Mafia: Trilogy (2020)

Mafia: Trilogy (2020)

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PS4-Review: The Good, the Bad and the Ugly

Willkommen zurück in Lost Heaven.
Willkommen zurück in Lost Heaven. © 2K

Die «Familie» ruft! Kehrt zurück in die Stadt, wo Hobby-Mafiosi ihre Liebe zur Tommy Gun entdeckt haben. Macht als Tommy Angelo die Strassen und Restaurants von Lost Heaven unsicher und erkämpft euch die Gunst von Don Salieri. Dank einem gelungenen Remake sieht das Kult-Spiel so hübsch aus wie noch nie. Und die anderen beiden Teile gibt's als Remaster gleich noch obendrauf.

Die Mafia: Trilogy beinhaltet - welch Überraschung - die dreiteilige Mafia-Reihe samt allen DLCs. Das Prunkstück der Sammlung bildet definitiv das Remake des ersten Teils von 2002. Leider können die anderen beiden Teile nicht ansatzweise auf so hohem Niveau überzeugen. Teil 2 ist ein technisch enttäuschender Remaster eines eigentlich tollen Spiels, Teil 3 hat seit seinem Bug-verseuchten Launch nur wenig Besserung erfahren. Die Collection eignet sich daher hauptsächlich für Spieler, die noch keinen Teil der Reihe besitzen. Alle anderen sollten sich lediglich das Remake besorgen.

The Good: Mafia - Remake

Mafia erzählt die Geschichte des Taxifahrers Tommy Angelo, der per Zufall in die Welt des organisierten Verbrechens reinschlittert und sich an der Seite der Mafiosi Paulie und Sam Stück für Stück die Gunst von Oberhaupt Don Salieri erarbeitet - bis ihn ein schwerwiegender Verrat in Lebensgefahr bringt.

Die Geschichte folgt derjenigen des Originals von 2002 sehr getreu und erweitert sie mit zusätzlichen - und gut vertonten - Dialogen und Zwischensequenzen. Optisch hat Entwickler Deck 13 (die auch Mafia III entwickelt haben - dazu später mehr) die fiktive Metropole Lost Heaven und ihre Bewohner detailverliebt nachgebaut. Die Frischzellenkur samt neuer Grafik, Sprecher und Animationen hat das Spiel sanft, aber konsequent in die heutige Zeit gebracht. Der Titel läuft zudem flüssig und fehlerfrei. Sound und Musik überzeugen ebenfalls und vermitteln ein herrliches Flair der 30er Jahre.

Gegenüber Genre-verwandten Titeln wie der GTA-Reihe dient Lost Heaven hier aber lediglich als Kulisse für die spannende und gut erzählte Geschichte. Zwar kann man in einem separaten Freie Fahrt-Modus die Stadt erkunden und Sammelgegenstände und spezielle Autos finden, der Fokus liegt aber ganz klar auf der Handlung - eine gute Entscheidung, wie wir finden. Denn so wird man als Spieler nicht von Nebenaufgaben abgelenkt und bleibt tief in der Welt von Tommy und dem tobenden Bandenkrieg zweier rivalisierender Mafia-Clans gefangen.

Wo geht's zum nächsten Massaker?
Wo geht's zum nächsten Massaker? © 2K

Anders als im Original wurden dem Remake verschiedene Schwierigkeitsstufen spendiert, damit auch der hinterletzte Versager das berüchtigte Autorennen schafft. Puristen können sich aber nach wie vor am »Klassisch«-Modus die Zähne ausbeissen.

Abschliessend kann gesagt werden, dass das Mafia-Remake eines der besten Remakes der letzten Zeit ist. Hier wurde ein beliebter Klassiker mit der nötigen Balance aus Modernisierung und sanfter Renovation neu aufgelegt. Hardcore-Fans mögen vielleicht das Fehlen einiger kleiner Nebenmissionen oder andere Gameplay-Änderungen ankreiden, aber unterm Strich bleibt Mafia - Remake ein toller Titel.

The Bad: Mafia II - Definitive Edition

Auch Teil 2 ist ein toller Titel und eine gelungene Fortsetzung - zumindest war er das, als er 2010 erschienen ist. Während beim Remake des Vorgängers viel Liebe und Herzblut ins Spiel geflossen ist, muss man den Remaster des zweiten Teils leider als mässig bezeichnen. Ja, die Grafik wurde dezent aufgehübscht - das Alter sieht man dem Titel aber immer noch an - leider kämpft der Titel allerdings mit zahlreichen technischen Problemen. Während unserer Testphase kam es zu mehreren Spielabstürzen, Freezes und hässlichen Grafikfehlern. Eine «Definitive Edition» sieht anders aus.

