliebten und der mysteriösen Musik auf, die vom Hotel und seinen Bewohnern Besitz ergriffen hat.

Maid of Sker ist ein schönes kleines Gruselspiel, das zwar wenig neu erfindet, dafür vor allem durch seine Atmosphäre und das gewollt altmodische Rätseldesign insbesondere Fans älterer Horrortitel ansprechen dürfte. Dem Spiel geht gegen Ende gameplaymässig etwas die Puste aus, vermag aber während der Spielzeit gut zu unterhalten. Die klassische Story ist vorhersehbar, aber charmant altmodisch.

Ein romantisches Date im Mondlicht darf nicht fehlen.
Ein romantisches Date im Mondlicht darf nicht fehlen. © Wales Interactive

Die Story basiert lose auf der gleichnamigen walisischen Legende und dem real existierenden Spukort Sker House im Süden von Wales. Die schaurige Erzählung des Spiels atmet zwar den alten viktorianischen Grusel mit jeder Pore, wird aber trotzdem eher klischiert erzählt. Über Grammophon-Spulen, Notizzettel, Telefongespräche mit Elizabeth und Tagebucheinträge decken wir allmählich die Geschehnisse rund um das marode Hotel auf. Wirkliche Überraschungen dürfen aber keine erwartet werden, dafür sind die Erzähl-Mechanismen zu bekannt, die Wendungen eine Spur zu voraussehbar. Trotzdem vermag die Geschichte zu gefallen.

Generell überzeugt der Titel mit einer dichten Atmosphäre: Die undurchdringlichen Wälder, die das Hotel umgeben, rascheln bedrohlich im Wind, der einstige Prunk des Nobelhotels ist unheimlichem Zerfall gewichen. Über allem hören wir immer wieder der lockende Gesang einer Frau. Grafisch sieht der Titel nett aus, reisst aber keine Bäume aus. Einzelne Texturen sind sogar sehr verwaschen und unschönes Kanten-Flimmern minimiert die ansonsten ansprechende Präsentation. Maid of Sker ist kein schnelles Spiel, trotzdem knicktE die Framerate gelegentlich ein, an einzelnen Stellen kam das Spiel gar kurz ins Stocken.

Die Insel überzeugt mit einer schaurigen Atmosphäre.
Die Insel überzeugt mit einer schaurigen Atmosphäre. © Wales Interactive

Dafür überzeugt das Spiel auf der audiovisuellen Ebene vollends. Die Musik ist schaurig-schön und das Sound Design sorgt für manche Atemaussetzer. Holz knarrt unter unseren Füssen, Glas klimpert, wenn wir an einen Tisch stossen. Immer wieder halten wir inne, weil wir glauben, Schritte gehört zu haben. Auch das sporadisch auftretende englische Voice-Acting ist gut getroffen.

Was das Gameplay betrifft, bedient sich der Stealth-Grusler bei den bekannten Vorbildern. Wie in Resident Evil sammeln wir spezifische Schlüssel, mit denen wir im Verlauf der Geschichte immer mehr Türen im Hotel öffnen können. Statt auf Schreibmaschinen speichern wir hier in sicheren Zimmern an Grammophonen. Die wenigen Rätsel reichen von simplen Schalterrätsel bis zu kleinen Knobeleien, deren Lösung aber immer in Griffnähe ist.

Mit der Schallkugel lassen sich Gegner kurzzeitig betäuben.
Mit der Schallkugel lassen sich Gegner kurzzeitig betäuben. © Wales Interactive

In Maid of Sker wird nicht gekämpft. Wie in Outlast geht es draum, ungesehen an den hier blinden Gegnern vorbeizuschleichen. Wird man entdeckt, ist das Spiel meistens aus. Wehren kann man sich zwar ab einem gewissen Punkt mit einer steampunkig anmutenden Schallkugel, die unsere Gegner für einige Sekunden betäubt, wirklich gerettet werden wir damit aber auch nicht immer.

Das liegt auch an der teils irritierenden Gegner-KI. Manchmal können wir ungestraft einen halben Meter an einem Gegner vorbei kriechen und an anderen Stellen werden wir am entfernten Ende des Korridors schon entdeckt, obwohl wir uns nicht bewegen. Je nach Schwierigkeit erreicht man eines von zwei möglichen Enden nach etwa 5-7 Stunden. Diese sind zwar kurzweilig, leider entwickelt sich das Gameplay aber nach den ersten Spielstunden nicht mehr weiter und somit bleibt der Titel etwas überraschungsarm.

Mr. X's britischer Cousin hat auch im Hotel eingecheckt.
Mr. X's britischer Cousin hat auch im Hotel eingecheckt. © Wales Interactive

Wie sieht es denn mit dem Horror aus? Der entwächst grösstenteils dem manuellen Speichersystem (es gibt keine Auto-Save-Funktion) und den hörempfindlichen Gegnern. Unser Held Thomas kann sich die Hände vor den Mund halten, um Atemgeräusche zu vermeiden - bis ihm die Luft ausgeht und er laut nach Luft schnappen muss. Diese Mechanik kann für ordentlich Herzklopfen sorgen, wenn sich ein Gegner in unmittelbarer Nähe befindet und wir in einem Raum hocken, dessen Staub uns husten lässt.

Jumpscares gibt es glücklicherweise nur wenige und so bleibt Maid of Sker meistens eher unheimlich denn horrorhaft. Generell hat uns die erste Stunde mehr Gänsehaut auf die Haut gezaubert, denn sobald die Gegner sich einmal offenbart haben und man weiss, wie mit ihnen umzugehen ist, verlieren sie schnell ihren Reiz und ihre Bedrohlichkeit. Hier hätte dem Titel etwas Variantenreichtum gut getan. Da hilft auch ein Mr. X-Verschnitt aus Resident Evil 2 nicht, der uns in einem Abschnitt hetzt.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Trailer: Suo Gân Englisch, 02:00