The Last of Us Part II (2020)

The Last of Us Part II (2020)

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PS4-Review: Wenn uns die Sünden unserer Väter einholen.

Seit dem ersten Teil sind ein paar Jahre vergangen. Und die Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen.
Seit dem ersten Teil sind ein paar Jahre vergangen. Und die Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen. © Sony Interactive Entertainment

2013 haben uns die Macher der Uncharted-Reihe mit The Last of Us ein düsteres und technisch herausragendes Endzeit-Abenteuer spendiert, dass die Spieler auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Die Geschichte rund um das Mädchen Ellie und dessen unfreiwilligen Ziehvater Joel, die sich durch eine Welt voller verfeindeter Fraktionen und von Pilzsporen infizierten Mutanten kämpfen, hat Presse und Spielerschaft gleichermassen begeistert.

Nach ein paar Verschiebungen erscheint nun sieben Jahre später endlich die heiss ersehnte Fortsetzung. Ellie und Joel leben einige Jahre nach dem ersten Teil in der friedlichen Bergstadt Jackson. Tägliche Patrouillen durch die nahe Umgebung sollen für Sicherheit vor streunenden Mutanten und Plünderern sorgen. Joel rettet auf einem dieser Rundgänge eine junge Frau und löst damit Ereignisse aus, die von einer einzigen Motivation getrieben sind: Rache.

The Last of Us Part II ist kein Wohlfühlspiel. Es schockiert, polarisiert und regt zum Nachdenken an. Was aber unbestritten ist: Es ist ein wunderschöner Schwanengesang an eine scheidende Konsolengeneration. Die grandiose Technik, die dichte Atmosphäre und der Detailreichtum täuschen grösstenteils über kleinere Designschwächen hinweg. Die Story bleibt wohl aber Geschmacksache.

Zwischen dem Horror und der Gewalt gibt es auch immer wieder Platz für intime Momente.
Zwischen dem Horror und der Gewalt gibt es auch immer wieder Platz für intime Momente. © Sony Interactive Entertainment

Der Release des Spieles wurde gemischt aufgenommen. Gelinde gesagt. Leaks haben im Vorfeld grosse Teile der Story verraten - und die hat vielen Spielern nicht gepasst. Von Werbetäuschung, feministischer Agenda und Verrat an den Fans ist nun die Rede. Petitionen fordern ein Remake mit einer «richtigen» Story, die den Figuren würdig sei. Ja, die Story ist kontrovers, und ja, ein paar fragwürdige Entscheidungen werden den Spielern aufgezwungen, aber letztlich bleibt Geschmack eben subjektiv. Uns hat die Story grösstenteils gefallen.

Da diese Review spoilerfrei bleiben wird, gehen wir auch nicht weiter auf die Leaks und die Story im Allgemeinen ein. Nur soviel sei gesagt: Die Rachegeschichte beleuchtet zwei Seiten derselben Münze, und genau das lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Klar, dass das nicht jedem schmeckt, aber es entspricht nunmal der rauen Realität und macht das Szenario glaubwürdiger als jede generische Heldengeschichte. Die Story ist unangenehm, nihilistisch und so gar nicht spassig - und genau das ist Absicht.

Hater stören sich an dieser Dame hier - auch wenn sie sich nie trauen würden, ihr das ins Gesicht zu sagen.
Hater stören sich an dieser Dame hier - auch wenn sie sich nie trauen würden, ihr das ins Gesicht zu sagen. © Sony Interactive Entertainment

Ganz losgelöst von der Geschichte muss gesagt sein: The Last of Us Part II ist eine technische Meisterleistung. Die Grafik ist schlicht atemberaubend. Als Spieler erlebt man eine zerfallene Zivilisation, die allmählich von der Natur zurückerobert wird. Und dank unzähliger kleiner Details wird uns diese Welt glaubwürdig und äusserst atmosphärisch vermittelt. Ob zerfallene Städte, verschneite Wälder oder ein altes Theater, die Locations sind toll designt und ausgestattet. Wasser-, Nebel- und Lichteffekte zeigen zudem eindrucksvoll, was aus der PS4 noch alles herausgeholt werden kann.

Die Animationen der Figuren wurden über Motion-Capturing eingespielt - und das zahlt sich aus. Die Bewegungen kratzen nahe am Realismus, die Mimik ist glaubhaft und vermittelt die Emotionen, die es braucht, um die Geschichte zu tragen. Auch hier vermitteln Details das Bild von echten Menschen: Wenn Ellie unter einem lecken Wasserrohr steht, zieht sie die Schultern hoch, nach längerem Rennen werden ihre Bewegungen fahriger.