Eine einfache Beschwerde beim Koch hätte auch gereicht.
Eine einfache Beschwerde beim Koch hätte auch gereicht. © 2K

Mafia II bietet zwar einen Hauch mehr Möglichkeiten mit seinem Schauplatz Empire Bay und lässt den Spieler zwischen den Aufträgen Sammelkram aufspüren, Autos tunen und Geld für Waffen und Klamotten ausgeben, aber einen Schwall von Nebenbeschäftigungen sollte man nicht erwarten. Auch Teil 2 legt seinen Fokus klar auf die Geschichte und die überzeugt - trotz fiesem Cliffhanger am Schluss - auch heute noch.

Die Story beginnt kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs und handelt von Vito Scaletta, der aus dem Schlachtfeld von Italien nach Empire Bay zurückkehrt, wo seine Mutter und seine Schwester auf ihn warten. Vitos verstorbener Vater hat bei der örtlichen Mafia ordentlich Schulden angehäuft, mit denen die Hinterbliebenen immer noch zu kämpfen haben. Mit der Hilfe seines alten Kumpels Joe, der Verbindungen zur Unterwelt hat, versucht Vito nun, diesen Schuldenberg abzubauen, auch wenn er dafür tief in die Welt der Kriminalität eintauchen muss.

Vito Scaletta und Kumpel Joe spielen mit dem Feuer.
Vito Scaletta und Kumpel Joe spielen mit dem Feuer. © 2K

The Ugly: Mafia III - Definitive Edition

New Bordeaux, 1968. Vietnam-Soldat Lincoln Clay kehrt in seine Heimatstadt zurück - eine Metropole, die an New Orleans erinnert und mit Rassenunruhen, Rassismus und Kalter-Krieg-Paranoia zu kämpfen hat - und sinnt, nach einem Anschlag auf seine Familie, auf Rache. Das Setting ist ungewohnt, aber sehr atmosphärisch - vor allem wegen der grandiosen Musikauswahl, die so ziemlich jeden Klassiker aus dieser Zeit umfasst. Von den Rolling Stones bis zu Jimmy Hendrix und Johnny Cash ist alles dabei.

Willkommen in New Bordeaux! Hier gibt es Sümpfe, Gewalt und Rassismus im Überfluss!
Willkommen in New Bordeaux! Hier gibt es Sümpfe, Gewalt und Rassismus im Überfluss! © 2K

Wurde die Story in den Vorgängern noch streng linear erzählt, hat sich Entwickler Deck 13 hier an einem dokumentarischen Stil orientiert - inklusive Interviews mit einigen Protagonisten, die rückwirkend über ihre Erlebnisse und die Taten von Lincoln Clay berichten. Ein spannender Ansatz. Grundsätzlich überzeugt auch hier die Geschichte. Clay ist ein komplexer Charakter mit Ecken und Kanten, den man manchmal liebt und manchmal hasst. Auch die Nebenfiguren - einige davon kennt man aus dem Vorgänger - überzeugen grösstenteils. Warum die Story in den Vorgängern besser war? Weil Mafia III den grossen Genre-Vorbildern nacheifert und seine Welt mit unzähligen Sammelquests und immer gleich ablaufenden Nebenaufträgen vollstopft, sodass die Story zunehmend gestreckt und verwässert wird. Das wurde schon damals bei unserem Test bemängelt und daran hat sich nichts geändert.

Lincoln Clay ist ein spannender und komplexer Charakter.
Lincoln Clay ist ein spannender und komplexer Charakter. © 2K

Genau wie bei der fehlerhaften Technik. Schon beim Release kämpfte der Titel mit allerlei Bugs, hässlichen Grafikfehlern und Performance-Problemen. Viele davon trifft man immer noch an - unentschuldbar und unverständlich, gerade weil Entwickler Deck 13 das gelungene Remake mit derselben Engine praktisch fehlerfrei gestemmt hat. Mit der Definitive Edition hätte man die Möglichkeit gehabt, dem ambitionierten Titel eine zweite Chance zu geben - und hat sie eiskalt verstreichen lassen.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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