Die "Clicker" sind scheusslich wie eh und je - und haben für Teil 2 ein paar neue Freunde mitgebracht.
Die "Clicker" sind scheusslich wie eh und je - und haben für Teil 2 ein paar neue Freunde mitgebracht. © Sony Interactive Entertainment

Unterstützt wird die Optik von herausragendem Sounddesign und der melancholischen Gitarrenmusik von Gustavo Santaolalla, der schon für The Last of Us oder Filme wie Brokeback Mountain die Saiten gezupft hat. Auch die Synchronisation von Branchengrössen wie Troy Baker und Laura Bailey ist einmal mehr erste Sahne. Wahlweise bietet das Spiel auch eine deutsche Synchro. Toll: Mit speziellen Funktionen kann der Titel auch von gehörlosen oder sehbehinderten Menschen gespielt werden.

Gameplay-technisch hat sich seit dem Vorgänger wenig getan. Nach wie vor schleichen und kämpfen wir uns durch die Spielwelt, schalten Fähigkeiten mit Pillen frei und verbessern unsere Waffen an Werkbänken. Mit gefundenem Tand basteln wir uns Messer, Rohrbomben und Schalldämpfer zusammen. Neu hinzugekommen ist eine Funktion, mit der man gegnerischen Attacken ausweichen kann und - dem Ruf der Fans wurde Folge geleistet - Ellie kann endlich schwimmen und tauchen.

Gewisse Abschnitte können auch hoch zu Ross erkundet werden.
Gewisse Abschnitte können auch hoch zu Ross erkundet werden. © Sony Interactive Entertainment

Also alles eitel Sonnenschein in der Endzeit? Leider nicht. Die Kampfsteuerung ist nicht immer optimal, das Ausweichen der Attacken verkommt hin und wieder kamerabedingt zum Glücksspiel. Das Inventar-Handling gestaltet sich etwas fummelig - ärgerlich, weil das Spiel in dieser Zeit nicht pausiert und man den Gegnern schutzlos ausgeliefert ist. Gewisse Details sorgen leider auch dafür, dass die Immersion stellenweise flöten geht. Beispielsweise wenn Gegner unsere Begleitperson partout nicht sehen wollen, auch wenn sie ihnen vor der Nase durchrennen. Das war schon im Vorgänger so und hätte durchaus verbessert werden können.

Ebenfalls ist die Erzählweise teilweise unnötig verschachtelt, springt Stunden, Tage oder Monate zwischen den Ereignissen vor und zurück. The Last of Us Part II bietet mit einer Spielzeit zwischen 20 und 30 Stunden (je nach Schwierigkeitsgrad) einen stattlichen Umfang. Leider gibt es aber immer wieder Passagen, die nach Spielstreckung riechen. So stellt sich eine ausufernde Exkursion in ein Krankenhaus, in dem wir medizinische Vorräte für eine bestimmte Figur holen müssen, als ziemlich irrelevant heraus. Zwar erleben wir da tolle Momente im düsteren Keller des Spitals, aber für die eigentliche Handlung war die ganze Nummer in letzter Konsequenz ziemlich überflüssig. Das ist zwar Meckern auf hohem Niveau, aber soll trotz allem nicht unerwähnt bleiben.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Kommentare Total: 3

nna

Nach etwas weniger als 22 Stunden durch und ich bin platt. Mich hat schon lange keine Geschichte in irgendeinem Medium derart mitgenommen. Und The Last of Us 2 funktioniert auch viel besser als Game denn als Serie oder Film. Denn man muss sich die Finger selber schmutzig schmachen. Das Game ist unheimlich stressig, weil alle Ressourcen immer extrem knapp sind, es ist ständig gruusiges Wetter, die Gewalt ist roh und brutal und die Schiessmechanik ist recht realistisch (wenn auch nicht gerade 'spassig').
Wie im Review erwähnt, finde ich auch, dass das Game sich etwas zieht und mit der Zeit etwas repetitiv wirkt. Ausserdem gibts einige Abschnitte, die sich angeklebt anfühlen. Und die Ausweich-Mechanik ist, nunja, verbesserungswürdig. Dafür ist die Detailverliebtheit und die Spielwelt Weltklasse. So etwas hab ich echt noch nie gesehen. Darum find ichs Schade, dass das Game nicht immer supergut darin ist, den Spieler visuell durch die Levels zu leiten. Ich hab mich gelegentlich verlaufen oder steckte fest, was vor allem in den Stresssituationen mühsam ist.
Schlussendlich dient aber alles in The Last of Us Part 2 der Geschichte - und die finde ich fantastisch. Von mir gibts 5.5 Sterne wegen den erwähnten Problemchen, runde aber auf 6 auf.
Definitiv kein einfaches Game, aber ein Must-Play!

yan

Noch nicht ganz durch, aber ich kann es nur weiterempfehlen.

chb

PS4-Review: Wenn uns die Sünden unserer Väter einholen.

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